Kalamos, Vliho, Palairos, Varko

Es ist Aussicht auf leichten Südwind und den wollen wir nutzen um zu den nördlicheren Inseln zu gelangen. Der erwartete Besuch hat nun leider andere Pläne, wir sehen uns nur noch kurz, denn die angepeilte Ankerbucht auf Kalamos erweist sich als zu klein für zwei Boote. Sehr Schade.

Der nächste Tag bringt einiges an Südwind und den verbringen wir wieder in der Bucht von Vliho. Eine der wenigen geschützten Ankerbuchten bei Süd. Leider haben die Restaurants auf der Ostseite schon geschlossen. Man merkt deutlich dass es überall ruhiger wird. Die Saison neigt sich dem Ende, nun sind praktisch nur noch die Lokalitäten offen, die auch vielfach von Einheimischen besucht werden. Der Rest ist spätestens nach dem Feiertag am 28. Oktober geschlossen.

Wir verholen nach Palairos. Ein kleines Städtchen am Festland. Dort waren wir auch schon mit dem Auto und es gefällt uns gut dort. Vor dem Hafen kann man Ankern. Es ist nicht komplett geschützt, aber bei Winden aus nördlichen Richtungen ganz OK. Was Südwind anrichten kann, sehen wir an einem Katamaran, der bei der Südlage von neulich geslippt ist und nun am nördlichen Strand mit dem Autokran aus dem Wasser gehoben wird. Im linken Rumpf klafft ein großes Loch, dort wo er auf die Felsen gedrifftet ist. Er kann von Glück sagen, dass er es irgendwie noch an den Strand geschafft hat und nebenan ein kleines Gelände ist, auf dem ein paar Boote aufgepallt sind. So schnell kann es gehen….

Auch als wir vor dem netten Städtchen liegen, zeigt sich das Wetter nicht immer von der besten Seite. Regen und Gewitter ziehen über uns, aber dann ist auch es wieder richtig schön für einen ausgiebigen Spaziergang.

Von Palairos verlegen wir uns nur ein paar Meilen weiter in die Bucht Varkas. Im Sommer völlig überlaufen, sind nun gerade mal fünf Boote vor Anker. Das Wasser ist recht klar und am südlichen, felsigen Ufer kann man schön schnorcheln und findet auch mit Meerpfauen und Meerjunker farbenprächtige Fische. Am Abend nimmt der Wind zu, etwas mehr als angesagt ist und die ersten Stunden leider auflandig. Der Ankergrund ist eigentlich gut, solange der Anker nicht auf Gras liegt, doch schon bei den ersten Böen slippt das erste Boot. Es ist noch hell und die Crew fährt weiter und sucht sich eine andere Ankerbucht. Vor Mitternacht ist der Wind stärker geworden, hat gedreht und lässt uns nun ablandig schwojen. Prinzipiell immer ein besseres Gefühl, doch als wir nochmals die Köpfe aus dem Boot strecken um in die Runde zu schauen sehen wir wie die Ketsch mit britischer Nationale aus der Bucht treibt. Wir schauen hinterher, sehen wie nach einigen Minuten die Positionslichter angehen und das Boot sehr nahe an der felsigen Huk am Ende der Bucht unkoordiniert hin und her motort. Es ist zu weit weg um genaueres zu erkennen, doch plötzlich fährt sie schnell rückwärts – ist sie aufgelaufen? Wir denken, dass sie vermutlich wo anders hin motoren will und wollen schon ins Bett gehen, da sehen wir, wie sich die Ketsch wieder auf uns zu bewegt. Platz für weiteres Boot vor Anker hätte es durchaus, doch bitte nicht so: Wir liegen etwas abseits von zwei weiteren Segelyachten, die durch den starken Wind (immer so um die 30 Knoten) weit hin und her schwojen. Die motorende Yacht fährt volles Programm zwischen den zwei Ankerlieger gegen den Wind Richtung Strand. Ich sehe sie geistig schon auf Grund laufen, da stoppt sie auf, bleibt für einige Momente vorne in Strandnähe bis der Wind den Bug vertreibt und dann fährt sie wieder mit hoher Geschwindigkeit zwischen den Ankerlieger zurück in die Bucht. Was um Himmels Willen soll das werden? Es ist wirklich kein Spaß, wenn ein Boot völlig planlos bei Starkwind zwischen ankernden Booten rumkurvt – Vollgas versteht sich. Wir sitzen unruhig im Cockpit und schauen dem Treiben zu. Nach einigem hin und her versucht nun die Crew zwischen uns und den anderen Yachten zu Ankern. Hier ist etwas mehr Platz. Zunächst beginnt das Manöver auch ganz passabel. Sie fahren auf die freie Fläche zwischen die Yachten, dann geht der Anker runter, doch anstatt einfach aufzustoppen und sich vom Wind nach achtern vertreiben zu lassen, wird Vollgas rückwärts gefahren, mit dem Ergebnis dass der Anker vermutlich gerade mal den Grund berührt, wenn das Boot schon 50 m weiter hinten ist (somit auch der Grund tiefer wird). Und dann wird viel zu langsam Kette gesteckt. So kann sich kein Anker eingraben und das Boot bewegt sich immer weiter nach hinten, wird durch den Anker nicht gestoppt. Das stellt dann auch irgendwann die Crew fest und holt die Ankerkette wieder ein (das alles dauert natürlich viel länger als es hier mal kurz erzählt ist). Vermutlich hat die Crew keine Ahnung was falsch gemacht wurde. Wir haben noch ein paar bange Momente, als das Boot immer noch seine Runden in der Bucht herumfährt, immer wieder auch mit Kurs Richtung unserer Piccolina, doch dann drehen sie entgültig ab und motoren ins offenere Wasser. Dort scheint sich mittlerweile eine ordentliche Welle aufgebaut zu haben. Wir beobachten die Yacht noch bestimmt eine halbe Stunde, wie sie am Eingang der Bucht auf und ab fährt, bis sie schließlich abdreht und bald nicht mehr zu sehen ist. Wir sind erleichtert und krabbeln müde in unsere schwankenden Kojen. Am nächsten Morgen ist Ententeich und auch die nächsten Tage sind recht ruhig, aber es wird merklich kühler. Wir bleiben noch etwas in der hübschen Bucht, denn vermutlich ist es der letzte schöne Schnorchelspot in diesem Jahr.

