Faial – Azoren

Die Inseln der Azoren bilden drei Gruppen. Im Westen liegen Flores und Corvo, im Osten die größte Insel Sao Miguel und südlich davon Santa Maria. Die mittlere Inselgruppe umfasst fünf Inseln, von denen drei ganz eng zusammen liegen. Horta – unser Ankunftshafen – befindet sich auf Faial, die Insel Pico ist keine 10km östlich gelegen und immer präsent mit dem gleichnamigen Vulkan, der mit ca. 2300m übrigens Portugals höchster Berg ist. Die lang gestreckte Sao Jorge liegt gleich im Nordosten, die Inseln Graciosa und Terceira sind etwas weiter entfernt. Horta ist traditionell DER Anlaufpunkt der Yachten, die von Westen nach Osten über den Atlantik segeln. Weit über 1000 Schiffe pro Jahr, machen hier einen – teilweise sehr kurzen – Stopp. Schade, denn die Insel hat trotz ihrer geringen Größe einiges zu bieten.

Da wir vor drei Jahren schon einmal auf den Azoren unterwegs waren, wussten wir was uns erwartet und so freuten wir uns schon sehr auf unsere Zeit hier. Faial hatten wir allerdings noch nicht besucht und so waren wir schon sehr neugierig auf diese Insel. Doch obwohl wir fast 20 Tag unterwegs waren, mussten wir erst einmal einen COVID-19 Test über uns ergehen lassen. Perfekt organisiert, wurden wir gleich an unserem Ankunftstag mit dem Zodiac abgeholt, zum Test gebracht und danach wieder aufs Boot gefahren. Am Abend kamen dann schon die Ergebnisse per email und so durften wir am nächsten Morgen einklarieren. Dazu legten wir uns kurze Zeit ins Päckchen an den Rezeptionssteg und danach ging es dann gleich in die Marina, in ein weiteres Päckchen an der langen Hafenmole. Die Kaimauer zeugt von den unzähligen Yachten, die hier durchkommen und sich mit einem Bild auf dem Beton verewigen. Man kann stundenlang schlendern und entdeckt doch immer wieder neue, teilweise richtig kunstvolle Wandbilder. Manche geben sich richtig viel Mühe und es ist gar nicht leicht fürs eigene Logo einen Platz zu finden.

Trotz 20 Tagen auf dem Atlantik …. PCR-Test bei der Ankunft
Ein Teil der vielen Kunstwerke vor dem Ankerfeld in Horta
Oft bekommt man nur noch einen Platz im Päckchen an der langen Mole

Erster Weg, nachdem wir Piccolina sicher vertäut im Hafen wissen, ist Peter Cafe Sport. Man kann sagen eine Institution in Horta. Hier trifft man Segler und Einheimische, bekommt den berühmten Gin Tonic mit dem hauseigenen Gin serviert und es herrscht eine ausgesprochen angenehme Atmosphäre. Fast jeden Abend, den wir hier sind, lernen wir andere Segler kennen und verbringen interessante Stunden.

Nicht nur berühmt in der Seglerszene, sondern auch eine wirklich nette Kneipe

Aber natürlich hat Horta auch noch andere Cafes, Bars und Restaurants und wir genießen es durch die Gassen zu schlendern. Die Luft ist frisch und angenehm kühl. Ganz entgegen unseren Erwartung frieren wir hier nicht, sondern freuen uns an den moderaten Temperaturen. Nach zwei Jahren Tropen, werden wieder Jacken und Langarmshirts ausgepackt. Ungewohnt ist das geschlossene Schuhwerk, nachdem jahrelang nur Flip Flops und Sandalen getragen wurden. Das Wetter hier ist momentan sehr Wechselhaft. Mal Sonne, aber oft ist der Himmel bewölkt und hin und wieder nieselt es auch mal. Bei Sonnenschein ist es angenehm warm und man kann herrlich in der Sonne sitzen – anders als in der Karibik, wo man eigentlich immer den Schatten suchte. Es ist auch nachts nicht kalt, aber man kann sich im Bett wieder in eine Decke kuscheln. Nur die Wassertemperaturen sind mit unter 20°C wirklich zu niedrig für uns. So schnell geht die Akklimatisierung dann doch nicht, da müssen schon noch ein paar Grad mehr drin sein.

