Grenada – was man kriegt, was man liebt, was man isst und was man vermisst…

Das ganze Jahr über tropische Temperaturen, üppige Regenfälle im Sommer, fruchtbare vulkanische Erde – das sind die Faktoren für das dichte Grün auf Grenada (wie auf den meisten karibischen Inseln). Die Vielfalt der Tropenfrüchte ist klasse und der Geschmack nicht mit Zuhause zu vergleichen. Hier wird das Obst reif geerntet und somit ist es richtig lecker. Es gibt fliegende Händler, die ein nur paar Mangos, Chenet oder einfach etwas Zimt verkaufen, an den Straßenecken gibt es kleine und große Stände mit unterschiedlichem Angebot, aber auch im Supermarkt gibt es gute lokale Früchte und Gemüse zu kaufen. Vieles kennt man von heimischen Obstregalen – Ananas, Bananen, Limetten, Mango, Papaya, Granatapfel und Sternfrucht sind mittlerweile fast Standardangebot in Deutschland. Hier in Grenada gibt es dafür viele verschiedene Sorten Mangos – so wie es zuhause eben verschiedene Apfelsorten gibt. Es gibt ganz kleine mit furchtbar vielen Fasern, aber sehr süß, ovale oder runde, gelbe, grüne oder rötliche mit einem lilanen Touch. Im Supermarkt sind sie mit Namen beschriftet: Julie, Ceylon, Imperial, Calivigny, Peach….
Ähnlich vielfältig ist die Auswahl bei den Bananen. Wir essen gerne die Rock Fig, das ist eine kleine, gelbe Sorte mit einem braunen Fleck an der Seite. Und dann gibt es ja noch die Kochbananen – hier Plantain genannt – diese sind daran zu erkennen, das sie etwas eckiger aussehen als die Dessertbananen. Kochbananen beinhalten mehr Stärke und sind weniger süß. Als Beilage werden sie meist einfach in Stücke geschnitten und in der Pfanne angebraten, man kann sie aber vorher auch grob raspeln, mit Salz, Pfeffer und etwas Muskat würzen, um sie dann mit einem Teelöffel zu portionieren und im Fett auszubacken. 
Die Ananassaison geht gerade zu Ende, noch gibt es ein paar kleine Exemplare zu kaufen, dafür gibt es Passionsfrüchte und riesige Papaya. Daneben gibt es viele neue Obstsorten zu entdecken: neben Soursop, die auch gern zu Smoothies oder Eis verarbeitet wird, gibt es die Waterlemon, eine kleine, gelbe Frucht, die vom Geschmack etwas an Passionsfrucht erinnert (speziell auch die Kerne), oder der Golden Apple (auf anderen Inseln auch Pommecytherre genannt), der unreif ähnlich wie ein grüner Apfel, nachgereift deutlich süßer schmeckt. Momentan bekommt man überall Chenet angeboten. Kirschgroße, grüne Früchte, die in Büschel wachsen. Knackt man die harte Schale kommt das süße Fruchtfleisch zutage, das geschmacklich etwas an Litschi erinnert, und das man im Mund von dem großen Kern ablutschten kann. Nichts gegen den Hunger, aber lecker.

Sternfrüchte direkt vom Baum
Unsere Lieblingsmangosorte
Leckere Rockfig
Chennet


Auch die Gemüseauswahl ist reichhaltig. Neben bekannten Pflanzen wie Zwiebeln, Karotten, Kürbis, Auberginen oder Kohl, gibt es einige ungwöhnlichere z. B. Süßkartoffeln oder Avocado, aber auch in Europa praktisch unbekannte wie Christophene – auch Chayote genannt. Letztere kann nach dem Schälen sowohl roh, als auch gekocht oder gebraten gegessen werden und erinnert vage an Kohlrabi. Vorteil: Christophene lässt sich gut bei Raumtemperatur lagern und eignet sich somit für längere Passagen, genauso wie die Süßkartoffel, aus der man sehr leckere Pommes machen kann. Auch die Brotfrucht wird in der Karibik viel und gerne angebaut. Überall sieht man die prächtigen Bäume wachsen, ob im Vorgarten, in Plantagen oder wild im Hinterland. Man erkennt sie sofort an den dekorativen, tief eingeschnittenen Blättern dazwischen die kindskopfgroßen Früchte, kräftig grün, mit einer leicht geschuppten Oberfläche. Die Brotfrucht kommt wie die Süßkartoffel entweder gekocht, gebraten oder fritiert als Beilage auf den Tisch. Ich bevorzuge sie als dünne frittierten Chips, da sie gekocht eher etwas fade schmeckt im Vergleich zur Süßkartoffel, die auch gekocht ein feines Aroma hat.
Andere Beilagen kann ich nur mit Mühe auseinanderhalten. Zumindest in rohem Zustand. Für mich sehen sich die Wurzel von Callaloo (auch Dasheen), Cassava (=Maniok, Yucca) und Yams zu ähnlich. Callaloo wird hier viel und gerne gegessen, man sieht es häufig in den Gärten. Dabei ist es eine tolle Pflanze, da auch die Blätter und Stängel gegessen werden können. Allerdings müssen diese mindestens 20 Minuten gekocht werden, da sie Giftstoffe enthalten, die durch die Hitze zerstört werden. Callaloo gibt es als Suppe, als Gemüsebeilage und wird gerne in Eintöpfen mitgekocht, z.B. im Oil Down dem Nationalgericht in Grenada. Auch in Tobago ist die Pflanze populär, dort wird sie allerdings Dasheen genannt. Cassava hatten wir in Suriname das erste Mal (bewusst) auf dem Teller und zwar die frittierte Variante als Pedant zu Pommes Frittes. Etwas heller in der Farbe, die Struktur sieht etwas fasrig aus, der Geschmack ist lecker.

