Nach dem Start ist vor dem Start

Das Raumfahrtzentrum in Kourou ist unbestritten der größte Arbeitgeber in Französisch Guyana. Durch den Raumfahrtbahnhof fließt viel Geld ins Überseedepartement und hier in Kourou hängt unserer Meinung nach fast die gesammte Wirtschaft daran. Manches ist offensichtlich, aber bei genauerem Hinsehen entdeckt man dass z. B. der Ponton, an dem wir immer mit dem Dinghy anlanden im Besitz des CSG – Centre Spacial Guyanese ist. Auch das Hotel und die Insel Ile de Royale gehört anscheinend dazu. Das direkte Gelände des Raumfahrtzentrums ist mit ca.700qkm riesig. Davon können wir uns bei einer geführten Tour überzeugen. Im Reisebus werden wir durchs Gelände gefahren und uns wird erklärt, wo welche Abschussrampen stehen, wir fahren am Produktionsgelände von Sauerstoff und Wasserstoff – dem Treibstoff des Haupttriebwerks – vorbei, sehen das Kontrollzentrum der Ariane und bekommen viel Info über Technik. Einziger Wehrmutstropfen: die Führung ist auf französisch. Eine englische Variante gibt es derzeit nicht. Der Bus sitzt voller Franzosen, wir sind die einzigen fremdsprachigen Touristen. Während einer kurzen Ausstiegpause an der Soyuzstartrampe kommt eine Reiseleiterin auf uns zu und nimmt sich die Zeit  alle unsere Fragen auf englisch zu beantworten. Insgesamt haben wir während der dreieinhalbsündigen, kostenlosen Führung eine Menge Info mitgenommen und wir sind stark beeindruckt vom europäischen Raumfahrtprogram. Der nächste Start einer kleineren Vega-Rakete war für den 5. Juli angesetzt, wurde aber wegen des Wetters erst um zwei Tage und nun auf unbestimmt verschoben.

Kontrollcenter Jupiter

Eine kleine Geschichte am Rande: da die Führung durch das Gelände des CSG am Museum startet, welches ca. 6 Kilometer entfernt ist und ein Fußmarsch durch die Tropen in der Mittagszeit nicht jederman Sache ist erkundigten wir uns nach einer Fahrgelegenheit. Wir erfuhren von einer Buslinie von Kourou nach Cayenne, die in Kourou mehrere Haltestellen anfährt und unseren Weg um 2/3 abkürzen würde. Der Bus kam pünktlich, wir stiegen ein, sagten unsere gewünscht Ausstiegstelle und wollten den entsprechenden Betrag bezahlen. Doch die Busfahrerin schüttelte den Kopf – nein sie fährt nach Cayenne!  „Die Haltestelle liegt doch auf dem Weg.“ “ Aber das ist so nicht vorgesehen.“ Ich werde schon etwas ärgerlich, Rolf bleibt sehr freundlich und erzählt ihr dass sie doch sowieso dran vorbei fährt. Als die Fahrerin fragt, wo wir den hinmöchten und große Augen bekommt, als sie hört Centre Spacial, ist das Eis gebrochen. „Das ist aber weit!“ – „Ja, genau“ – Sie nimmt uns mit, bezahlen müssen wir nicht, denn es gibt anscheinend keinen Tarif für die kurze Strecke. Auf dem Rückweg trampen wir einfach, wie in früheren Tagen und prompt hält das erste Auto und bringt uns zurück in unser Viertel. Auch eine sehr schöne Erfahrung.

Um mehr von Französisch Guyana kennenzulernen mieten wir uns einige Tage ein Auto, mit dem Nebeneffekt uns in den großen Supermärkten in Cayenne und Kourou ordentlich verproviantieren zu können. Cayenne liegt etwas mehr als 50 Kilometer von Kourou entfernt. Da 90% des Landes aus Regenwald besteht, führt die Strecke durch tropischen Wald und Feuchtsavanne. Morgens und abends sind überraschend viele Autos auf der zweispurigen Staße unterwegs und um Cayenne fahren eine Menge Roller, oft in sehr zweifelhaftem Zustand. Tagsüber noch kein Problem, aber bei Dunkelheit kann es ganz schön gefährlich werden, mit den teils unbeleuchteten Gefährten. Die Benutzung des Blinkers bei nicht funktionierendem Licht ist eine durchaus gängige Maßnahme. Da wir auch einige Male etwas unkontrollierte Überholvorgänge beim Gegenverkehr feststellten, vermieden wir weitere Nachtfahrten.