Um einen guten Überblick über die Insel zu bekommen, mieten wir uns für ein paar Tage ein Auto. Ganz typisch für die Azoren fahren wir durch unglaublich grüne Vegetation, vorbei an hohen Hortensienhecken, die leider noch nicht am Blühen sind. Nur sehr vereinzelt sind schon blaue oder weiße Blütenstände zu sehen. Auf den Wiesen grasen Kühe und Rinder, Frühlingsblumen blühen, am Waldrand wachsen Farne und in der Ferne ist das tiefblaue Meer zu sehen. Wir fahren zur Caldeira hoch. Die Straße führt bis fast zum Kraterrand. Die letzten Meter muß man entweder hinaufsteigen, oder man geht durch einen kleinen Tunnel zum Aussichtspunkt. Die Aussicht ist umwerfend. Der Krater hat einen Durchmesser von etwa zwei Kilometern und es gibt einen Wanderweg am Rand entlang, mit spektakulären Ausblicken sowohl in den Krater, als auch in die Ferne.

Mit Blick auf Pico (rechts) und Sao Jorge (links)

Ein weiteres sehr lohnendes Ziel ist Capelinhos im Westen der Insel. 1957 gab es im Meer einen Vulkanausbruch, die zuerst entstandene Insel, vereinigte sich mit der Hauptinsel im Laufe der Aktivitäten. Ein Dorf wurde praktisch vollständig zerstört. Nur der „Hafen“ der auf Walfang spezialisierten Bevölkerung mit der langen Rampe existiert noch von damals. Eine sehr eindrucksvolle, etwas unwirkliche Kulisse, inklusive dem zerstörten Leuchtturm der sich noch heute auf dem Gelände erhebt.

Blick von der Caldeira nach Capelinhos, dem Hügel an der äußersten Westspitze
Mitten in der „Mondlandschaft“ ragt der Leuchtturm auf, darunter liegt das Museum
Blick auf „neues Land“
Diese kleine natürlich Bucht wurde von den Walfängern als Hafen benutzt, auf der Rampe wurden die Wale zerlegt

Wer gerne wandert kommt auf dieser Insel sicher nicht zu kurz, trotz ihrer geringen Größe gibt es einige gut gekennzeichnete Wanderpfade, sowohl an der Küste wie auch im Inselinneren. Wir besuchen dagegen mit dem Auto den Felsen „Morro“ an der Südküste, sowie einige der schön angelegten Badestellen zwischen den Vulkanfelsen, die an der Küste um die ganze Insel verteilt sind. Dazwischen geht es über kleine Straßen, an Kuhweiden entlang, immer wieder gibt es spektakuläre Ausblicke aufs Meer und die Nachbarinseln. Pico ist praktisch immer präsent, der mächtige Vulkan, mit seiner eigentümlichen spitzen Form, oft dick in Wolken verhüllt, dann wieder nur einen weißen „Schal“ umgelegt, so dass die Bergspitze herausschaut.

Wandern kann man ausgiebig auf Faial
Der Morro
Pico in seiner ganzen Pracht
Typisch Azoren: Kühe mit Nachwuchs auf dem Feld
Schroffe Steilküste im Süden

Angekommen auf Horta

Nach fast 20 Tagen auf dem Atlantik sind wir nun in Horta auf den Azoren angekommen. Wir sind um viele Eindrücke reicher und haben eine Menge dazu gelernt seit wir von dieser Seite des Atlantiks in die Karibik aufgebrochen sind. Hier kreuzt sich unsere Segelroute der Atlantikrunde (genau genommen im 15 Seemeilen nahen Velas). Die Fahrt über den Ozean von West nach Ost war noch einmal ein besonderes Erlebnis und hat alles in allem sehr gut funktioniert. Dazu gehört natürlich eine gute Vorbereitung, aber auch etwas Glück, und wir sind froh eine tolle Unterstützung gehabt zu haben.