Reife Brotfrucht
Calalloo
Sweet Potato Fries


So vielfältig das Angebot an frischem Obst und Gemüse hier auch ist – wir sind nun mal in Deutschland aufgewachsen und lieben natürlich auch die heimische Küche. Doch es ist es nicht immer leicht die geeigneten Zutaten zu finden. Beilagen wie Kartoffel, Reis oder Nudeln gibt es hier natürlich überall, doch schon beim Brot wird es schwierig und da sind wir Deutschen ja sehr heikel. Grenada war lange englische Kolonie, entsprechend ist die Auswahl begrenzt. Weißes Toastbrot, oder die „Vollkornvariante“ gibt es praktisch überall, genauso wie leicht süßliche Brötchen oder Brotstangen pappiger Konsistenz. OK für Burger, aber nicht fürs Frühstück. Im Supermarkt findet man auch Pita (dünne Fladen) neben Brotlaiben die Maismehl oder Cassava enthalten. Ein Lichtblick ist der französische Metzger hier in der Prickly Bay, der auch Baguette aus eigener Herstellung verkauft. Etwas rustkaler als das Original, aber mindestens so gut im Geschmack. Dennoch backen wir auch oft selbst unser Brot – wenn mans öfter macht ist es gar nicht mehr so viel Aufwand – und zum Frühstück gibt es ab und zu frische Brezeln, an deren Rezeptur müssen wir allerdings noch feilen.

Selbstgemachtes Brot
und frische Brezeln zum Frühstück


Monika von der „Psyche“, brachte uns vor ein paar Wochen leckeren türkischen Joghurt mit aufs Boot. Eine weitgereiste Kultur, die ihren Weg von Südafrika in die Karibik gefunden hat. Seither machen wir unseren Joghurt selbst (unser Milchkonsum ist seither drastisch gestiegen), da es hier meist nur Low Fat, 0 Fat oder anderes grusliges Zeug gibt, ganz nach amerikanischer Manier.


Auch schwer zubekommen ist guter Käse. Was es gibt ist Cheddar, Cheddar und noch einen Chedar, europäische Käsesorten sind sehr rar und wenn man sie überhaupt bekommt sündhaft teuer. Auch die Auswahl an geriebenem Käse ist nicht wie von zuhause gewohnt, so werden die selbstgemachten Kässpätzle immer etwas anders – nur die angerösteten Zwiebeln schmecken wie daheim.
Wie beim Käse treibt einem das Angebot an Wurst auch eher Tränen in die Augen. Gab es im Januar im großen Supermarkt noch brauchbare, abgepackte Salami, Schinken und Pastrami eines kanadischen Herstellers, bekommt man nun dort nur noch Wurstwaren amerikanischer Firmen, die nicht sehr appetitlich aussehen. Den leckersten, gekochten Schinken der letzten Wochen fanden wir bei einem (kanadischen) Metzger ein paar Buchten weiter. Nicht gerade ums Eck und er weiß man was für gute Qualität verlangen kann, dafür gibt es Samstags einen kostenlosen Bustransfer und man hat anschließend noch genügend Zeit sich in der Phare Bleu Marina umzusehen, oder im Restaurant etwas zu essen und zu trinken.