Ithaka

Welch ein großer Name. Dabei ist sie eine der kleineren ionischen Inseln. Doch die Geschichten um Odysseus machten sie berühmt – auch wenn immer noch umstritten ist, ob das heutige Ithaka wirklich die Insel ist, die Homer als die Geburtsinsel des Odysseus beschreibt. Einiges spricht dafür, so gibt es einige archäologische Funde aus mykenischer Zeit, dennoch halten manche Historiker auch Kefalonia oder sogar Lefkada für die homerische Insel Ithaka.

Wir segeln mit starkem Südwind zur Insel. Es sind wieder – wie schon so oft in diesem Revier – zwei Windstärken mehr als angesagt und wir segeln nur mit der Fock vor dem Wind. Als wir uns der Insel annähern werden die Wellen extrem steil. Klar das ganze Wasser muss sich hier zwischen den Inseln durchpressen, während auch noch der Meeresboden ansteigt. Das Ergebnis fühlen wir hautnah, und es ist immer wieder beeindruckend wie extrem die Wellen werden können in so kurzer Zeit und mit so wenig Fetch.

Eigentlich wollten wir die folgende Nacht in einer Ankerbucht am Ostufer Ithakas verbringen, da der gegenwärtige Südsüdostwind auf Nordost drehen soll, aber alle Buchten sind entweder zu ungeschützt oder zu klein um bei dieser Wetterlage reinzufahren. Erst als wir kurz vor dem großen „Fjord“ – dem Kolpos Molu – vor Vathy sind und Piccolina bockig den Wellen trotzt, finden wir ein geschütztes und auch ausgesprochen hübsches Plätzchen. Eine Klippe von gerade mal zwei-, dreihundert Metern Länge hält die biestige See ab und während es hin und wieder noch eine Böe über den Felsen schafft, ankern wir auf einer glatten Wasserfläche nahe am Strand in gut haltenden Sandgrund. Nach einem kurzen Schauer, der just niedergeht als der Anker fällt, können wir die Bucht genießen.

Am späten Nachmittag verholen wir uns die kurze Strecke nach Vathy, das sehr geschützt zwischen den Bergen eine großzügige Ankerbucht bietet, die schon gut gefüllt ist. Auch der Stadtkai – mehrer hundert Meter lang ist fast voll. Und das Mitte Oktober. Das hätten wir so nicht erwartet. Da die allermeisten Boote nur eine Nacht bleiben und am nächsten Tag wieder weiterfahren kann die Bucht dann schon wieder ganz anders aussehen.