Deshalb sagen wir vielen Dank an die Netcontroler des Intermar e.V. allen voran

Uwe, DD1HUR, der uns bei der Wettervorhersage unterstützt hat, für seine vielen ausführlichen emails und den tollen Support, auch per Sprechfunk

Federico, EA8AEW, der es geschafft hat, uns immer aufzunehmen, auch wenn die Bedingungen mal nicht so gut waren, für die netten QSO in der Abendrunde

Uwe, DF5AM, der trotz den teils schlechten Ausbreitungsbedingungen im Morgennetz nie aufgab uns noch einmal zu rufen, obwohl er uns nur selten gut empfangen konnte

Rüdiger, DL4RSH, für das nette QSO

Rüttger,  DL8MEZ, mit dem wir auch ein kurzes QSO führen konnten

und alle OM, die uns durch weitere Infos per email oder einem QSP zum Intemarnetz unterstützten.

Alle Nicht – Amateurfunker bitte ich die vielen Kürzel zu entschuldigen….

Kleines, fieses Tief

Wie schon erwähnt laden wir jeden Tag über unserer Kurzwelle die neuen Wetterdaten herunter, aber ohne unseren Wetterfrosch Uwe, der uns jeden Tag eine email über das erwartende Wetter schreibt, hätten wir dieses Tief, das sich ganz unscheinbar vor der Küste der USA entwickelt nicht bzw. nicht so bald bemerkt. Schon vor zwei Tagen erwähnte Uwe dieses Tief, welches sich unschön entwickeln könnte, nämlich mit ordentlich Wind und einer ziemlich südlichöstlichen Zugbahn die Richtung Azoren zeigt, gerade zu dem Zeitpunkt, da wir dort einlaufen könnten. Noch war alles etwas vage und die Wettermodelle etwas unterschiedlich. Am heutigen Tag, laden wir unsere emails erst am Abend herunter. In seiner täglichen Atlantikwettermail gibt er uns den dringenden Rat, möglichst nach Süden und Osten abzulaufen um dem Tief, das tatsächlich entstehen soll auszuweichen. Ganz genaue Zugbahn und Stärke sind noch mit Unsicherheiten behaftet, aber wir sollen einfach mal raus uns der Gefahrenzone. Wir fackeln nicht lange und gehen direkt auf einen Am Wind Kurs, 120° nach Südost. Es wird eine Rauschefahrt über Nacht. Die Logge zeigt ständig zwischen 7 und 8 Knoten an, mitunter auch etwas mehr, wenn wir eine Welle entlang surfen, dennoch ist eine herrliche Ruhe im Schiff und die Freiwache kann wunderbar schlafen. Man hört nur das sanfte Gurgeln des Wassers am Rumpf und spürt wie Piccolina manchmal etwas mehr krängt, aber kein Geklapper und Geschepper sondern einfach schnelles, leises Segeln. Unsere Kleine mag solche Am Wind Bedingungxen, gern auch mal mit mehr Wind und Welle wie heute- wir mögen es auch.
Ziel ist es in einem weiten Bogen am Rand des Tiefdruckgebietes zu den Azoren zu segeln. Auf etwa 35° 40’N biegen wir nach Osten ab und kommen mit leicht achterlichen Winden gut voran. Die verschiedenen Wettermodelle gleichen sich nun an und die Vorhersagen wann die Front die Azoren erreicht werden genauer. Wir sehen die Chance vor der eigentlichen Front, die Horta nur streifen soll, und der entsprechenden hohen Welle – zwischenzeitlich sind bis 4 m angesagt – den Hafen auf Faial zu erreichen. Wir segeln, bis der Wind dreht und wir keinen guten Kurs mehr laufen können, dann muss Otto ran, unser 75 PS Yanmar. Er soll uns in eineinhalb Tagen durch eine Konvergenzzone bringen, bis wir 130Seemeilen vor Horta mit dem Wind der der Front vorrausgeht segeln können. Kaum motoren wir, bekommen wir einen kräftigen Squall ab. Gar nicht verkehrt, dass wir schon nicht mehr segeln. Der ganze Tag ist trübes Wetter und es nieselt ab und zu. Wir geben Gas und trotz wenig Welle ist es eine enorme Schaukelei. Teilweise haben wir erheblichen Gegenstrom von fast einem Knoten, dann mach wir wieder gute Fahrt mit fast sieben Knoten. Am Tag vor der Ankunft setzen wir gleich zu Sonnenaufgang die Genua, die bei achterlichem Wind leidlich steht. Die Vorhersage für Horta hat sich nochmals ein klein wenig entschärft. 22 Knoten Wind sind nun angesagt, die bestimmt auch Böen mit 6-7 Bft enthalten können und eine Welle von unter 3 Meter hört sich auch besser an. Das Tief scheint wohl leicht nordwestlicher zu ziehen als befürchtet. Und bevor die größten Wellen ankommen sollten wir eigentlich schon längst im Hafen sein.