Platz in Cayenne
In Cayenne
Regenzeit
Tribut ans feuchte Klima

Die Üppigkeit des Regenwaldes versetzt uns immer wieder in Staunen. Da sind riesige Palmen, mit Philodendron überwucherte Baumstämme, unzählige Grünnuancen und Blattformen. Oft sind Häuser neben der Straße nur zu erahnen, da ein lebender, grüner Zaun sie fast vollständig verdeckt. Obwohl wir die Strecke von Kourou nach Cayenne einige Male fahren, sehen wir doch auf jeder Fahrt neue Dinge, die uns vorher noch nicht aufgefallen sind; die Rinderfarm gleich gegenüber dem Golfplatz, die Radaranlage auf dem Hügel bei Kourou… 

Üppiger Regenwald
…entlang der Straße

Auch um Cayenne gibt es schöne Strände. Leider ist das Wasser jedoch braun vom angeschwemmten Sediment. Dennoch ist es schön zu sitzen und aufs Wasser zu schauen.

Blick aufs braune Meer
bei Cayenne
Zurück zum Boot, den Sonnenuntergang genießen


Atlantiküberquerung – unser Fazit

16 Tage und 8 Stunden waren wir unterwegs von den Kapverden nach Französisch Guyana. Das macht einen Schnitt 4,5 Knoten.
Nein eine schnelle Überfahrt war es keine, dafür hatten wir meist gute Bedingungen. Was uns störte war der direkte Vorwindkurs. Das Boot schaukelt von einer Seite auf die andere – teilweise von Süllrand zu Süllrand – was jede Tätigkeit an Bord unendlich mühsam werden lässt. Kochen ist das klassische Beispiel, aber auch das Essen der zubereiteten Mahlzeiten ist mitunter nicht ganz einfach. Denn wenn auch der Teller auf der rutschfesten Matte sicher steht, der Inhalt rutscht gern mal davon und die Sauerei ist perfekt. Deshalb essen wir wenn immer es geht, aus unseren tiefen Schalen. Immerhin haben wir es dieses Mal geschafft keinen Kaffee-Unfall zu produzieren. Sei es weil eine Tasse umfällt, sei es weil sie einfach überschwappt. Nachdem wir schon unzählige Male die braune Brühe aus dem Cockpit wischen mussten blieb es uns auf dem Atlantik erspart.

Die Tage vergingen unglaublich schnell – die Nächte dafür umso langsamer. Es macht sehr viel aus, ob man klare und helle Nächte hat, oder ob es so dunkel ist, dass man nicht einmal den Horizont ausmachen kann. Bei mondbeschienenen oder sternenklaren Nächten kann man stundenlang in den Himmel schauen, gerade wenn die Temperaturen so lau sind, dass man im T-Shirt im Cockpit liegen kann. Dennoch herrscht ständig latenter Schlafmangel und wir versuchten aktiv auch tagsüber zu schlafen.

Die letzten zwei Tage hatten wir viel Regenschauer, aber auch diese hatten nicht sehr viel Wind im Gepäck (oft nur Winddreher).

Während unserer Überfahrt sahen wir vier Frachter, auf dem AIS natürlich viel mehr. Einer hat uns per Funk gefragt ob alles OK wäre und zum Gruß zweimal getutet. Alle Frachter wichen uns rechtzeitig aus, manche sogar so lange vorher, dass wir das gerade noch im AIS mitverfolgen konnten.

Tiere sahen wir sehr wenig, einige Seevögel, ab und zu eine portugiesische Galere und kurz vor der Ankunft kam eine kleine Delfinschule ans Boot. Die größte Anzahl an toter fliegender Fische am Morgen waren 12. Anzahl der gefangenen Fische: vier. Zwei Goldmakrelen, eine Schlangenmakrele und einen Thunfisch.

Es war ein interessantes Erlebnis aber zum Glück nicht sehr spektakulär. Ab jetzt gibt es erst mal wieder kürzere Etappen….


Galerie Atlantiküberquerung

Und gleich noch ein paar Bilder von unserem größten Schlag….


Galerie Kap Verden

Da es jetzt wieder besseres Internet gibt, hier noch ein paar Bilder zu den Kap Verden