Vathy ist ein netter Ort um ein paar Tage zu bleiben. Es gibt viele Restaurants und Souvenirläden, aber neben den kleinen Minimärkten gibt es auch einen günstigen Supermarkt mit sehr guter Auswahl direkt an der Mole an der man das Dinghy festmachen kann. Wenn am späten Nachmittag der Run um die besten Plätze am Stadtkai losgeht, kann man gemütlich in eine Kneipe am Ufer sitzen und dem Treiben zusehen.

Es gibt auch ein paar Wanderpfande um die Bucht, mit schönen Ausblicken sowohl auf Vathy als auch aufs Festland und wer möchte kann sich Auto, Roller oder ein E-Bike mieten um die weitere Umgebung zu erkunden.

Nach ein paar Tagen verlegen wir uns eine Ecke weiter, in eine kleine Bucht an der Ausfahrt des Kolpos Molu. Es sind schon zwei Boot vor Anker und so quetschen wir uns näher an den Felsen, damit es sich ausgeht. Der Anker hält gut und wir genießen die schöne Bucht und ich kann auch ein wenig schnorcheln gehen. Viel weiter wollen wir noch nicht weil eine befreundete Crew auf dem Weg nach Italien vermutlich hier auf Ithaka einen Stopp einlegen will.

Eigentlich wollten wir ein paar Tage in der einsamen Bucht bleiben doch es sind am Abend einige Stunden Nordwestwind angesagt, die Vorhersage der Windstärke variiert von 10 bis 28 Knoten. Das ist auflandiger Wind und wir verholen uns etwas mittiger in die Bucht, da uns 35 Meter bis zum Fels etwas zu knapp sind. Doch wir merken dass der Ankergrund weiter drin nicht ganz so gut hält. Das ist kein richtiger Sand, sondern etwas modderig und sehr weich. (Ich habe mir den Anker unter Wasser angeschaut und er hat sich beim Einfahren mitsamt dem Wirbel im Boden vergraben, so dass nur der Anfang der Kette zu sehen war. Hatten wir so noch nie und spricht für einen zu weichen Untergrund). Na ja, wir sind heute alleine und haben viel Platz zum Strand. Dann schauen wir mal wieviel Wind wir wirklich bekommen.

Kurz nach Sonnenuntergang fängt es dann an, der Wind nimmt zu und als es öfter über 25 Knoten geht, was bei gutem Ankergrund gar kein Problem ist, haben wir das Gefühl, dass sich der Anker ganz langsam seinen Weg durch den Modder zieht. Jedenfalls nicht gut, wenn man eine ruhige Nacht verbringen will und der Wind vorraussichtlich noch etwas zunimmt. Also hoch mit dem Haken – mittlerweile ist es stockduster und die entgegenkommende Welle auch nicht ganz klein. Wir hangeln uns langsam die zwei Meilen rüber nach Vathy. Erst in den Kolpos Molu, dann biegen wir ab in die Bucht von Vathy. Als wir im schmalen Kanal sind, ist plötzlich kaum mehr Wind, nur noch zehn Knoten von hinten, das ist angenehm. In der Ankerbucht ist heute glücklicherweise nicht viel los, der Anker fällt vor den anderen Booten auf 8 Meter und sitzt gleich richtig fest. Als wir unser Anlegerbier öffnen bläst es schon wieder mit knapp 30 Knoten, es wird noch etwas mehr, nimmt dann aber zur zweiten Nachthälfte wieder ab und dreht nach Ost. Wir können gut schlafen, im Wissen dass der Anker gut hält.

Die nächsten zwei Tage ist super wenig los in Vathy, wir zählen tagsüber teilweise gerade mal sieben oder acht Boote. Es ist herrlich ruhig und das Wetter ist sonnig und warm. Wir genießen die Tage.

Von Syvota nach Zakynthos und zurück nach Kefalonia

Wir machen ein paar Tage halt in der kleinen Bucht von Syvota. Hier waren wir vor zwei Jahren nachdem wir eine schlimme Sturmnacht am Anker überstanden hatten und nun möchten wir ein paar Bekannten Hallo sagen. Wir bleiben ein paar Tage und sind erstaunt wieviel Boote immer noch unterwegs sind. Einmal kommt eine rumänische Flottille mit über 100 Booten. Hört sich erschreckend an, war aber im Nachhinein halb so schlimm und wir hatten dennoch eine relativ ruhige Nacht.