Das Tief in der Bildmitte kam für uns praktisch aus dem Nichts – wer weiß ob wir es ohne Vorwarnung von Uwe rechtzeitig bemerkt hätten
Im weiteren Verlauf nahm es an Intensität zu…


Und genau so kommt es auch, wir segeln zwar nur mit der Genua, dennoch mit über 6 Knoten Fahrt bei herrlichem Sonnenschein und (noch) angenehmer Welle den Tag über Richtung Faial. Obwohl die Azoren teilweise recht hoch sind, können wir die Inseln noch nicht erkennen, da sie sich im Dunst verstecken. Dafür kommen schon vor dem Frühstück ein paar Delfine vorbei und den Tag über sehen wir immer mehr Gelbschnabelsturmtaucher. Die riesige Nistkolonie in Velas auf Sao Jorge ist ja nicht weit. Gegen Abend wird dann die Welle langsam höher und steiler, auch der Wind nimmt immer mehr zu. Er wird böiger und wir reffen wieder einmal die Genua etwas ein. Die Lichter der Inseln Faial und Pico kommen langsam näher. Um ca. 2 Uhr in der Nacht erreichen wir die Inseln. Wir rollen das Segel erst im Kanal zwischen den Inseln ein und Motoren in der dunklen Nacht langsam und vorsichtig in den Hafen hinein. Nun merken wir erst richtig wie die stark die Böen sind. Im Hafen pfeifen die Riggs der Boote und die Ankerlieger schwojen teilweise erheblich. Wir suchen uns einen geeigneten Platz und lassen den Anker fallen, der – obwohl der Ankergrund nicht den Besten Ruf hat – gleich auf Anhieb fest sitzt. Dennoch sind wir etwas aufgekratzt, so dass wir selbst nach dem ersten Anleger noch nicht schlafen gehen können. Wir gönnen uns noch einen Schluck Rhum, während wir die Boote um uns herum beobachten und fallen schließlich morgens um 7 Uhr totmüde ins Bett.

