Wir wollten ausdrücklich als letztes Boot gekrant werden. Das hat auch gut geklappt. Nachteil ist natürlich, dass man am Nachmittag eventuell lange warten muss, je nachdem wie gut oder schlecht der bisherige Tag verlaufen ist. Ab 13:30Uhr sollten wir bereit sein, doch erst um 16:00Uhr wurde Piccolina dann aufgeladen. Vorteil: wir können alles nochmals mit Ruhe durchchecken und müssen erst am nächsten Morgen raus aus dem Slip.


Es läuft alles glatt, die Seeventile sind dicht, die Stopfbuchse entlüftet und dicht, der Motor läuft (hatten wir auch schon an Land getestet). Jetzt können wir nochmal ohne das Dinghy zu benutzen zu Panos zum Abendessen gehen und am nächsten Morgen ganz entspannt ablegen.

Es ist Samstag früh als wir uns vor Preveza vor Anker legen. Die Bucht ist schon recht voll, die Plätze mit etwas weniger Wassertiefe sind ziemlich belegt. Weiter draußen, bei 14m ist noch reichlich Platz.

Das tut richtig gut. Wenn man zu lange an Land ist, weiß man schon gar nicht mehr, wie das Leben an Bord im Wasser ist. Kein Staub, kein Lärm (oder zumindest viel weniger), eine leichte Prise von vorn, zur Toilette muss man keine Leiter hinabsteigen und 100m durchs Yard gehen und man kann direkt ins Wasser hüpfen wenn man möchte. Letzteres möchte ich nicht nur, sondern muss es auch kurz nachdem wir sicher vor Anker liegen. Denn, ja, die Seeventilverschraubungen sind alle dicht, aber leider ist wohl der Wassereinlass bei meiner Toilette verstopft. Das hatten wir doch schon mal? Verdammt. Jedenfalls kommt kein Wasser und als wir nach und nach die Schläuche abschrauben erkennen wir dass das Ventil sauber auf und zu geht, aber im Bogen vor dem Ventil (also auf der „Wasserseite“) kein Wasser durchkommt. Von Innen können wir die Verstopfung nicht rausschieben, wir kommen bis zum Bogen, dann ist Schluß, also Taucherbrille und Schnorchel auf und mit allerlei Werkzeug ab ins Wasser. Einen Korkenzieher drehe ich in die Verstopfung vom Borddurchlass und ziehe eine komische Masse raus, die aussieht wie eine Mischung aus Fasern und Algen. Doch es sitzt noch viel mehr im Borddurchlass. Rolf macht mir ein kleines Werkzeug aus einem Draht, mit einem kleinen Haken vorne dran. Das ist super. Ich tauche bestimmt 10,15 Mal und jedesmal bekomme ich was rausgekratzt. Schließlich scheint es endlich sauber zu sein und wir können innern wieder die Schläuche anschließen. Auch wenn sich das hier in der Beschreibung alles easy anhört, so waren das mindestens zwei Stunden Arbeit, aber schließlich funtioniert alles wieder. Super. Ist nur die Frage was hat unseren Borddurchlass verstopft? Es waren keine sehr feste Fasern, aber wir können es nicht definieren. Erst zwei Tage später erhärtet sich der Verdacht dass irgenwelche Insekten diese wunderbare, trockene Höhle unwiderstehlich fanden. Als ich nämlich den Rumpf des Bootes vom Dinghy aus inspiziere fällt mir der Auspuff unserer Dieselheizung ins Auge. Ein schönes, ca. zwei Zentimeter großes Loch in der seitlichen Bordwand. – und da schaut doch ein Stück Watte raus? Nein keine Watte, irgendein weicher, wolliger Samen. Und kaum rücke ich dem Auslass mit meinem neuen Werkzeug zur Leibe kommt mir allerlei entgegen. Blütenblätter, watteartiger Samen, auch festere Bestandteile räume ich aus dem Loch. Tja, das scheint wohl die gleiche Spezies an der Arbeit gewesen zu sein, wie an unserem Borddurchlass, nur das letzterer leider unter der Wasserlinie liegt.
Wir bleiben einige Tage vor Preveza und richten uns wieder auf das Bootleben ein. Mit dem Dinghy geht es an Land, das ist noch etwas schwierig nach Rolfs Knie OP. Die Anlandestellen müssen wir in Zukunft noch etwas besser aussuchen, denn das Knie ist noch nicht so kräftig wie vorher. Auch mit der Feinkoordination hapert es noch etwas. Aber es wird von mal zu mal besser.

Optimisten sind unterwegs vor Preveza
Ein paar Tage später ziehen schon vor Sonnenaufgang dicke Wolken auf. Das Wetterradar verheißt nichts Gutes, um uns herum viele Gewitter. In Sichtweite zum Flughafen sehen wir ein Flugzeug durchstarten, bevor es nach einer erneuten Schleife landen kann. Dann wird der Flughafen für einige Zeit geschlossen. Ein Flieger aus München wird nach Korfu umgeleitet, andere nach Athen – das kann man im Flightradar praktisch in Echtzeit mitverfolgen. Abends ist alles durch und wir können wie fast jeden Abend den Sonnenuntergang genießen.







Drei Tage später gehen wir Anker auf und segeln nach Lefkada. Eine wunderbare Briese pustet uns dem Kanal entgegen. Schade dass wir schon nach einer Stunde die Fock wieder einrollen müssen, denn dann geht es durch die Drehbrücke und den Kanal nach Süden.

Mit uns segeln einige Boot zur Brückenöffnung

Ausgebranntes Motorboot vor der Drehbrücke in Lefkas


Eigentlich ist die Drehbrücke eine kleine Fähre, die sich zur Seite fährt und den Kanal alle zwei Stunden für die Boote zur Durchfahrt freigibt

Im Kanal nach Süden mit Blick auf die Insel Lefkada
In der Bucht von Vliho geht der Anker runter. Die Bucht ist sehr geschützt, der Ankergrund meist gut, leider ist das Wasser nicht klar, dafür hat man alles in Reichweite – gute Dinghystege, Supermärkte, Restaurants, Cafés, Bäcker. Und wenn man früh morgens aufs Wasser schaut, kann man vielleicht auch eine Schildkröte entdecken….

Die Bucht von Vliho ist riesig - ensprechend sind viele Boot hier. Um es mit den Worten eines Nichtseglers zu sagen: das ist wie ein Parkplatz auf dem Wasser


Man kann es sich hier ausgesprochen gut gehen lassen

Meist sieht man nur ganz kurz den Kopf einer Schildkröte beim Luft holen aus dem Wasser ragen, aber so nah beim Boot sieht man sie noch kurz vor dem untertauchen




