Syvota war einmal ein kleines Fischerdorf an einer tiefen, kleinen Bucht gelegen. Mittlerweile besteht die Uferpromenade aus, Restaurants, Cafés, kleinen Minimärkten und Souvenirläden. Dennoch hat es sich einen gewissen Charme erhalten. Um die Bucht herum steigt das Gelände überall steil an und es wird gebaut was das Zeug hält. Große luxeriose Ferienhäuser, meist mit riesigen Glasfronten und ein Blick auf Google Maps zeigt bei allen einen großen Pool im Garten. Ist das wirklich gut für die Region oder nur für eine handvoll betuchter Griechen die hier Fördermittel abgreifen und die Bucht vermarkten?

Ich versuche einen alten Pfad am Nordufer entlang zu gehen, der unterhalb der meisten Häuser an die Ostspitze führt. Das letzte Stück ist ziemlich überwuchert und meine Beine sind schon ziemlich zerkratzt, als ich dann doch vor einem geschlossenen Tor einer Ferienhaussiedlung stehe, der Pfad hinter dem Zaun führt nach unten ans Meer. Für mich ist kein Durchkommen mehr, also muss ich mich beim Zurück wieder durch das Gestrüpp schlagen.

Am nächsten Tag gehe ich dann die Straße zum nordwestlichen Ufer, vorbei an vielen Villen und Ferienhäusern mit privatem Meerzugang und ganz am Ende gibt es einen kleinen Trampelpfad zum Wasser.

Die Wettervorhersage sagt uns östliche Winde voraus. Wir legen ab mit Kurs Süd. Wir überlegen welche Segel wir setzen, denn noch hat es nur 12 Knoten Wind. Wir entscheiden uns für das Groß im ersten Reff und die Fock. Eine Besegelung die einen großen Bereich abdeckt. Kaum sind die Segel gesetzt nimmt auch der Wind zu und eine halbe Stunde später haben wir beständig über 20 Knoten, das sind um die 40 km/h und der Wind steigt stetig weiter. Die Insel Atokos schickt uns noch eine Düse, die Wellen sind mittlerweile ekelhaft steil. 10 Meilen weiter geht uns dann tatsächlich der Wind aus. Das gibt’s doch nicht. Wir motoren das letzte Stück an Kefalonia entlang und gehen um die Südspitze vor der Kamini Beach vor Anker. Hier liegen wir gut vor einem langen Sandstrand.

Gleich am nächsten Tag können wir weitersegeln, dieses mal nur mit der großen Genua. Der Wind kommt von Nordosten und schiebt uns von hinten nach Zakynthos, genauso wie die Wellen. Habe ich schon mal erwähnt dass die Wellen hier schon bei normalem Wind gleich ekelhaft hoch und steil werden? Richtig ungemütlich.

Im Süden von Zakynthos halsen wir und haben nun einen viel besseren Kurs zur Welle. Wir können direkt die Südwestküste der Insel anlegen und hoffen dort vielleicht ankern zu können. Und tatsächlich, als wir die weißen Klippen im Süden runden schläft der Wind ein bzw. wird abgeschattet und wir suchen uns eine wunderschöne Bucht aus, wo der Anker auf 9 m ins blaue Wasser abtaucht. Und es ist wirklich blau. So blau wie ich es vielleicht noch nie gesehen habe. Ob das an den weißen Klippen liegt?

Eine Stunde vor Sonnenuntergang geht das letzte der kleinen Tagesausflugsboote und für 5 Minuten glauben wir heute Nacht die Bucht für uns alleine zu haben. Doch dann ist der Run eröffnet und flugs sind weitere fünf Boote in der Bucht. Dennoch alles entspannt, bis auf einen großen Charterkat, der sich direkt vor einen Mono legt und seine Landleinen nicht nur innerhalb seines Schwoikreises festmacht, sondern damit quasi auch den Strandabschnitt absperrt, an dem die Tagestouristen anlegen.

Die Bucht ist spektakulär. Wir genießen den Sonnenuntergang und nachts hören wir den weit verbreiteten Ruf einer Zwergohreule.

