High and dry

Es ist mal wieder soweit – Piccolina steht an Land, die Segel sind abgeschlagen. Sie darf in ihren wohlverdienten Winterschlaf, bekommt dabei Maniküre und sonstige Pflegeeinheiten die sie so lange vermisst hat.

Leben in 4 m Höhe

Wir freuen uns derweil auf Heimatbesuch, der ja durch Covid lang verschoben wurde. Der Flughafen Porto ist perfekt mit der Metro von Povoa de Varzim zu erreichen, genauso wie die zweitgrößte Stadt Portugals selbst. Hier im Südwesten Europas ist noch T-Shirt und kurze Hosen Wetter, mal sehen wie die Temperaturen in Deutschland sind. Wir sind gespannt wie sich die Heimat verändert hat. Jedenfalls freuen wir uns auf Familie und Freunde und Brezeln und deutsches Bier und und und

Mit der Metro zum Flughafen

Die Sonnenuntergänge vom Boot aus werden wir vermissen…

Fahrt nach Povoa – 7. Tag und Ankunft

Schon der Morgen ist wolkenverhangen. Ab dem späten Vormittag ist es dann so richtig düster. Zuerst sind noch Wolkenkonturen auszumachen, doch später ist es rings um uns herum nur Grau in unterschiedlich dunklen Schattierungen. Vor uns blitzt und donnert es. Das ist gar nicht gut. Wir kennen drei Boote denen einen Blitzschlag die komplette Elektrik zerstörte. Das braucht kein Mensch! Stundenlang fahren wir durch die dicke Suppe. Die Sicht ist zeitweise extrem schlecht und öfter regnet es. Dennoch hat es meist keinen Wind, also motoren wir weiter und schauen vom trockenen Cockpit zu. Zum Spätnachmittag ist die Front durch, es lockert etwas auf, dann kommt auch eine Brise auf. Wir setzen die Genua, doch nach 30 Minuten rollen wir sie wieder ein. Mit Segen ist heute nix mehr.

Am Abend lockert es etwas auf und die Wolken zeichnen schlne Bilder an den Himmel

Dafür kommt ein kleiner Piepmatz angeflogen. Das ist schon der zweite. Gestern hatten wir einen Strandläufer, der sich zehn Minuten an Deck ausgeruht hat, heute kommt wiederum ein Landvogel, der uns aber nur einen ganz kurzen Besuch abstattet. Einen Schmetterling sahen wir auch schon über das Deck flattern. Irgendwie ein seltsamer Anblick so mitten auf dem Atlantik, mindestens 400 km von Land entfernt….

Strandläufer?

Die letzte Nacht bricht an. Vor uns liegt eine stark befahrene Schifffahrtsroute. Zwar ist es auf diesem Breitengrad kein Verkehrstrennungsgebiet (VTS), dennoch fahren die meisten Frachter vom VTS beim Cabo Finistere direkt zum VTS beim Cabo Sao Vicente und somit ist der Verkehr zwar sehr geordnet, aber es ist auch eine ganze Menge los. Als wir die erste Fahrspur queren sind drei Frachter mit weniger Abstand als je zwei Seemeilen gleichtzeitig um uns herum. In diesen Augenblicken ist man einfach froh ein AIS zu haben. Die zweite Spur ist während unserer Querung gerade wenig befahren. Alle vier Frachter in unserer Nähe gehen bequem vor uns durch.

…kein Computerspiel…

Nun sind wir im Bereich der Küste, der sehr viel von Fischern befahren wird, aber in der Nacht ist insgesamt wenig los. Weit vor uns sehen wir ein kräftiges Gewitter. Die Entfernung ist schwer zu schätzen – es könnte auch durchaus über Land sein. Dennoch sind die Blitze gut zu erkennen.

Ein letzter Sonnenaufgang auf See. Es ist immer noch sehr diesig, fast schon neblig. Aber mit der Zeit setzt sich die Sonne immer mehr durch. Das Meer ist glatt, nur die Oberfläche kräuselt sich minimal. Wir nutzen die Zeit und die Bedingungen und klarieren während der Fahrt die Segel und Leinen auf, schlagen die kleine Kuchenbude ab und räumen das Boot auf. Daneben immer ein Blick auf die vielen Fischerboote, die nun unterwegs sind und die Reusen die bis kurz vor der Einfahrt in den Hafen ausgelegt sind.

Beifang schwimmt tot im Wasser
Die Hochhäuser von Povoa schälen sich aus dem Dunst

Erst ca. sechs Seemeilen vor der Küstenlinie schält sich die Stadt aus der Dunstglocke. Sie ist größer als erwartet. Hochhäuser reihen sich aneinander. Wir steuern auf das große Brakewater zu. Ein Marinero weißt uns ein und nimmt unsere Leinen an. Bernd, wie wir auch Mitglied im TO und bei Intermar, mit dem wir heute morgen Funkkontakt auf Kurzwelle hatten, hilft auch beim Anlegen. Und so liegen wir am frühen Nachmittag in der Marina in Povoa sicher vertäut am Steg. Wir sind wieder zurück auf Festland Europa und haben unsere kleine Atlantikrunde gut hinter uns gebracht. Nun werden wir uns erst einmal in Povoa etwas umsehen ….

