Golzalo geht die Puste aus…

Seit Donnerstag liegen wir nun in der Prickly Bay vor Anker, die wir ja schon von unserem letzten Besuch kennen. Es ist nicht die geschützteste Bucht, im Vergleich zu den weiter östlichen gelegenen Buchten, dafür gibt es hier noch ordentlich viel Platz (was wohl nicht mehr überall der Fall ist). Wir stecken gleich mal ordentlich Kette und fahren den Anker gut ein.  Die nächsten Tage sind spannend. Ständig ein Blick auf die verschiedenen Wetterseiten, die sich sehr uneins waren und wir überdachten derweil unsere jeweiligen Möglichkeiten, von am Anker ausharren, auf See abwettern oder doch weit nach Süden segeln und dem Windefeld aus dem Weg gehen. Am Freitag sah es lange so aus, als ob das Auge Gonzalos mit wenig Wind über Grenada ziehen würde und das nördliche Windfeld mit Sturmstärke (manche sagten sogar Hurricanestärke) über die Grenadinen und St. Vincent. Dann am Freitag abend, wieder eine Kehrtwende der NOAA. Nachdem ein Aufklärungsflugzeug den Sturm besichtig hatte, wurde berichtet dass Gonzalo weniger Wind im Gepäck und schlechter organisiert war als angenommen und die neue Vorhersage sah ihn nun nicht nur schwächer, sondern noch weiter südlich ziehend. Während in der Nacht zu Samstag schon die ersten Squalls und Gewitter über uns hinwegzogen, schwächte sich Gonzalo weiter ab und hatte auch immer noch keine Lust nach Norden zu ziehen, sondern blieb stur auf seinem westlichen Kurs und die Wettergurus sahen nun das Auge über Tobago ziehen und das kräftigste Windfeld im Süden Grenadas, also genau über den Ankerbuchten. Doch da Gonzalo langsam die Puste ausgeht, rechnen wir damit nicht viel mehr als 40 Knoten in den Böen zu bekommen. Das sollte absolut kein Problem für unser Ankergeschirr sein. Da zudem den ganzen Tag Regen angesagt ist, haben wir unsere kleine Kuchenbude eingezogen, so können wir trocken im Cockpit sitzen und dem Sauwetter zuschauen. Heute abend sollte alles durch sein….

Weit drausen auf dem Atlantik baut sich schon das nächste System auf. Es soll schon am Mittwoch in den kleinen Antillen sein. Es heißt also weiterhin wachsam sein.

Anbei Bilder von den Vorhersagen von NOAA vor zwei Tagen und heute:





Gonzalo

Wir haben unsere Quarantäne mitsammt dem COVID-19 Test und den Einklarierungsformalitäten hinter uns gebracht. Mit einem deutschen Seglerpaar stossen wir im Marinarestaurant auf unsere erfolgreiche Einreise an und genießen danach noch einen kurzen Stadtbummel durch St. George. So schön wieder an Land gehen zu können.
Doch so entspannt geht es leider die nächsten Tage nicht weiter. Auf dem Antlantik baut sich ein Sturm auf. Zuerst lag die Entstehungswahrscheinlichkeit laut NOAA bei unter 20%, doch schon eineinhalb Tage später entwickelt daraus eine tropische Depression und nun hat das zum tropischen Sturm hochgestufte System den Namen Gonzalo erhalten. Das Problem daran: Gonzalo ist zwar recht klein vom Ausmaß, aber schlecht berechenbar. Sowohl was die Zugbahn, als auch die Intensität betrifft. Die Vorhersagen sind sich einig, dass es ab morgen ein Hurricane wird, allerdings gehen die Meinungen weit auseinander, wie die weitere Entwicklung aussieht. Manche Modelle sagen voraus, dass sich der Cyclon am Freitag schon wieder langsam auflöst, andere gehen davon aus, dass er in Sturmstärke über die Windward Islands ziehen wird. Doch wo genau, weiß auch wiederrum keiner,. Der Wahrscheinlichkeitskegel reicht von Trinidad bis  hinauf nach Guadeloupe – und Grenada ist quasi mittendrin. Da sitzen wir nun vor dem Tablet, schauen stundenlang Vorhersagemodelle an und sind gespannt wie sich die Situation weiter entwickelt. Noch ist es etwas zu früh, aber wenn sich Gonzalo verstärkt und wirklich Richtung Grenada ziehen sollte, bereiten wir uns vor nach Süden abzulaufen, raus aus der kritischen Zone. Vielleicht haben wir aber auch Glück und er zieht weiter nördlich vorbei und wir merken kaum etwas – es ist alles noch offen!
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In Quarantäne

Ja, da stecken wir nun, mitten im Quarantäne-Ankerfeld vor der Hauptstadt St. George in Grenada. Die gute Nachricht ist, das wir nicht wie früher 40 Tage ausharren müssen, sondern nur zwischen zehn undIn vierzehn Tage, je nachdem, wie der Termin des Covid-19 Tests fällt.

