Charlottville / Tobago

Irgendwie hatten wir geglaubt, dass Charlottville eine kleine Stadt sei. Immerhin kann man hier einklarieren, also gibt es ein Customs- und ein Immigrationbüro. Customs ist auch so gut wie immer besetzt, nur Immigration sorgt oft für Unmut, da an manchen Arbeitstagen niemand auftaucht. Bei der Ankunft ist das ja nicht schlimm, man geht halt am nächsten Tag wieder hin und schaut ob geöffnet ist. Das Ausklarieren muss da schon besser geplant werden. Dazu muss man wissen,, dass der Papierkram offiziell am Tag der Abfahrt erledigt werden muss. Das kann man hier ziemlich vergessen. Hat man also einen fixen Abfahrttermin, ist es ratsam schon ein, zwei Tage vorher im Büro zu erscheinen – am besten nicht vor 10 Uhr, da der Beamte von Scarborough kommt und eine Stunde unterwegs ist.

Karibisch bunt

Das mit der Einklarierungsbehörde passt irgendwie zu Charlottville. Das Dorf hat einen kleinen Ortskern, den Hang hinauf sind weitere bunte Häuser gebaut. Es gibt zwar mindestens vier kleine Minimärkte, aber die Auswahl war selbst auf den Kap Verden besser! Dazu hat jeder Laden das gleiche: Magarine und etwas Chederkäse im Kühlschrank, ein paar Gemüse- und Obstdosen, Reis, Linsen und braune Bohnen, Milch, Limo und noch ein paar Non-Food Dinge wie Spüli und Klopapier, das wars. Ziemlich enttäuschend. Immerhin gibt es noch einen Gemüseladen, in einer kleinen Wellblechhütte, der eine ganz ordentliche Auswahl hat, und ein Stück weiter ist der Laden der Fischereigenossenschaft, der fangfrischen Fisch anbietet. Ein richtiger Lichtblick dagegen ist die örtliche Bibliothek. Für umgerechnet ca. 3 Euro darf man (zu zweit) für ein halbes Jahr die Infrastruktur benutzen. Das heißt man darf Bücher ausleihen (es gibt sogar welche über Bootswartung etc.), bekommt einen Internetzugang für eigene Geräte oder kann an einem der vier Computer ins Netz. Selbst wenn die Bibliothek geschlossen hat, kann man sich vor das Gebäude setzen und das WiFi benutzen, das immer angeschaltet bleibt. Ein toller Service für so ein kleines Nest, der von vielen Yachties genutzt wird.

Die Bibliothek von Charlottville

Es gibt auch ein paar einfache Restaurants und Bars, eine liegt herrlich direkt am Sandstrand vor dem Dorf – hier ist auch ein bewachter Badestrand. Da kann man gemütlich ein Bier trinken, aufs Meer schauen und im Hintergrund laufen Weihnachtslieder im Reggaerhythmus. Was es alles gibt! Rund um die große Bucht sind noch einige Sandstrände verteilt. Einer liegt gleich beim Boot. Allerdings ist das anlanden mit dem Dinghy meist nicht einfach, wenn, wie oft der Fall, Schwell in die Bucht hereinläuft. Dafür kann man das Gummiboot vor Anker lassen und am Hausriff schnorcheln gehen. Auch hier trübt der Schwell die Freude, da das Wasser nicht mehr ganz so klar ist wegen den aufgewirbelten Schwebstoffen. Trotzdem ist es wunderbar in die Unterwasserwelt einzutauchen, mit den Korallen und den vielen bunten Fischen.

Typisches Fischerboot

Letzten Samstag ist dann etwas Aufregung im Dorf. Ein kleines Krezfahrtschiff kommt in die Bucht. Plötzlich dürfen wir mit unserem Dinghy nicht mehr an den Jetty. Natürlich hat uns das niemand vorher gesagt und so ist die Aufregung groß, dass ein paar Schlauchboote dort festgemacht sind. Die müssen sofort weg! Klasse Planung. Aber für die Gäste wird natürlich alles gemacht – auch wenn diese kein Geld im Dorf lassen, denn sie haben auf dem Schiff ja Vollpension. Nur ein paar Gäste lassen sich an Land bringen und gehen am Strand spazieren. Am nächsten Mittag ist dann schon wieder Abfahrt – Tobago in 15 Stunden… Wenigstens ist der Clipper hübsch anzuschauen.

