Technik die begeistert…

 Kommunikation an Bord ist wichtig. Im Handyzeitalter ist das nicht mehr ganz so schwierig, da man einfach wie hier auf den Kapverden eine Daten-SIM-Karte kauft und schwupp, ist man über Internet mit Freunden und Bekannten verbunden. OK, das Netz hier ist meilenweit von Geschwindigkeiten die man von Europa kennt weg, aber dennoch ist man nicht abgeschnitten wie vor 20 Jahren in Afrika.

Aber was machen wir wenn wir auf See sind? Viele Yachten haben mittlerweile ein Satellitentelefon. Meist nicht ganz günstig, obwohl die Preise gewaltig gefallen sind und will man weit in den Norden oder Süden wird die Verbindung schwierig.

Wir haben uns für eine andere Technik entschieden, wie andere Fahrtenyachten auch: den Amateurfunk. Piccolina hat dafür ein isoliertes Achterstag als Antenne, d.h. der Stahldraht des Stags ist elektrisch unterbrochen und von den anderen Stagen und Wanten isoliert und fungiert als Antenne, die über einen Tuner an die verschiedenen Frequenzen angepasst wird. In unserer Naviecke ist die eigentliche Funke und dasPactormodem verbaut. Mit letzterem kann man Verbindungen mit Relaisstationen auf der ganzen Welt herstellen und darüber Daten –vor allem Textdaten – ins und aus dem Internet laden. Gerade hier sind die Datenmengen sehr übersichtlich, aber wir können Textmails versenden und empfangen (z.B. meine W2K Blogbeiträge) und für uns sehr wichtig: grip-Daten herunterladen. Das sind Wetterdaten, die von Programmen aufbereitet werden und wir können dann am PC Wetterkartenanschauen. Das hat bis jetzt immer recht gut funktioniert –außerhalb von Häfen. Denn das ist der Nachtteil vom Amateurfunk:die Kurzwellen sind sehr störanfällig, wenn viele elektrische Störquellen wie Schaltnetzteile oder Generatoren in der Nähe sind.Auch die Geographie spielt natürlich eine Rolle. In Häfen wie in Santa Maria, die auf 270° von Felsklippen umschlossen sind, ist es schwierig eine Verbindung aufzubauen. Auf See mit freiem Blick von Horizont zu Horizont geht es super.

Gestern nun waren wir zum ersten Mal per Sprechfunk unterwegs. Unser Freund Federico EA8AEW – nahm von La Palma Kontakt mit uns auf. Klar und deutlich zu verstehen – auf weit mehr als 1000km Entfernung. Rolf und ich haben beide eine Amateurfunklizenz, dennoch sind wir noch absolute Neulinge im Sprechfunk und viele der Abkürzungen im Amateurfunk sind uns noch nicht so ganz geläufig. Aber wir hoffen, das kommt auch bald. Jedenfalls war es sehr schön kurz mit Federico zu reden. Auch aus Deutschland konnten wir einen Teilnehmer empfangen – ist doch cool?!

 Eine andere Technik die begeistert ist unser Wassermacher verbunden mit unserem Energiekonzept. Vereinfacht gesagt wird dabei hohem Druck Meerwasser durch eine ganz feine Membran gepresst und am anderen Ende bekommt man sehr leckeres Süßwasser. Unsere Anlage macht 50L Süßwasser in der Stunde und zieht dabei ordentlich Strom. Den bekommen wir hierauf den Kapverden probemlos von unseren Solarpanelen geliefert. Meist scheint die Sonne, nur morgens und abends ist es oft bewölkt und an manchen Tagen ist die Sicht etwas eingeschränkt wenn Ostwind Staub aus der Sahara bringt. Wenn wir gegen Vormittag den Wassermacher betreiben, sind unsere Batterien spätestens am späten Nachmittag wieder voll und kommen nie in eine Tiefendladung. Somit sind wir also unabhängig von Strom und Wasser, was das Leben abseits von Marinas enorm leichter macht und auch das grüne Gewissen strahlt, brauchen wir so doch sehr wenig Resourcen…

Technik die nicht ganz so begeisterungswürdig ist, ist z. Z. unser Internetzugriff. Wir sind schon froh dass wir uns endlich wieder auf unseren Admin-Bereich einloggen können. Woran es letztendlich lag ist schlecht nachzuvollziehen. Wir haben dafür eine ganze Menge dazugelernt. Dennoch ist die Datenverbindung übers Handy so schlecht, dass keine Bilder online hochgeladen werden können. Da muss ich die nächsten Beiträge wieder über die Email einstellen, denn ein paar Eindrücke von den Inseln wollt ihr bestimmt auch sehen?!!