Die Fahrt hierher war recht entspannt. OK, in den Kanälen zwischen den größeren Insel stand wie üblich etwas mehr Welle und in den Düsen hatten wir auch mal über 30 Knoten Wind. Aber da wir von vornherein mit der kleineren Fock und dem Groß im zweiten Reff eine recht konservative Besegelung aufzogen hatten, war alles gut im Wohlfühlbereich. Wir kamen sogar problemlos durchs Lee an St. Lucia vorbei, einzig vor St. Vincent mussten wir für kurze Zeit unseren Motor beanspruchen, damit wir durch den Windschatten kamen. Selbst an Grenada konnten wir noch entlang segeln, Dank eines Squall, der nicht nur kräftige Windböen im Gepäck hatte, sondern auch pünktlich vor St. George unser Boot und die Segel mit einem ausgiebigen Regenguss abspülte. So konnten wir nach 30 Stunden am Quarantänesteg der Port Louis Marina festmachen, was angesichts der Gegenströmung von fast einem Knoten, die wir fast auf dem ganzen Schlag hatten gar nicht so schlecht ist. Nach einer kurzen Einweisung und dem obligatorischen Fieber messen durften wir uns ins ausgewiesene Ankerfeld verlegen. Das war ganz schön voll, denn einige, die drei Tage zuvor negativ getestet waren, lagen immer noch hier vor St. George und hatten sich noch nicht verholt. Das entspannte sich dann am darauffolgenden Montag und Dienstag, als viele nach der erneuten Testrunde das Ankerfeld verliesen. Im Übrigen wurde bis jetzt noch kein Segler positiv getestet.

Da unser Ankerplatz mitten im Ankerfeld ganz schön schwellig war und alles ständig gegen umfallen gesichert werden musste (fast so schlimm wie beim Segeln), verholten wir uns am Dienstag in die nordöstliche Ecke, die wesentlich ruhiger ist. Hier liegen wir nun unweit von einem kleinen Strand, an dessen Ufer prächtige Flammenbäume in kräftigem Rot ihrem Namen alle Ehre machen. Das Wasser besticht durch seine türkise Farbe und ist recht klar. Es ist erlaubt ums Boot herum zu schwimmen, Besuche bei anderen Booten sind natürlich untersagt.
Zwei Wochen auf dem Boot sollte ja kein Problem sein – selbst eine schnelle Atlantiküberquerung dauert meist länger – dennoch kann man übers Internet Vorräte bestellen, die ans Quarantänedock geliefert werden. Dort kann man sie nach Terminvereinbarung mit der Marina abholen, genauso wie man seinen Müll dort entsorgen darf. Es ist also alles gut durchdacht hier.

Während wir unsere Quarantänetage abzitzen, nehmen wir mal wieder unser Dinghy auseinander. Ein echt leidiges Thema und ich habe bestimmt schon erwähnt, dass unser Schlauchboot, das in der Hypalonausführung bestellt wurde zwar Schäuche aus selbigem, UV-beständigem Material hat, aber der aufblasbare Boden aus PVC ist. Dieser zerlegt sich nun, nach einem guten Jahr immer mehr. Die Fläche wurde total klebrig, und die seitliche Klebenaht löst sich immer mehr. Bis jetzt konnten wir die Löcher noch flicken, aber mal sehen wie lange das noch funktionier, bevor sich das Material komplett auflöst…! Sehr ärgerlich, zumal so ein Dinghy ja nicht gerade günstig zu haben ist.
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Au revoir Martinique