Vor Anker im Hafen von Horta

Regen und starke Windböen ziehen über die Insel


Überfahrt zu den Azoren: die Westwindzone

Mittlerweile befinden wir uns nördlich der Roßbreiten bzw. des Hochs und können nun mit den westlichen Winden langsam in Richtung der Azoren eindrehen. Dennoch kommt jetzt der kniffligere Teil der Reise. Das Hoch ist zwar relativ stabil, dennoch ändert sich seine Form ständig ein wenig. Es bekommt mal eine Ausbuchtung nach Norden, dann wird es wieder eingedrückt, es wabert ständig etwas herum. Momentan kommt ein Tief nach dem anderen an der Ostküste der USA nach Nordosten gezogen. Die besten Bedingungen finden wir zwischen diesen Druckgebilden. Etwas weiter zum Hoch wird der Wind etwas schwächer, gehen wir mehr nach Norden, kommen wir mehr in den Einfluß der Tiefs und der Wind ist etwas stärker. Doch Vorsicht! Manche Tiefs bringen auch Sturm oder zuviel Wind und vor allem auch viel Welle. Und dann sind da noch die (Kalt)-Fronten auf die man achten sollte. Diese bringen im Frontbereich gerne mehr Wind als einem lieb ist, bei Durchzug der Front dreht der Wind erheblich und hinter der Front kann es auch mal sehr wenig Wind geben. Und das alles gepaart mit Kreuzsee und fieser Welle. Ab jetzt heißt es also immer gut informiert zu sein, wie das Wetter der nächsten Stunden und Tage aussieht. Dabei helfen uns Wetterkarten und Girb-Files die wir per Pactor Modem und Kurzwelle herunterladen können und fast jeden Tag bekommen wir eine mail von Uwe (DD1HUR) von Intermar, der uns nicht nur seine Interpretation der Daten sendet, sondern auch mit etwas längerfristgen Prognosen versorgt. Auch wenn es,  wie er es ausdrückt, manchmal nur ein Blick in die Glaskugel ist. Dennoch sind wir vorgewarnt was kommen könnte.
Immer noch versuchen wir uns zweimal am Tag in der Intermarrunde auf Kurzwelle 14,313Mhz zu melden. Die Ausbreitungsbedingungen sind nicht immer gut. Wir können die Netcontroller fast immer hören, aber wir selbst kommen nur selten per Sprechfunk bis nach Deutschland. Dafür helfen uns hin und wieder Amateurfunker die auch in die Runde hören und ein QSP, also ein Relay machen. Vielen Dank dafür an die entsprechenden Stationen! Mit Federico (EA8AEW) aus Tazacorte, den wir persönlich kennen, konnten wir bis jetzt jedes Mal ein direktes Gespräch (QSO) führen, was sicherlich nicht nur daran liegt, dass die Station auf den Kanaren liegt und somit einige hundert Kilometer näher.
Die Datenmenge der Wetterkarten ist für Kurzwelle nicht ganz klein und wir sind total begeistert von unserem Pactor 4 Modem, das mit dem nachgerüsteten Bluetoothmodul Geschwindigkeiten erreicht, von denen wir früher nur hätten träumen können. Schnellste Übertragungsrate bislang waren 5500bps, damit bekommen wir eine Wetterkarte in weniger als einer Minuter heruntergezogen, zuzüglich dem ganzen Prozedere der Einwahl und dem „Handshake“ mit der Station. Das Modem kann durchaus noch höhere Geschwindigkeiten, keine Ahnung ob das mit unserem Setup auf dem Boot geht, bei schlechten Verbindungen öddeln wir manchmal auch noch bei 300 odef 450bps rum, aber das ist sehr selten geworden, denn momentan können wir sehr gute Stationen erreichen wie den VE1YZ in Halifax und nun wieder unseren Favoriten HB9AK bei Bern, den wir früher schon im östlichen Atlantik benutzt haben.