Bald geht’s los…

Es wird Zeit weiter zu segeln. Nachdem wir nun schon den zweiten Winter auf den Kanaren verbrachten, möchten wir etwas Neues kennenlernen. Unser nächstes Ziel sind die Kapverden. Ein Inselstaat vor der westafrikanischen Küste, bestehend aus neun bewohnten Inseln. Auf die Insel Sal sind es von hier ziemlich genau 800 Seemeilen, ca. 1500 Kilometer. Das ist mit dem Boot schon eine ganze Menge, denn wir sind ja nicht schnell. Wir werden also etwa eine Woche unterwegs sein, je nach Wind . Aber nachdem wir doch noch einige Sachen am Boot zu erledigen hatten, freuen wir uns schon auf die Überfahrt. Eine Woche nichts um uns herum. Eine Woche die wir nur mit Schlafen, Essen, Lesen und Wache schieben verbringen werden. 

Wir sind schon sehr gespannt. Es heißt die Kapverden sind wie die Kanaren vor 60 Jahren – andere sagen es ist Afrika light. Mal sehen wie wir die Inseln erleben werden. Jedenfalls freuen wir uns drauf. Einziger Nachteil: die Sprache. Es wird Creol (eine Mischung aus portugiesisch mit afrikanischen Elementen) oder portugiesisch gesprochen. Wir können ja schon mal während der Überfahrt unsere Sprachmuskeln trainieren….

Die letzten Tage haben wir damit verbracht halb Las Palmas leer zu kaufen und versuchen nun alle diese Dinge im Boot zu verstauen. Ab jetzt wird alles teurer – so heißt es, also mitnehmen was geht. Na ja – verhungern werden wir jedenfalls nicht während der Überfahrt und manchmal wünsche ich mir einen etwas größeren Kühlschrank. Und dann heißt es Abschied nehmen von Las Palmas, den Kanaren, dem Spanischen, von Europa….

Wenn alles klappt, werde ich während der Überfahrt wieder kleine Beiträge online setzen…

Bis dahin, Euch allen schöne Ostern!


Nachtrag

Hier noch ein paar Bilder zu den letzten Einträgen:

Abschied von Santa Maria

Die Berge sind noch in den Wolken

Bildergalerie Delphine:

Fleckendelphine begleiten uns…

Ein Regenschauer mit Regenbogen in der Ferne

Abendstimmung:

Angekommen:

Fahrt nach La Palma – Ankunft

Am letzten Tag unserer Fahrt nach La Palma packt unsere Piccolina ihren Rennmodus aus. Nein – ein Regattaschiff ist sie nicht unsere Kleine, aber auch sie kann schon mal aufs Gaspedal drücken. Seit dem Morgen des sechsten Tages ist stetiger Wind, die Welle nimmt immer mehr ab und Piccolina fliegt mit 8 Knoten durchs Wasser. Segeln pur. Am Abend binden wir schon mal das erste Reff ins Groß, langsamer werden wir dadurch aber nicht. Nachts ist dann die Genua dran, die wir verkleinern und immer noch rauschen wir ungebremst weiter. Am nächsten Morgen dann als wir zehn Meilen vor der Nordwestecke von La Palma sind reffen wir nochmals beide Segel, da die Insel für ihre Acceleration Zones, also für Bereiche in denen Düsen entstehen bekannt ist. Heute sind die Windböen nicht ganz so ausgeprägt – 25 Knoten zeigt unser Windmesser an, aber das ist uns auch ganz recht. Kaum sind wir an der Westküste der Insel, schläft bald der Wind ein und so motoren wir die letzte acht Meilen bis zum Hafen in Tazacorte. Dort legen wir uns nach einem kurzen Funkgespräch mit dem Marinero zuerst an den Tanksteg, direkt am Eingang der Marina, dann zeigt er uns unseren künftigen Liegeplatz und wir verholen Piccolina dorthin.

Nach gut sechs Tagen auf See, gönnen wir erst unserer Kleinen, dann uns ein wenig Pflege, bevor wir uns im Marinaoffice anmelden. Das groß Reinemachen um das ganze Salz an Deck zu entfernen kommt morgen.

Die Marina macht auf den ersten Blick einen sehr gepflegten und vor allem sicheren Eindruck. Die Hafenanlage ist von einem riesigen Brakewater geschützt, am Abend ist nicht der Hauch eines Schwells im Hafen zu spüren.

Jetzt sind wir wieder in Spanien! Um unsere Überfahrt zu feiern, gehen wir an der Promenade Chipirones essen, das sind fritierte kleine Tintenfische – sehr lecker. Dann noch zwei Bier und wir freuen uns auf eine Nacht in der wir mal wieder durchschlafen können. Bilder zur Überfahrt gibt es demnächst.