In den sandigen Buchten, die so schön aussehen, sind meist nicht viele Fische zu sehen. Doch hier gibt es einige Felsen am Rand und dort tummeln sich auch ein paar verschiedene Fischarten. Doch ich freue mich richtig als ich auf dem Sandgrund nah beim Boot einen kleinen Rochen entdecke. Das sieht man im Mittelmeer eher selten. Leider ist das Schnorcheln in diesen Buchten meist recht gefährlich, da ständig irgendwelche Motorboote teilweise Vollgas durch die Bucht fahren. Ohne Boje geht es gar nicht und selbst wenn man eine dabei hat hält man sich lieber ganz am Rand auf, in der Hoffnung, keiner Schiffsschraube zu nah zu kommen. Nur wenige Skipper fahren langsam und mit Bedacht in die Ankerbuchten. Das gilt leider fast überall, deshalb ist es selten möglich einfach vom Boot aus sorglos schwimmen zu gehen.

Mit dem nachmittäglichen Wind setzen wir auch wieder die Segel und verholen in die große Bucht im Süden Zakynthos‘. Vor einem kleinen ehemaligen Fischerdorf bleiben wir zwei Tage. An die bekannten Strände, die als Brutstrände von Schildkröten bekannt sind, zieht es uns nicht. Dort ist schon zuviel Trubel, trotz Nationalparkstatus und wir müssen da nicht dabei sein.

Mit Wind aus Süd segeln wir wieder an die Ostküste der Insel und nach zwei angenehmen Übernachtungsstopps sind wir wieder auf Kefalonia zurück.

Dieses Mal ankern wir vor dem Hafen Poros. Kaum ist sitzt der Anker, kommen mit den dunklen Wolken die ersten Böen über die Berge. Sie nehmen schnell zu und wir sind gleich mitten in einem kräftigen Gewitter. Beim Ankerlieger vor uns weht schon das Dinghy über der Reling, kurz darauf rollt sich das Vorsegel auf und es ist deutlich zu sehen dass der Anker zu rutschen anfängt. Wir starren gebannt auf das Boot, das langsam auf uns zu driftet. Der Skipper startet glücklicherweise den Motor und fährt Richtung tieferem Wasser. Mittlerweile regnet es wie aus Kübeln der Windmesser zeigt beständig über 30 Knoten an, mit einem Maximum von guten 40 Knoten. Unser Anker hält, ebenso wie bei dem Katamaran hinter uns. Wir schnaufen durch und betrachten die Wellen, die an unserem Boot vorbeilaufen. Das dritte Boot macht draußen regelrechte Bocksprünge in den Wellen, manchmal ist die Sicht aber so schlecht, dass wir es nicht mehr erkennen können, obwohl es nur wenige hundert Meter entfernt ist. Die Fähre kommt kam zwischenzeitlich auch noch angefahren, aber diese Windverhältnisse machen ihr nichts aus. Sie wartet ein paar Minuten ab, als ob der Kapitän schauen möchte ob sich das Wetter noch verschlechtert, dann legt sie sich langsam rückwärts an ihren Kai. Das Gewitter ist durch, die Welle braucht noch etwas bis sie sich langsam beruhigt. Kurz bevor es Dunkel ist, traut sich auch das dritte Boot wieder in die Bucht um den Anker zu setzen.

Da muss wohl ein Neues her…

So ein SUP ist mittlerweile ja fast schon Standard auf einem Boot. Mindestens jedes zweite fährt es seitlich an die Seereeling geschnallt mit sich spazieren. Und es ist auch wirklich nett, paddelnder Weise die Umgebung zu erkunden. Und bei wenig Wind ist man sogar überraschend flott unterwegs (bei Rückenwind natürlich auch, aber da muss man dann auch mal in die andere Richtung, was so ab 20kn wirklich anstrengend wird!).

Wir haben unser SUP seit Martinique und wenn wir es nicht brauchen, versuchen wir es möglichst wegzustauen und nicht an der Sonne zu lagern. Klar im Lock down in der Petit Anse Darle hing es fast die ganze Zeit am Boot, das war sicherlich eine große UV Dosis, doch es danach war auch oft zusammengefaltet unter Deck.