Die Nächte sind kühler gworden. Längst sind lange Hosen und Jacken für die Nachtwachen angesagt und eine Decke liegt auch bereit. Tagsüber haben wir immer noch schönes Wetter und sehr warme Temperaturen. Nun kommem wir Horta schnell näher, denn nun können wir direkten Kurs anlegen, aber es sind immer um die 1500 Seemeilen die wir segeln müssen. Eine Seemeile beträgt übrigens 1,852 Kilometer, um den Maßstab mal zu verdeutlichen. Und so ein Segelboot ist ja eigentlich echt langsam,  wenn wir richtig schnell sind haben wir 7 oder 8 Knoten auf der Logge, das sind gerade mal 15km/h. Da ist man mit dem Fahhrad ja noch schneller. Dafür segeln wir aber auch 24 Stunden am Tag. Manchmal ist es ganz schön mühsam, die alltäglichen Dinge während des Schaukelns zu erledigen. Da avaciert Kochen zum Akrobatikakt und man hätte manchmal gern vier Hände, wenn man mal wieder was aus dem luvseitigen Schapp braucht damit einem nicht alles entgegenpurzelt, wenn man das Türchen aufmacht und der Inhalt der Schwerkraft folgen will. Man lernt auch hier dazu. So wird z. B. die Kaffezubereitung komplett auf dem Herd bewerkstelligt, da dieser halbkardanisch aufgehängt ist. Für uns am schlimmsten ist der „Vorwind Kurs“. Keine Ahnung wer das Gerücht in die Welt gesetzt hat, daß dieser Kurs ein angenehmer Kurs wäre, der hatte jedenfalls keine Welle dazu. Denn dann giert das Boot von 20° in die eine  auf 20° in die andere Richtung. Da kann man nicht mal was in die leeseitige Ecke stellen und es bleibt dort, nein, es gibt keine Leeseite und alles, aber auch wirlich alles das nicht mit Bedacht auf eine rutschfeste Matte gelegt oder entsprechent eingekeilt wurde, findet früher oder später seine ideale Flugbahn durchs Schiff. „Am Wind“ Kurse sind da viel angenehmer. Das Boot liegt beständig auf einer Seite und somit kann man auch mal kurz was abstellen ohne dass es gleich auf dem Boden liegt. Auch das Schlafen ist am Wind viel angenehmer. Erstens ist es nicht so laut, da ja alles in den Schränken nun kompakt auf einer Seite liegt und nicht mehr klappernd und scheppernd hin und her rutscht, sondern man selbst kann sich ganz enspannt in die Leekoje legen und wird mit sanftem Druck gegen die Lehne gepresst, dabei das sonore Grugeln wenn Piccolina durchs Wasser brescht. Eine angenehme Geräuschkulisse. Auf „Vorwind Kurs“ geht ohne Leesegel nichts. Auf der einen Seite die Lehne, auf der anderen Seite eine stabile Stoffbahn die verhindert, dass man auf den Boden kugelt. Enspannt schlafen geht anders.
Da nun kein Fisch mehr übrig ist, wird das gekocht, was als erstes weg muß: Bratkartoffeln mit Speck und Spiegelei und am nächsten Tag die restlichen Entenkeulen, wiederrum mit karamelisierten Zwiebeln, Rotkraut und Kartoffelpüree. Nur eine Stunde später geht die Kaltfront durch, die wir erwartet haben. Das ist schon etwas spooky. Den ganzen Tag hat sich die Bewölkung verdichtet, dann war es plötzlich nochmal etwas klarer, was uns etwas verwundert hatte, aber danach kamen deutlich die Wolken der Front angezogen. Dann ein kühler Luftstrom, bevor ein kräftiger Schauer runterkommt und direkt dazu ein Winddreher von ca. 100°, verbunden mit einigen kräftigen Böen. Bilderbuchkaltfront. Eigentlich muß man sie nur einmal so auf dem Wasser erlebt haben, dann braucht man sie für keine Wetterprüfung mehr auswändig lernen. Wir waren gut vorbereitet, fuhren eine Halse in strömendem Regen und 10 Minuten später war fast alles wieder vorbei, nur der Wind brauchte etwas länger, bis er wieder ganz konstant ohne Wirbel aus einer Richtung kam.
Am Abend dann Bergfest. Gleich viele Seemeilen auf der Logge wie Luftlinie zum Ziel. Wird also wohl nicht genau halbe Strecke sein, aber viel besser können wir es ohne Aufwand nicht abschätzen.
Irgendwie verpassen wir in der Nacht nach der Front etwas den Anschluss. Mist, nun ist der Wind weg. Wir motoren ein paar Stunden um wieder in ein Windfeld zu kommen. Wir setzen die Genau und segeln in herrlichen Sonnenschein durchs tiefblaue Wasser, in dem ständig portugiesische Galeeren vorbeischwimmen oder soll ich lieber segeln schreiben? Sie sehen wirklich schön au, mit der rosanen Blase über dem Wasser, aber in die Tentakel unter Wasser möchte man nicht geraten, denn daa muß wirklich sehr schmerzhaft sein. Wir genießen den Tag, zum Mittag gibt es nochmal Bratkartoffeln mit Speck und Spiegelei.

