Petit Anse d’Arlet

Es ist mittlerweile fast zwei Wochen her, seit sich unser Anker hier in der Petit Anse d’Arlet eingegraben hat. Seitdem ist viel passiert – nein, auf dem Boot ist es sehr ruhig, aber in der Welt ist plötzlich der Teufel los.

Dass Frankreich einen Tag nach unserer Ankunft in der Bucht eine Ausgangssperre verhängte, erfuhren wir erst kurz vorher durch einen befreundeten Segler (Maik vom Seefalke, siehe Link in den rechten Spalte). Dieser wiederrum konnte gerade noch ohne große Änderungen nach einer dreitägigen Reise in Mexico einklarieren. Wobei die Einreiseformalitäten in Mexico von Haus aus schon recht langwierig sind. Jedenfalls betrachteten wir Anfangs recht ungläubig den Strand vor unserem Boot und als wir sahen, wie er sich leerte war ganz klar, dass sich auch Martinique sehr strikt an die Ausgangssperre hält. Wir hatten noch zwei Tage zuvor ordentlich Essen eingekauft – wenn wir schon mal mit dem Dinghy direkt zum Supermarkt fahren, dann muss sich das auch lohnen. Dort war viel los gewesen, aber vielleicht ist das am Sonntag vormittag hier ja üblich. Dennoch die Menschen waren einigermaßen entspannt und außer bei den Engpässen von Wurst, Käse und Butter war das Warenangebot ganz normal. Anmerkung : schon seit wir in Martinique eingereist sind, fielen uns die teils leeren Regale bei Käse, Butter und Milchprodukten auf, die allerdings auf die Streiks in Frankreich zurückzuführen waren. Also hieß es auch für uns ab jetzt : Wir bleiben auf dem Boot. Anscheinend ging auch die Polizei im Ort herum und informierte die Segler die an Land waren über die Auflagen.

Leerer Strand….
Der Ankerplatz und der leere Dinghysteg

Mittlerweile sind wir bei Tag elf der Ausgangssperre angekommen. Seither waren wir drei Mal kurz an Land, um ausgegangene Medikamente (ja es gibt eine Apotheke in dem kleinen Ort), Brot, frisches Obst und Gemüse, und andere Lebensmittel einzukaufen. Anse d’Arlet ist nur ein kleiner Ort, ein großer Supermarkt ist natürlich nicht vorhanden, aber es gibt eine Bäckerei, einen Obst und Gemüsestand der täglich geöffnet hat und einen kleinen Tante-Emma Laden. Als wir am gestrigen Donnerstag mal wieder an Land waren, gab es auch einen mobilen Metzger mit seinem Wagen, der wie wir erfuhren, einmal die Woche hier seine Waren verkauft. Das ist doch toll! So können wir nun auch mal lecker Rindersteaks in die Pfanne hauen.

Warteschlange vor dem Gemüsestand – schön mit Abstand
Ansonsten leere Plätze
…und Straßen