Das erste Mal als wir das SUP reparierten hatten wir zwei kleine Lecklagen an der Seitennaht entdeckt. Nichts Schlimmes, wir konnten es trotzdem benutzen, aber man sah Luftbläschen aufsteigen, wenn die Stelle unter Wasser gedrückt wurde. Das war vor drei Jahren in Menorca.

Noch hatten wir eine Zeitlang Ruhe, dann kam die nächste Reparaturstelle. Böse wurde es vor zwei Jahren. Wir wollten nur zwei, drei Stunden in die nächste Bucht, das SUP war an Deck gestaut, plötzlich einen Knall und das Paddel sackte in sich zusammen. An der Seite hatte sich die Verklebung auf 10cm verabschiedet. Mist. Ich weiß nicht mehr wie oft wir nun das SUP geflickt haben 3 Mal, 4Mal, aber beim letzten Versuch vor einem Jahr, als wir schon an Land standen, waren die Reparaturstellen schon recht groß und um es richtig dicht zu bekommen, hatten wir auch zwei PVC Streifen aufgeklebt.

Hier in der Vliho Bucht wurde es endlich wieder ausgepackt und aufgepumpt. Dabei wurden natürlich erst mal die Nähte mit Spüliwasser geprüft und bis auf zwei kleine Stellen alles dicht. Superklasse! Erst mal eine ausgiebige Runde paddeln. Zurück am Boot ließ ich das SUP im Wasser – dachte dann wird es vielleicht nicht zu heiß und ich kann am Nachmittag nochmal los. Keine Stunde später – bei einer gemütlichen Tasse Kaffee – zuerst ein kurzes Quiecken, dann ein Knall – tja, was soll ich sagen? Die Klebepads haben gehalten, dafür ist die Klebenaht an der Oberseite aufgegangen. Die Klebenähte halten dem Druck nicht mehr stand und können sich immer und überall mit einem Knall verabschieden. Fazit: jetzt ist Schluss, dieses SUP darf nicht mehr mit!

Die Flicken sind OK, aber oberhalb ist die Verklebung aufgeplatzt

Wieder im ionischen Meer

Wir wollten ausdrücklich als letztes Boot gekrant werden. Das hat auch gut geklappt. Nachteil ist natürlich, dass man am Nachmittag eventuell lange warten muss, je nachdem wie gut oder schlecht der bisherige Tag verlaufen ist. Ab 13:30Uhr sollten wir bereit sein, doch erst um 16:00Uhr wurde Piccolina dann aufgeladen. Vorteil: wir können alles nochmals mit Ruhe durchchecken und müssen erst am nächsten Morgen raus aus dem Slip.

Es läuft alles glatt, die Seeventile sind dicht, die Stopfbuchse entlüftet und dicht, der Motor läuft (hatten wir auch schon an Land getestet). Jetzt können wir nochmal ohne das Dinghy zu benutzen zu Panos zum Abendessen gehen und am nächsten Morgen ganz entspannt ablegen.

Es ist Samstag früh als wir uns vor Preveza vor Anker legen. Die Bucht ist schon recht voll, die Plätze mit etwas weniger Wassertiefe sind ziemlich belegt. Weiter draußen, bei 14m ist noch reichlich Platz.