Die Seacloud II in der Bucht

Wenn wir richtig einkaufen möchten müssen wir nach Scarborough. Es fahren täglich Busse für umgerechnet ca. 1 Euro oder Maxitaxis für den doppelten Preis. Die Fahrt dauert über eine Stunde, da sich die Straße an der Südküste entlangschlängelt und es gibt kaum eine Gerade die länger ist als 400 Meter. Das lässt das Herz eines jede Motorradfahrers höher schlagen, wäre da nicht der Verkehr. Da wird überholt, auch direkt vor der Kurve und gefahren dass die Reifen schon mal quitschen. Bei manchem Taxifahrer fragt man sich, wie er nur so alt werden konnte. Trotz der schönen Landschaft, den eindruckvollen Bäumen am Straßenrand und der tollen Aussicht auf die südlichen Buchten kann man die Fahrt oft nicht geniesen, sondern sitzt verkarmpft im eng gepackten Minivan und wartet sehnlichst darauf bald heil anzukommen.

Auch in der Ankerbucht ist ein Kommen und Gehen. Seit einer Woche kommen nun immer wieder Yachten von „drüben“, die Tobago entweder direkt von den Kap Verden anlaufen, oder von Barbados einen Südschlenker einbauen. Viele sind nur wenige Tage hier und segeln dann weiter nach Grenada und Martinique. Dennoch ist im Vergleich zu den kleinen Antillen wenig los. 10 bis 15 Yachten zählen wir meist, das ist im Vergleich echt übersichtlich. Leider läßt das Wetter die letztenTage sehr zu wünschen übrig. Manchmal regnet es denn ganzen Tag, selten scheint die Sonne mehr als drei Stunden am Sück. Aber das müsste bald besser werden, denn langsam neigt sich die Regenzeit dem Ende zu. Statistisch gesehn zumindest. Dann dürfte es nur noch ab und zu einen Schauer geben….

Schietwetter bei 27°C

Überfahrt nach Trinidad

Am späten Samstag Vormittag kippt die Tide im Surinam River. Zeit für uns abzulegen. Als wir unter der Brücke bei Paramaribo durchfahren schiebt uns die Strömung mit über einem Knoten und wird teilweise sogar noch stärker, bis zu zwei Knoten. Wir fahren vorbei an der Waterkant, dem Fort Zeelandia, New Amsterdam und dessen Fort, winken nochmals zum Abschied, dann geht’s langsam raus auf den Atlantik. Bei den letzten Tonnen wird das Wasser ziemlich kabbelig, da wir den Wind auf der Nase haben und somit Wind gegen Strom. Aber kaum sind wir an der Ansteuerungstonne angekommen, können wir Segel setzen und Kurs Trinidad anlegen. Die nächsten 36 Stunden haben wir ein Traumsegelwetter. Schöner Halbwindkurs, unsere Piccolina rauscht mit 7-8 Knoten durchs Wasser und es ist dabei wunderbar leise. Kein Geklapper in den Schränken, keine Wellen die an die Seiten klatschen, wir gleiten geschmeidig durchs Wasser – fantastisch. Wir sind schnell, der Plotter sagt uns eine Ankunftszeit am Dienstag vorraus. Doch die Wettervorhersage behält recht – der Wind wird schwächer und unstet. Dafür können wir uns an Deck ausgiebig abduschen und das tiefblaue Wasser betrachten, das wir so vermisst haben. Blauer geht es nicht. Man könnte meinen man schaut bis an den Meeresgrund. Nicht umsonst gibt es den Ausdruck Blauwassersegeln, wenn man weit ab den Küsten segelt. Nachts nieselt es leicht, aber es ist immer noch so warm dass wir selbst in der Nacht in kurzen Hosen und T-shirt Wache gehen können. Ohne Wolken und wenn der Mond noch nicht aufgegangen ist, haben wir Zeit den unglaublichen Sternenhimmel zu betrachten. Direkt über dem Horizont ist es zu dunstig, aber über uns erstreckt sich die Milchstraße deutlich als heller Streifen über das Firmament und tausend leuchtende Sterne….