Portugiesische Galeeren segeln am Boot vorbei


Am nächsten Morgen setzen wir zur Genua die ausgebaumte Fock und segeln mit Schmetterling vor dem Wind. Herrlich. Das sind richtig schöne Segeltage, inclusive tollem Wetter. Die Temperaturen sind auch im  Wohlfühlbereich. Was will man mehr?


Heuts gibt es mal eine Konserve (Kartoffeleintopf) dazu frisch gebackenes Brot. Die Dosen, die wir in Deutschland als „schlecht Wetter Essen“ gekauft haben, möchten wir nicht wieder nach Europa mitnehmen.
Wir segeln zügig durch die Nacht, aber da der Wind leicht dreht, können wir am Morgen die Passatbesegelung nicht mehr weiter fahren und so holen wir die Fock ein, die Genua etwas an und schaukeln uns weiter Horta entgegen. Die nächsten Tage segeln wir vor einer Kaltfront her, die uns zwar nicht mehr einholt, da sie sich weiter in den Norden schiebt und sich dort auflöst. Sie versorgt uns mit ordentlich Wind, so um die 4-5 Bft, aber leider auch mit mehr Welle als uns lieb ist. Zuerst segeln wir nur mit der Genua, doch dann setzen wir wieder das Groß ins dritte Reff und verkleinern die Genua ein wenig. Sowohl Wind als auch Welle nehmen über mehrere Tage stetig zu, die Genua reffen wir immer mehr. Der Wind hat nun beständig um 5 Bft, vielleicht auch mehr, die Wellen haben ein geschätzte Höhe von 4-5m, die signifikante Wellenhöhe ist mit 3 angegeben. Der Seiseplan auf Piccolina passt sich dem nicht vorhandenen Komfort an, Gerichte wie Eierhaber mit Apfelmus, eingemachter Gulasch mit Reis und schließlich die allerletzte Konserve aus Deutschland bedeuten wenig Aufwand in der Pantry und einfaches Essen aus der Schüssel. Die Wellen klatschen nicht mehr nur an die Bordwand, einige schaffen es problemlos an Deck und gehen übers Achterdeck, schließlich schafft es eine sogar bis ins Cockpit, was es bisher noch nie gab. Dennoch war es nicht ganz so schlimm, denn wir haben schon seit ein paar Tagen unsere kleine Kuchenbude eingezogen, die das Cockpit in zwei Teile trennt und man sich im vorderen Bereich fast wie in einem Decksalon fühlt. So konnte nur eine geringe Wassermenge durch den halb geöffneten  Reisverschluss ins Innere Cockpit gelangen.
Unsere Windsteueranlage Fanni macht einen erstaunlich guten Job und steuert die Wellen sehr gut aus. Nur wenn ein paar hintereinander das Heck von Piccolina stark versetzen, baucht sie eine ganze Weile bis sie wieder auf Kurs ist. Und auch wenn es etwas unkomfortabel zugeht kommen wir doch prächtig voran. Über 6 Knoten im Durchschnitt läuft Piccolina, da sie aber durchaus bergauf und bergab fahren muss, surfen wir manchmal mit 10 Knoten die Wellen hinunter, was schon fast unheimlich ist. Immerhin liegt unser etmal die letzte Tage immer über 145 Seemeilen.