Jetzt sehen wir die Sonnenuntergänge wieder von Land aus

Sao Miguel – Teil 1

Wir liegen in der großen neuen Marina von Ponta Delgada. So richtig gemütlich ist es hier nicht. Davon abgesehen, dass eigentlich immer etwas Schwell ins Hafenbecken gelangt und die Yachten permanent mehr oder weniger an den Festmachern zupfen, ist gegenüber am langen Industriekai immer was los. Jeden Tag sind ein, zwei Containerfrachter oder Tanker festgemacht und werden geräuschvoll be- und entladen. Die Motoren der Kräne und die Aggregate der Schiffe brummen ständig, daneben fahren unzählige LKWs die Container aus dem Hafenbereich ganz zu schweigen von dem dauernden Gehupe der rückwärtsfahrenden Gabelstapler. Wer hat sowas nur erfunden? Es mag ja im Stadtverkehr durchaus Sinn machen, aber in einem Industriehafen, wo sich ständig zwei, oder drei Maschinen rückwärts bewegen und sich sowieso nur Hafenpersonal aufhält sollte man einmal die Frage stellen, ob das wirklich noch der Sicherheit dient oder einfach nur zusätzliche Lärmverschmutzung ist. Bei Südwind – und den haben wir momentan leider oft – ist es jedenfalls ganz schön laut in der Marina. Unser Lieblingshafen wird es wohl nicht werden….

Die Segelyachten liegen quasi im gleichen Hafenbecken wie die Frachter
Nicht sehr ansprechende Kulisse

Die Kulissee von Ponta Delgada unterscheidet sich doch sehr von der anderer Städte auf den Azoren. Nun ja, es ist auch mit Abstand die größte. Entsprechend stehen nicht nur imposante alte Häuser an der Promenade, sondern auch mehrstöckige, neue Gebäude und Hochhäuser. In der Stadt selbst dann die typischen engen Straßen, gepflastere Plätze, kleine Parks und viele alte Kirchen und Prachtbauten mit den typischen schwarzen Lavasteinen als Fenster- und Türeinfassung. In der Stadt herrscht viel Trubel. Kein Wunder, landet doch gefühlt jede halbe Stunde ein Flieger. Oft sind es die kleinen Maschinen, die die Inseln untereinander anbinden. Aber es kommen auch eine ganze Menge große Flugzeuge aus Lissabon, Porto, Frankfurt, Brüssel usw…… Es ist Hochsaison und von COVID wenig zu spüren. Klar, nur mit Maske in die Innenräume, aber es spielt sich ja das meiste drausen ab. Überraschenderweise stagnieren die Zahlen in den letzten Wochen oder sind hier auf dieser Insel sogar eher rückläufig trotz der vielen Touristen.

Die Innenstadt mit hübschen Plätzen…
…. Grünflächen….
…und Parks.
Die Kutsche fährt durch enge Gassen

Nachdem wir bei mehreren Autovermietungen angefragt hatten, konnten wir zwei Tage einen Leihwagen zu einem akzeptablen Preis ergattern. Nicht ganz selbstverständlich im Augenblick. So steht einer ausgedehnten Inselrundfahrt nichts im Wege.

Der erste Tag führt uns in den Osten der Insel. Wir besuchen Furnas, das für warme Thermalquellen bekannt ist. Hier wird das heiße Wasser nicht nur zum Baden benutzt, einige Erdlöcher eignen sich auch um Essen zu garen. Früher im Besitz verschiedener Familien, die dort ihr Mittagessen zubereiteten, kochen nun Restaurants ihre Gerichte in den heißen Erdlöchern. Im östlichen Teil der Kleinstadt kann man das Naturschauspiel auch kostenlos betrachten und einen „geothermisch“ gekochten Maiskolben probieren.

Hier werden Maiskolben gekocht…

Da wir uns kurzfristig auf den Weg nach Portugal machen breche ich hier mit dem Beitrag ab….. Fortsetzung folgt!

Kurzbesuch auf Terceira

Wir haben Angra do Heroismo angelaufen, die Hauptstadt von Terceira und liegen in der Bucht vor Anker. Die Kulisse ist ein Traum. Die Stadt ist seit langem schon UNESCO-Weltkulturerbe und das zurecht. Vor drei Jahren sind wir schon einmal hier gewesen, aber Angra kann man sich auch gut ein zweites Mal anschauen. Wir genießen es durch die Gassen der Stadt zu schlendern, mit den hübschen Häusern, die vielfach gut renoviert sind. Wenn man eine kleine Pause braucht, bietet sich der schöne Stadtpark an, oder man geht einen Cafe trinken. Auswahl hat man reichlich. Ein lohnender Abstecher ist auch die Halbinsel im Süden, vom Monte Brasil hat man eine tolle Aussicht, genauso wie vom Obelisk oberhalb des Stadtpark.