Vor Trinidad umfahren wir ein großes Gebiet mit vielen Ölbohrplattformen. Manche sind recht nah, doch sie sind groß und nicht zu übersehen und in der Nacht sehr hell beleuchtet. Wir segeln an der Ostküste Trinidads entlang – mehr schlecht als recht, die Segel stehen gerade noch so und flappen bei jeder größeren Welle enervierend. Dennoch machen wir noch über zwei Knoten Fahrt. Das ändert sich am frühen Vormittag an der nördlichen Inselseite. Hatten wir bis dahin über einen Knoten Strom der uns schob, sind wir nun vielleicht zu nah unter der Küste (aber immer noch 4 Meilen entfernt) oder die Tide ist stärker als der Guyanastrom. Jedenfalls setzt nun der Strom mit ein bis zwei Knoten gegen uns und der Wind ist komplett eingeschlafen. Da wir innerhalb der Bürozeiten in Chaguaramas ankommen wollen um keine „Overtime“ Gebühr zahlen zu müssen starten wir den Motor. Vorbei an den schroffen, üppig grünen Bergen der Nordküste geht es durch einen kleinen Kanal zwischen der Nordwestspitze Trinidads und einer kleinen Nebeninsel. Wir sehen Pelikane im Formationsflug vorbei fliegen und bewundern die schroffen Klippen am Ufer. Die Bucht von Chaguaramas hat nicht ganz so viel Charme. Viele Werften sind hier angesiedelt – nicht nur für Sportboote auch für große Frachter, Fischer- und Arbeitsboote. Wir legen am Zollsteg an und stellen fest dass wir durch die eine Stunde Zeitverschiebung genau zur Mittagspause angekommen sind. So können wir im Cafe am Pontoon noch ein Sandwich essen, bevor es ans einklarieren geht.

Sonnenaufgang an der Nordküste Trinidads
Anfahrt an die Nordwestspitze
schroffe grüne Hügel

Was als erstes auffällt ist der krasse Akzent der Trinidadians. Wow. Ich dachte die Australier oder Neuseeländer sind manchmal schlecht zu verstehen, aber das hier ist wirklich nochmal eine andere Nummer. Oft muss ich nachfragen, wenn zu schnell und für mich zu undeutlich gesprochen wird. Aber alle sind sehr freundlich, auch bei der Immigration und dem Zoll, so dass wir uns knapp drei Stunden später in der Ankerbucht ein Boje raus suchen können und dann erst mal ganz gemütlich unseren Anleger trinken. Wir sind gut angekommen, morgen machen wir unser Dinghy parat und schauen uns erst mal genauer um….

Atlantiküberquerung – unser Fazit

16 Tage und 8 Stunden waren wir unterwegs von den Kapverden nach Französisch Guyana. Das macht einen Schnitt 4,5 Knoten.
Nein eine schnelle Überfahrt war es keine, dafür hatten wir meist gute Bedingungen. Was uns störte war der direkte Vorwindkurs. Das Boot schaukelt von einer Seite auf die andere – teilweise von Süllrand zu Süllrand – was jede Tätigkeit an Bord unendlich mühsam werden lässt. Kochen ist das klassische Beispiel, aber auch das Essen der zubereiteten Mahlzeiten ist mitunter nicht ganz einfach. Denn wenn auch der Teller auf der rutschfesten Matte sicher steht, der Inhalt rutscht gern mal davon und die Sauerei ist perfekt. Deshalb essen wir wenn immer es geht, aus unseren tiefen Schalen. Immerhin haben wir es dieses Mal geschafft keinen Kaffee-Unfall zu produzieren. Sei es weil eine Tasse umfällt, sei es weil sie einfach überschwappt. Nachdem wir schon unzählige Male die braune Brühe aus dem Cockpit wischen mussten blieb es uns auf dem Atlantik erspart.

Die Tage vergingen unglaublich schnell – die Nächte dafür umso langsamer. Es macht sehr viel aus, ob man klare und helle Nächte hat, oder ob es so dunkel ist, dass man nicht einmal den Horizont ausmachen kann. Bei mondbeschienenen oder sternenklaren Nächten kann man stundenlang in den Himmel schauen, gerade wenn die Temperaturen so lau sind, dass man im T-Shirt im Cockpit liegen kann. Dennoch herrscht ständig latenter Schlafmangel und wir versuchten aktiv auch tagsüber zu schlafen.

Die letzten zwei Tage hatten wir viel Regenschauer, aber auch diese hatten nicht sehr viel Wind im Gepäck (oft nur Winddreher).

Während unserer Überfahrt sahen wir vier Frachter, auf dem AIS natürlich viel mehr. Einer hat uns per Funk gefragt ob alles OK wäre und zum Gruß zweimal getutet. Alle Frachter wichen uns rechtzeitig aus, manche sogar so lange vorher, dass wir das gerade noch im AIS mitverfolgen konnten.

Tiere sahen wir sehr wenig, einige Seevögel, ab und zu eine portugiesische Galere und kurz vor der Ankunft kam eine kleine Delfinschule ans Boot. Die größte Anzahl an toter fliegender Fische am Morgen waren 12. Anzahl der gefangenen Fische: vier. Zwei Goldmakrelen, eine Schlangenmakrele und einen Thunfisch.

Es war ein interessantes Erlebnis aber zum Glück nicht sehr spektakulär. Ab jetzt gibt es erst mal wieder kürzere Etappen….


Galerie Atlantiküberquerung

Und gleich noch ein paar Bilder von unserem größten Schlag….