Die Wellenberge werden schon ziemlich hoch

Überfahrt zu den Azoren: im Hoch

Wir kommen dem Hochdruckkern der nördlich von uns wabert immer näher. Die windarme Zone ist mal etwas breiter, mal etwas eingedrückt da immer wieder Tiefs von der Ostküste der USA Richtung Nordost ziehen. Je weiter wir nun nach Norden an die Südflanke des Hochs kommen, desto schwächer und unsteter wird der Wind. Gut dass wir so wenig Welle haben, sonst könnten wir jetzt schon nicht mehr segeln. Um unseren Dieselvorat nicht zu strapazieren, möchten wir zu Beginn des großen Schlags möglichst wenig motoren, andererseits nützt es natürlich nichts in einem stationären Hoch tagelang auf Wind zu warten. Am sechsten Tag ist soweit, die Segel flappen nervenaufreibend, während Piccolina gerade mal noch zwei Knoten Fahrt macht. Am frühen Nachmittag streichen wir sozusagen die Segel und nehmen sie weg. Jetzt muß Otto ran – unser 75 PS Yanmar. Wir motoren mit 5 Knoten durchs teilweise spiegelglatte Wasser. Man kann sich so etwas kaum vorstellen, denn jeder kleinste Windhauch ruft doch ein kleines Kräuseln hervor. Aber hier erscheint die Wasseroberfläche so glatt, als wenn jemand Öl darauf gegossen hätte und es spiegeln sich  die Wolken im tiefblauen Meer. Auch wenn motoren nicht so unsere Sache ist, genießen wir den Anblick und das Gefühl, beinahe bis ans Ende der Welt blicken zu können, ohne dass uns auch nur eine Welle die Sicht behindert.

Zum Mittag gibt es wieder leckeren Fisch, diesmal in Butter gebraten, dazu etwas Reis vom Vortag und gebratene Kochbananen.

Mein Schatten spiegelt sich im tiefblauen Wasser

Bald ist Sonnenuntergang


Wir motoren durch die Nacht und erleben am nächsten Morgen einen Sonnenaufgang der Superlative. Der Himmel leuchtet in den kräftigsten Farben. Von Gelb über Orange bis zu Glutrot und das ganze Farbenspiel spiegelt sich in einer glänzenden Wasseroberfläche. Einfach nur schön!

Der Morgen erwacht

Die Farben wurden übrigens nicht nachbearbeitet!!


Am Vormittag beginnt sich die Wasseroberfläche wieder zu kräuseln, eine leicht Brise kommt aus Südwest, der Hochdruckkern liegt also nun östlich von uns. Nach einem kleinen Mittagsnack (Nudelsuppe mit Fisch), setzen wir die Segel. Durch die nicht vorhandene Welle können wir sogar einigermaßen segeln. Nicht schnell, aber zwischen drei und vier Knoten zeigt die Logge an. Geht doch. Dennoch müssen wir immer noch nach Norden fahren und dürfen noch nicht direkten Kurs auf die Azoren anlegen, sonst segeln wir direkt wieder in die Flautenzone hinein.
Zum Abendessen gibt es dann nochmals in Butter angebratenen Wahoo, dieses mal mit Salzkartoffeln, Speckbohnen und selbstgemachter Remoulade.


Die Nacht wird zäh, denn der Wind schläft oft etwas ein und dann flappen wieder die Segel. Ein schreckliches Geräusch. Als es am Morgen immer noch nicht besser ist, muss Otto nochmal für ein paar Stunden ran. Danach haben wir die sogenannten Roßbreiten zumindest fürs Erste überwunden. Ab nun können wir langsam nach Osten eindrehen.
Die Tage sind immer noch sonnig und heiß. Wir sind nun zwar schon über den Wendekreis des Krebses hinaus – also offiziel außerhalb der Tropen, aber dennoch etwa soweit südlich wie die Kanaren. Das Meer ist noch warm und somit sind die Temperaturen in der Nacht noch angenehm, wenn auch etwas frischer. Bisher hatten wir meist wolkenlose Nächte. Da wir bald Neumond haben und der Mond somit nicht nur schmäler wird, sondern auch immer später aufgeht, können wir den Sternenhimmel ganz ohne Streulicht genießen. Es ist unglaublich wie zahlreich die Himmelskörper zu sehen sind. Kein Vergleich zu besiedelten Gegenden, wo die zahlreichen Lichtquellen die nächtliche Kulisse beeinträchtigen. Noch sehen wir das Kreuz des Südens knapp über dem südlichen Horizont. Bald wird es verschwunden sein, dafür steigt der Nordstern kontinuierlich immer höher am Nachthimmel.