Wir liegen vor einer traumhaften Kulisse vor Anker
Im Stadtpark

Jetzt im August ist Hochsaison auf den Azoren und Terceira wird neben Sao Miguel am häufigsten angeflogen. Entsprechend ist viel los in der Stadt und auf der Insel. Dennoch ist alles recht entspannt, nur in den Cafes ist das manchmal etwas nervig.

Vasco da Gama

Auch ein Problem ist es, noch einen halbwegs günstigen Mietwagen zu finden. Deshalb nehmen wir, um uns die Höhlen im Inselinneren anzuschauen ein Taxi. Das ist durchaus preiswerter als man vielleicht denken könnte. Für 35€ werden wir zu den zwei Höhlen und zu den Schwefelquellen gefahren, die dort gleich ums Eck liegen. Die Höhlen sind spektakulär. Die eine – Gruta do Natal – ist eine Lavaröhre. Hier kann man wunderbar die verschiedenen Lavagesteinsformen erkennen. Gut dass man beim Zutritt einen Helm bekommt, denn mitunter wird die Decke ganz schön niedrig. Ganz anders die „Algar do Carvão“. Konnte man früher die riesige Höhlenblase nur erreichen, indem man sich durch den Schlot abseilte, ist der Zutritt heute über einen Tunnel und Treppen gesichert und innerhalb der Höhle sind gute Wege vorhanden. Während der Bereich des Schlotes noch sehr dicht mit Farnen und Moosen bewachsen ist, sieht man in der Höhle nur noch eindrucksvolle Gesteinsformationen und Silikatstalagtiten. Selbst jetzt im Sommer gibt es einen See am Höhlengrund und überall tropft es von der Decke. Wer nach Terceira kommt, sollte sich diese Höhlen nicht entgehen lassen.

Besucherandrang vor der Algar do Carvão
Zugang zur Algar do Carvão
Blick hinauf im Schlot

Nur ein kurzes Stück entfernt liegen die Furnas do Enxofre – die Schwefelquellen. Man kommt nicht direkt ran, aber es gibt einen gut angelegten Weg um die stinkenden Quellen herum.

Die Furnas do Enxofre

Wir nutzen einen sonnigen Tag und machen mit dem öffentlichen Bus eine Inselrundfahrt. Drei verschiedene Buslinien sind nötig, aber so kann man einmal die komplette Insel umrunden. In Praia machen wir einen Zwischenstopp, besuchen befreundete Segler und trinken am Sandstrand ein kühles Bier. Hier im geschützten großen Vorhafen sind wir bei unserer letzten Azorenrunde auch ein paar Wochen vor Anker gelegen und haben uns hier sehr wohl gefühlt.

….und immer das Meer im Blick
Öffentliche Toiletten gibt es fast überall – und praktisch immer gut gepflegt
In Praia da Vitoria auf Terceira

Das Wetter zwingt uns zu einer Entscheidung. Es ist kräftiger Wind und vor allem ordentlich Welle aus südlicher Richtung angesagt. Da wird es mindestens ungemütlich am Ankerplatz. In den Hafen von Angra möchten wir nicht, der ist uns zu schwellig, bleibt nur noch die Auswahl zwischen dem sehr geschützen Vorhafen bei Praia, oder eine Insel weiterzusegeln nach Sao Miguel. Auch dort genießt der Hafen von Ponta Delgada den Ruf sehr schwellig zu sein, dennoch entscheiden wir uns hierfür, da wir hoffen, dass dies der bessere Ort ist für den Absprung nach Festland Portugal. Noch ein letztes Mal zu unserem Lieblingsrestaurant zu Mittagstisch, dann geht es über Nacht zur 90Seemeilen entfernten Insel Sao Miguel. Der größten im Archipel und mit Abstand auch mit den meisten Einwohnern. Von vielen wird diese Insel als die schönste gepriesen, diejenige, die alle anderen Inseln in sich vereinigt. Wir werden sehen, ob wir das auch so empfinden…

Die Überfahrt ist perfekt – jedenfalls fast, denn wir sind zu schnell und deshalb reffen wir als es dunkel wird das Groß ins zweite Reff. Das hätte perfekt gepasst, wenn nicht ein paar Meilen vor dem Hafen, der Wind fast eingeschlafen wäre. Wir versuchen es noch eine Weile, während wir unseren Frühstückskaffee trinken, aber dann motoren wir doch die letzten zwei Seemeilen in den Hafen. Es gibt noch mehr als genügend Platz, wir können uns einen Liegeplatz aussuchen und vertäuen Piccolina sorgfältig.

Coole Wolken am späten Nachmittag
Sonnenuntergang auf dem offenen Meer…
und Sonnenaufgang über Sao Miguel