Nach annähernd fünf Monaten auf Martinique heißt es nun Abschied nehmen. Wär hätte gedacht dass wir hier so lange stecken bleiben? Covid-19 hat uns alle überrascht und hält uns auch jetzt noch in Atem. Ganz langsam gehen einige Grenzen auf – mit Einschränkungen wie Quarantäne und/oder Test. Jedes Land führt sein eigenes Prozedere ein, aber wir sind schon froh, nun endlich weiter in den Süden zu kommen und hoffen, dass sich die Lage weiterhin entspannt. Die kleinen Antillen sind praktisch Covid-19 frei. Wenn Fälle gemeldet werden sind es praktisch immer Heimkehrer die aus Europa oder Nordamerika einfliegen. Deshalb sind die kleinen Staaten auch extrem vorsichtig was die Grenzöffnungen betrifft. Unsere nächste Station Grenada, hat eine Vorreiterrolle eingenommen und erlaubt seit Ende Mai ausländischen Yachten die Einreise. Dazu muss man sich auf einer Internetseite zuerst registrieren und sich dann (über eine englische Eventmanagerseite) einen Einreiseslot reservieren. Man bekommt Formulare per email geschickt, die man ausgefüllt mehrere Tage im Vorraus wieder zurücksenden muss und hat ein Einreisefenster von insgesamt drei Tagen, allerdings wünschen die Behörden eine genauere ETA (estimatet time of arrival also Ankunftzeit). Mal sehen wie gut wir das hinbekommen mit unserem Zeitfenster… Zuerst muss man in der Marina am Quarantänesteg anlegen, um Formalitäten zu erledigen, danach darf man in einem ausgewiesenen Bereich ankern und dort die Quarantänezeit von 10-14 Tagen auf dem Schiff verbringen. Wir haben uns vor ca. drei Wochen angemeldet und für nächste Woche eine Einreisegenehmigung erhalten.

Auch eine Variante?!
Schöner Brotfruchtbaum im Dorf

Puuhhh die letzte Woche war richtig anstrengend. Wir haben uns nochmal ein paar Tage ein Auto gemietet und hatten ganz schön was zu tun. Klar, es hat sich auch einiges angesammelt. Eine Starterbatterie musste ersetzt werden, dann war wieder einmal Gasflaschen füllen angesagt. Das ist ja mittlerweile eine gängige Übung. Allerdings hatten wir nicht erwartet, dass wir sowohl in Le Marin als auch in St. Anne keine Gasflasche mehr zurückgeben können. Es werden 50 Euro Pfand verlangt, aber die bekommt man dann nur in der Zentrale mitten auf der Insel wieder zurück. Sie scheinen sich abgesprochen zu haben, die Gasverkäufer hier im äußersten Süden. Da wir ein Auto haben, fahren wir nach Anse d’Arlet, wo wir das letzte Mal problemlos eine Gasflasche holen konnten und bei der Rückgabe unser Pfand wieder erhalten hatten. Leider hat das Restaurant mit dem kleinen Laden heute Ruhetag – was ein Pech! Aber ein Dorf weiter werden wir fündig und können die Gasflasche am nächsten Morgen auch problemlos wieder zurückgeben.

Und der Strand ist auch wieder gut besucht

Ansonsten sind die Tage gefüllt mit Besuchen bei diversen Schiffchandlern, beim Edelstahlverkauf in einem der vielen Industriegebiete vor Fort de France, Baumärkten und natürlich in den Konsumtempeln von Carrefour, Hyper U und Co. Hier hamstern wir alles was in der restlichen Karibik teuer oder schwer zu bekommen ist, wie Wurst und Käse, Bier und Wein, oder Leckereien wie Entenschlegel in der Dose, die sogar noch mehrere Jahre haltbar sind (aber sicher nicht hier auf der Piccolina ;-)) Schließlich haben wir doch noch Zeit für ein wenig Sightseeing und besuchen den botanischen Garten in den Bergen gleich nördlich von Fort de France. Sehr schön gelegen und hübsch gemacht. Wir haben Glück und das Wetter spielt auch einigermaßen mit. Jedoch sind für kurze Schauer viele kleine Pavillions im Park aufgestellt, so dass man immer einen trockenen Unterstand findet.

Im Jardin Balata…
gibt es eine Vielzahl von Palmen
…aller Art
Diese Würgefeige hat die ursprüngliche Kokospalme längst überwuchert
Helikonie
Grüner geht’s nicht

Für kurze Spaziergänge oder Wanderungen kann man auch Montravail empfehlen. Angelegte Wege unterschiedliche Länge führen durch dichten Wald. Am Ausganspunkt sind Hütten aufgestellt, die am Wochenende gerne und viel von den Einheimischen belegt sind, die hier einen Tag gemeinsam beim Grillen verbringen. Zur richtigen Jahreszeit kann man auf dem Parkplatz reife Mangos einsammeln, oder einfach mal die Aussicht und die etwas kühlere Brise genießen.