Das tut richtig gut. Wenn man zu lange an Land ist, weiß man schon gar nicht mehr, wie das Leben an Bord im Wasser ist. Kein Staub, kein Lärm (oder zumindest viel weniger), eine leichte Prise von vorn, zur Toilette muss man keine Leiter hinabsteigen und 100m durchs Yard gehen und man kann direkt ins Wasser hüpfen wenn man möchte. Letzteres möchte ich nicht nur, sondern muss es auch kurz nachdem wir sicher vor Anker liegen. Denn, ja, die Seeventilverschraubungen sind alle dicht, aber leider ist wohl der Wassereinlass bei meiner Toilette verstopft. Das hatten wir doch schon mal? Verdammt. Jedenfalls kommt kein Wasser und als wir nach und nach die Schläuche abschrauben erkennen wir dass das Ventil sauber auf und zu geht, aber im Bogen vor dem Ventil (also auf der „Wasserseite“) kein Wasser durchkommt. Von Innen können wir die Verstopfung nicht rausschieben, wir kommen bis zum Bogen, dann ist Schluß, also Taucherbrille und Schnorchel auf und mit allerlei Werkzeug ab ins Wasser. Einen Korkenzieher drehe ich in die Verstopfung vom Borddurchlass und ziehe eine komische Masse raus, die aussieht wie eine Mischung aus Fasern und Algen. Doch es sitzt noch viel mehr im Borddurchlass. Rolf macht mir ein kleines Werkzeug aus einem Draht, mit einem kleinen Haken vorne dran. Das ist super. Ich tauche bestimmt 10,15 Mal und jedesmal bekomme ich was rausgekratzt. Schließlich scheint es endlich sauber zu sein und wir können innern wieder die Schläuche anschließen. Auch wenn sich das hier in der Beschreibung alles easy anhört, so waren das mindestens zwei Stunden Arbeit, aber schließlich funtioniert alles wieder. Super. Ist nur die Frage was hat unseren Borddurchlass verstopft? Es waren keine sehr feste Fasern, aber wir können es nicht definieren. Erst zwei Tage später erhärtet sich der Verdacht dass irgenwelche Insekten diese wunderbare, trockene Höhle unwiderstehlich fanden. Als ich nämlich den Rumpf des Bootes vom Dinghy aus inspiziere fällt mir der Auspuff unserer Dieselheizung ins Auge. Ein schönes, ca. zwei Zentimeter großes Loch in der seitlichen Bordwand. – und da schaut doch ein Stück Watte raus? Nein keine Watte, irgendein weicher, wolliger Samen. Und kaum rücke ich dem Auslass mit meinem neuen Werkzeug zur Leibe kommt mir allerlei entgegen. Blütenblätter, watteartiger Samen, auch festere Bestandteile räume ich aus dem Loch. Tja, das scheint wohl die gleiche Spezies an der Arbeit gewesen zu sein, wie an unserem Borddurchlass, nur das letzterer leider unter der Wasserlinie liegt.

Wir bleiben einige Tage vor Preveza und richten uns wieder auf das Bootleben ein. Mit dem Dinghy geht es an Land, das ist noch etwas schwierig nach Rolfs Knie OP. Die Anlandestellen müssen wir in Zukunft noch etwas besser aussuchen, denn das Knie ist noch nicht so kräftig wie vorher. Auch mit der Feinkoordination hapert es noch etwas. Aber es wird von mal zu mal besser.

Optimisten sind unterwegs vor Preveza

Ein paar Tage später ziehen schon vor Sonnenaufgang dicke Wolken auf. Das Wetterradar verheißt nichts Gutes, um uns herum viele Gewitter. In Sichtweite zum Flughafen sehen wir ein Flugzeug durchstarten, bevor es nach einer erneuten Schleife landen kann. Dann wird der Flughafen für einige Zeit geschlossen. Ein Flieger aus München wird nach Korfu umgeleitet, andere nach Athen – das kann man im Flightradar praktisch in Echtzeit mitverfolgen. Abends ist alles durch und wir können wie fast jeden Abend den Sonnenuntergang genießen.

Drei Tage später gehen wir Anker auf und segeln nach Lefkada. Eine wunderbare Briese pustet uns dem Kanal entgegen. Schade dass wir schon nach einer Stunde die Fock wieder einrollen müssen, denn dann geht es durch die Drehbrücke und den Kanal nach Süden.

Mit uns segeln einige Boot zur Brückenöffnung 
Ausgebranntes Motorboot vor der Drehbrücke in Lefkas
Eigentlich ist die Drehbrücke eine kleine Fähre, die sich zur Seite fährt und den Kanal alle zwei Stunden für die Boote zur Durchfahrt freigibt
Im Kanal nach Süden mit Blick auf die Insel Lefkada

In der Bucht von Vliho geht der Anker runter. Die Bucht ist sehr geschützt, der Ankergrund meist gut, leider ist das Wasser nicht klar, dafür hat man alles in Reichweite – gute Dinghystege, Supermärkte, Restaurants, Cafés, Bäcker. Und wenn man früh morgens aufs Wasser schaut, kann man vielleicht auch eine Schildkröte entdecken….

Die Bucht von Vliho ist riesig - ensprechend sind viele Boot hier. Um es mit den Worten eines Nichtseglers zu sagen: das ist wie ein Parkplatz auf dem Wasser
Man kann es sich hier ausgesprochen gut gehen lassen
Meist sieht man nur ganz kurz den Kopf einer Schildkröte beim Luft holen aus dem Wasser ragen, aber so nah beim Boot sieht man sie noch kurz vor dem untertauchen