Meat & meet market
Hier bekommt man leckere Fleisch- und Wurstwaren und mehr…
Phare blue Marina
Eine sehr schöne Anlage
Namensgeber: das ehemalige Feuerschiff aus Schweden

Auf dem gleichen Gelände wird auch ein sehr leckerer Gin hergestellt, der BlueLight Caribbean Gin. Der Besitzer zeigt gern seine Destille, erklärt viel und es gibt zwei unterschiedliche Sorten zum Probieren. 
Da die Wacholderbeeren, die Gin den typischen Geschmack geben auf Grenada nicht wachsen, werden diese aus Kanada importiert. Doch ich staunte nicht schlecht, welche Früchte und Gewürze sonst noch zugesetzt werden. Neben Citrusfrüchten nämlich noch Anis, Zimt, Kardamom, Muskat und Schokolade. Diese Zutaten kommen allesamt hier von der Insel, frisch und intensiv. Geschmacklich sind die zwei verschiedenen Ginsorten die hier hergestellt werden nicht sehr verschieden, dafür kann man sie optisch sofort auseinander halten. So bekommt eine Sorte dunkle Büten zugesetzt, die dem Gin eine kräftige blaue Farbe bescheren – solange er pur eingeschenkt wird. Gibt man Tonic dazu (oder andere leicht saure Getränke) ändert sich seine Farbe zu einem hellen Purpur….Ist doch mal was anderes!


Bekannt ist Grenada vor allem für seine Gewürze. Zimt, Muskatnuss, Nelken und Ingwer wachsen hier und werden zu einem großen Teil exportiert. Dass die Einheimischen sehr stolz sind auf ihre Gewürzinsel, sieht man auch an der Nationalflagge, die neben den sieben Sternen für die sieben Bezirke Grenadas eine Muskatnuss abgebildet hat.

Unreife Muskatnuss am Baum
Muskatnuss als Straßenlaterne

Überfahrt nach Trinidad

Am späten Samstag Vormittag kippt die Tide im Surinam River. Zeit für uns abzulegen. Als wir unter der Brücke bei Paramaribo durchfahren schiebt uns die Strömung mit über einem Knoten und wird teilweise sogar noch stärker, bis zu zwei Knoten. Wir fahren vorbei an der Waterkant, dem Fort Zeelandia, New Amsterdam und dessen Fort, winken nochmals zum Abschied, dann geht’s langsam raus auf den Atlantik. Bei den letzten Tonnen wird das Wasser ziemlich kabbelig, da wir den Wind auf der Nase haben und somit Wind gegen Strom. Aber kaum sind wir an der Ansteuerungstonne angekommen, können wir Segel setzen und Kurs Trinidad anlegen. Die nächsten 36 Stunden haben wir ein Traumsegelwetter. Schöner Halbwindkurs, unsere Piccolina rauscht mit 7-8 Knoten durchs Wasser und es ist dabei wunderbar leise. Kein Geklapper in den Schränken, keine Wellen die an die Seiten klatschen, wir gleiten geschmeidig durchs Wasser – fantastisch. Wir sind schnell, der Plotter sagt uns eine Ankunftszeit am Dienstag vorraus. Doch die Wettervorhersage behält recht – der Wind wird schwächer und unstet. Dafür können wir uns an Deck ausgiebig abduschen und das tiefblaue Wasser betrachten, das wir so vermisst haben. Blauer geht es nicht. Man könnte meinen man schaut bis an den Meeresgrund. Nicht umsonst gibt es den Ausdruck Blauwassersegeln, wenn man weit ab den Küsten segelt. Nachts nieselt es leicht, aber es ist immer noch so warm dass wir selbst in der Nacht in kurzen Hosen und T-shirt Wache gehen können. Ohne Wolken und wenn der Mond noch nicht aufgegangen ist, haben wir Zeit den unglaublichen Sternenhimmel zu betrachten. Direkt über dem Horizont ist es zu dunstig, aber über uns erstreckt sich die Milchstraße deutlich als heller Streifen über das Firmament und tausend leuchtende Sterne….