Weg im Montravail
Am Wochenende ist viel los in Montravail
Schöne Aussicht hat man von fast überall

Die letzten zwei Tage klarieren wir das Boot auf, bauen die neue Batterie fest ein und versuchen unseren Propeller etwas vom Bewuchs zu befreien. Unglaublich wie das hier wächst! Auch die Ankerkette ist dicht mit Algen zugewuchert in dem Bereich der frei im Wasser hängt. Wir lassen nochmals zehn Meter raus, damit sich der Bewuchs im Sand abschabt. Der Tag vor der Abfahrt beschert uns dann das schlechteste Wetter seit langem – es regnet praktisch den ganzen Tag, mal in Strömen, dann nur leichter Niesel. Aber die Luken bleiben geschlossen und die Luftfeuchtigkeit im Boot ist immens, bei Temperaturen an die 30°C. Für morgen ist wieder Sonne angesagt und laut Vorhersage sollten wir ganz gut segeln können, auf dem Schlag nach Grenada. Mal sehen ob die Wetterfrösche recht behalten.

Ein letztes Mal Anfahrt an den Dinghysteg in St. Anne
Tschüss Martinique – schön war’s.

Saharastaub

In Süddeutschland ist es nicht unbekannt: bei bestimmten Wetter- und Windbedingungen schafft es Saharastaub über die Alpenkette. Der Himmel wird diesig, oft mit einem leicht gelbem Farbstich. Autos, Fenster, alle Oberflächen werden von einer feinen Staubschicht überzogen. Staub der tausende Kilometer aus dem Süden kommt. In Deutschland ein seltenes Phänomen, in anderen Ländern eine Wetterlage die einen speziellen Namen bekommen hat. Sowohl die Kanaren (dort Calima genannt), als auch die Kapverden (hier heißt es Bruma seca oder Harmattan) sind aufgrund ihrer Nähe zur Sahara oft betroffen. Der Himmel ist trüb, die Sicht sehr reduziert, die Luft heiß, aber feucht, da diese bei ihrer Reise übers Meer viel Luftfeuchtigkeit aufgenommen hat. Die Einheimischen mögen keine Calima –  oder Bruma seca. Der feine Staub setzt sich nicht nur auf den Oberflächen ab, sondern geht auch auf die Lunge. Sportliche oder anstrengende Aktivitäten sollten vermieden werden. 
Für uns war es offensichtlich, als wir von den Kapverden ablegten. Nach nur vier Wochen auf den südlichen Inseln war unser Rigg praktisch paniert mit rotem Sand und wir freuten uns auf den ersten Regenschauer der alles wieder abwaschen würde. Leider mussten wir fast bis Kourou warten. 

Seit zwei Tagen können wir hier in Martinique die Sonne nur noch erahnen. Riesige Staubwolken haben sich letzte Woche auf den Weg über den Atlantik gemacht. Um diese Jahreszeit ein normaler Prozess, aber das Ausmaß dieser Wolke ist extrem.

Der erste Tag war noch moderat
Satellitenbild einer Saharastaubwolke

Doch der Saharastaub birgt auch Positives. Mit ihm kommt Dünger für den Regenwald.  Im Amazonasbecken gehen jährlich geschätzt viele Millionen Tonnen Sand und Staub nieder. Darunter sind ca. 22.000 Tonnen Phosphor, aber auch Eisen und andere Mineralstoffe, ein sehr wichtiger Dünger für die Pflanzen dort. Während der Stickstoff in einem Kreislauf eingebunden ist und durch verottende Pflanzen wieder ins Erdreich kommt und dort von den Bäumen aufgenommen werden kann, wäscht sich Phosphor wohl schneller aus und wird mit den Flüssen aus dem Gebiet abtransportiert. Der Regenwald ist auf den Staub der über den Atlantik kommt angewiesen und auch die karibischen Inseln werden dadurch gedüngt. Dieses Phänomen haben wir in den letzten Tage hautnah mitbekommen. Seit drei Tagen wurde die Sicht immer schlechter, der blaue Himmel verschwand zusehens – nicht durch graue Regenwolken, sondern durch einen gelbgrauen Staubschleier, der sogar die Sonne verdeckte. Wie bei uns im Hochnebel. Der Roche du Diamant, ein markanter Felsen in ca. 10km Entfernung, der immer gut von unserem Ankerplatz zu sehen war, ist seit Tagen im Dunst verschwunden. Sonnenuntergänge? – Fehlanzeige! Alles verliert sich im Staub. Der wiederum reizt zu trockenem Husten. Es herrscht Warnstufe 10 (von 10), von Sport wird abgeraten und empfindliche Personen sollten wohl besser zuhause bleiben, denn die Partikel sind teilweise so fein, dass sie bis in die kleinsten Lungenverästelungen gelangen. Morgen soll es wieder besser werden!

Saharastaub nach seiner Atlantiküberquerung
Die Sicht ist extrem eingeschränkt