Vor Trinidad umfahren wir ein großes Gebiet mit vielen Ölbohrplattformen. Manche sind recht nah, doch sie sind groß und nicht zu übersehen und in der Nacht sehr hell beleuchtet. Wir segeln an der Ostküste Trinidads entlang – mehr schlecht als recht, die Segel stehen gerade noch so und flappen bei jeder größeren Welle enervierend. Dennoch machen wir noch über zwei Knoten Fahrt. Das ändert sich am frühen Vormittag an der nördlichen Inselseite. Hatten wir bis dahin über einen Knoten Strom der uns schob, sind wir nun vielleicht zu nah unter der Küste (aber immer noch 4 Meilen entfernt) oder die Tide ist stärker als der Guyanastrom. Jedenfalls setzt nun der Strom mit ein bis zwei Knoten gegen uns und der Wind ist komplett eingeschlafen. Da wir innerhalb der Bürozeiten in Chaguaramas ankommen wollen um keine „Overtime“ Gebühr zahlen zu müssen starten wir den Motor. Vorbei an den schroffen, üppig grünen Bergen der Nordküste geht es durch einen kleinen Kanal zwischen der Nordwestspitze Trinidads und einer kleinen Nebeninsel. Wir sehen Pelikane im Formationsflug vorbei fliegen und bewundern die schroffen Klippen am Ufer. Die Bucht von Chaguaramas hat nicht ganz so viel Charme. Viele Werften sind hier angesiedelt – nicht nur für Sportboote auch für große Frachter, Fischer- und Arbeitsboote. Wir legen am Zollsteg an und stellen fest dass wir durch die eine Stunde Zeitverschiebung genau zur Mittagspause angekommen sind. So können wir im Cafe am Pontoon noch ein Sandwich essen, bevor es ans einklarieren geht.

Sonnenaufgang an der Nordküste Trinidads
Anfahrt an die Nordwestspitze
schroffe grüne Hügel

Was als erstes auffällt ist der krasse Akzent der Trinidadians. Wow. Ich dachte die Australier oder Neuseeländer sind manchmal schlecht zu verstehen, aber das hier ist wirklich nochmal eine andere Nummer. Oft muss ich nachfragen, wenn zu schnell und für mich zu undeutlich gesprochen wird. Aber alle sind sehr freundlich, auch bei der Immigration und dem Zoll, so dass wir uns knapp drei Stunden später in der Ankerbucht ein Boje raus suchen können und dann erst mal ganz gemütlich unseren Anleger trinken. Wir sind gut angekommen, morgen machen wir unser Dinghy parat und schauen uns erst mal genauer um….

Atlantiküberquerung – unser Fazit

16 Tage und 8 Stunden waren wir unterwegs von den Kapverden nach Französisch Guyana. Das macht einen Schnitt 4,5 Knoten.
Nein eine schnelle Überfahrt war es keine, dafür hatten wir meist gute Bedingungen. Was uns störte war der direkte Vorwindkurs. Das Boot schaukelt von einer Seite auf die andere – teilweise von Süllrand zu Süllrand – was jede Tätigkeit an Bord unendlich mühsam werden lässt. Kochen ist das klassische Beispiel, aber auch das Essen der zubereiteten Mahlzeiten ist mitunter nicht ganz einfach. Denn wenn auch der Teller auf der rutschfesten Matte sicher steht, der Inhalt rutscht gern mal davon und die Sauerei ist perfekt. Deshalb essen wir wenn immer es geht, aus unseren tiefen Schalen. Immerhin haben wir es dieses Mal geschafft keinen Kaffee-Unfall zu produzieren. Sei es weil eine Tasse umfällt, sei es weil sie einfach überschwappt. Nachdem wir schon unzählige Male die braune Brühe aus dem Cockpit wischen mussten blieb es uns auf dem Atlantik erspart.

Die Tage vergingen unglaublich schnell – die Nächte dafür umso langsamer. Es macht sehr viel aus, ob man klare und helle Nächte hat, oder ob es so dunkel ist, dass man nicht einmal den Horizont ausmachen kann. Bei mondbeschienenen oder sternenklaren Nächten kann man stundenlang in den Himmel schauen, gerade wenn die Temperaturen so lau sind, dass man im T-Shirt im Cockpit liegen kann. Dennoch herrscht ständig latenter Schlafmangel und wir versuchten aktiv auch tagsüber zu schlafen.

Die letzten zwei Tage hatten wir viel Regenschauer, aber auch diese hatten nicht sehr viel Wind im Gepäck (oft nur Winddreher).

Während unserer Überfahrt sahen wir vier Frachter, auf dem AIS natürlich viel mehr. Einer hat uns per Funk gefragt ob alles OK wäre und zum Gruß zweimal getutet. Alle Frachter wichen uns rechtzeitig aus, manche sogar so lange vorher, dass wir das gerade noch im AIS mitverfolgen konnten.

Tiere sahen wir sehr wenig, einige Seevögel, ab und zu eine portugiesische Galere und kurz vor der Ankunft kam eine kleine Delfinschule ans Boot. Die größte Anzahl an toter fliegender Fische am Morgen waren 12. Anzahl der gefangenen Fische: vier. Zwei Goldmakrelen, eine Schlangenmakrele und einen Thunfisch.

Es war ein interessantes Erlebnis aber zum Glück nicht sehr spektakulär. Ab jetzt gibt es erst mal wieder kürzere Etappen….


Galerie Atlantiküberquerung

Und gleich noch ein paar Bilder von unserem größten Schlag….