Seit wir vor fast drei Jahren auf’s Boot gezogen sind, haben wir uns ziemlich von den Nachrichten abgekoppelt. Meistens werden eh nur schlechte Nachrichten weitergegeben und selbst wenn man nach sechs Monaten das erste Mal wieder Fernsehnachrichten schaut hat man das Gefühl nichts verpasst zu haben. Die gleichen Katastrophenmeldungen, die gleichen Streitereien von Politikern und und und….. Nein das brauchen wir alles nicht mehr. Doch jetzt ist es etwas anders. Jetzt sind wir froh Neuigkeiten zu erfahren. Ist doch das Ausmaß der gegenwärtigen Krise immens – wer hätte gedacht, dass es so schnell gehen kann. Andererseits ist die Welt so sehr vernetzt, im Nachhinein betrachtet eigentlich kein Wunder. Was uns ein wenig zu Schaffen macht ist die sich ständig ändernde Situation in Bezug auf Grenzen. Ursprünglich wollten wir ja zuerst nach Guadeloupe, dann weiter nach Antigua bzw. nach Barbuda. Gleich zu Anfang gab es Meldungen, dass auf den Iles de Saint in Guadeloupe ausländische Boote gebeten wurden zu gehen. Allerdings bin ich mir nicht mehr sicher ob die Berichte so stimmen, mittlerweile hört man von Seglern dass in Guadeloupe soweit alles OK sei. Die Grenze zu Antigua & Barbuda wurde lange als offen geführt, allerdings wird seit ein paar Tagen Reisenden aus Italien, Frankreich etc. eine Quarantäne auferlegt und nur noch ein Hafen ist zum Einklarieren geöffnet. Gilt hier Martinique als Frankreich? Offiziell ist das so, allerdings sind gestern wohl Schweden über Guadeloupe in Barbuda eingetroffen, die wohl ganz normal einklariert haben? Es ist alles ein bischen unsicher. Viele Grenzen in der Karibik, deren Staaten ja oft sehr klein sind, manchmal sogar nur aus einer Insel bestehen, sind geschlossen, bei einigen muss man in eine 14 tägige Quarantäne, bei der man nicht von Bord darf. Und innerhalb der letzten Woche gab es ständig Änderungen und neue Bestimmungen. Deshalb haben wir für uns beschlossen einfach erst mal hier zu bleiben. Was sollen wir wo anders hin, wenn wir dort auch nicht von Bord dürfen? Ganz davon abgesehen geht es uns hier prima, wie vorhin beschrieben haben wir vor Ort alles was wir brauchen – maximal mit dem Bier könnte es einen Engpass geben, oh weh! Ansonsten beschäftigen wir uns auf dem Boot, gehen schwimmen, oder mal zu den Felsen am Strand zum Schnorcheln. Bis jetzt hatte niemand was dagegen. Bis auf den Schwell der die letzte zwei Tage reinkam ist es eine sehr ruhige und beschauliche Ankerbucht. Vielleicht zwanzig Boote liegen momentan hier vor Anker, aber trotz Corona ist immer noch ein ganz ordentlicher Wechsel. Was seit einer Woche signifikant auffällt ist das Ausbleiben der Charteryachten, die meist Freitag oder Samstag abend in nicht unerheblicher Zahl eingefallen sind, um das Boot dann einen Tag später in den Charterbasen in der Nähe abzugeben. Seit letzten Sonntag haben wir keine Yacht von den großen Anbietern mehr gesehen. Kein Wunder wenn keine Touristen mehr ins Land dürfen. Dafür fliegt nun täglich der Polizeihelikopter über die Ankerbucht und Zoll und Polizei schauen auch mal mit großen RIBs vorbei (allerdings wollten sie von uns noch nie was wissen).

Schildkröte beim grasen
Am Hausriff….
sind viele bunte Fische

Mittlerweile gibt Berichte in deutschen Medien, die wortgewaltig von gestrandeten (????) Seglern berichten, die nun bangen nicht mehr nach Hause zu kommen, oder sich jetzt schon Sorgen machen wegen der nächsten Hurrikanesaison die in gut zwei Monaten beginnt und nun panisch nach den deutschen Behörden rufen. Davon möchten wir uns ausdrücklich distanzieren. Es gibt wohl Fälle von Seglern die nach einem langen Schlag nun in Häfen ankommen die geschlossen sind. Das ist natürlich schwierig. Dennoch dürfen sie dann meist vor oder im Hafenbecken ankern und sie werden von Land mit Wasser oder Lebensmittel versorgt. Es gibt nur ganz wenige anderslautende Berichte, wonach wirklich Boote am einlaufen gehindert, bzw. aktiv weggeschickt wurden. Das geht natürlich gar nicht! So etwas muss einerseits kritisch hinterfragt werden, andererseits auf internationaler Ebene im Nachgang geandet werden müssen, wenn dies tatsächlich so der Fall war. Auch ein Problem haben Yachties, die gerade auf Heimaturlaub sind und nun nicht mehr aufs Boot und/oder zum Partner zurückkehren dürfen. Ganz davon abgesehen, dass Auslandskrankenversicherungen oft nur einen sechswöchigen Aufenthalt im Heimatland absichern. So schnell wie die Einschränkungen im Flugverkehr eingetrudelt sind, konnten sich viele nicht mehr auf den Weg machen, bzw. wer hätte das Ausmaß vor zwei Wochen vermutet.

Während ich hier sitze und berichte, fährt im Dorf ein Auto mit einer Lautsprecherdurchsage, die wir zwar akustisch nicht verstehen können, aber ejn kurzer Blick ins Internet zeigt, dass Frankreich die Ausgangssperre weitere zwei Wochen bis zum 15. April verlängert. Das war absehbar. Dennoch hoffen wir, wie vermutlich alle, auf eine möglichst rasche Besserung. Wer weiß, vielleicht ist der Virus ja schon viel verbreiteter und läuft sich schneller tot als vermutet. Schön wärs.

In diesem Sinne: bleibt gelassen aber vorsichtig, nehmt’s wie es kommt und macht das Beste draus. – Und ein großes Dankeschön an alle, die einfach versuchen einen guten Job zu machen!

Green Flash

Während wir uns hier wegen der Coronakrise lieber nicht vom Fleck bewegen (näheres im nächsten Artikel), ist ein Highlight die spannende Frage eines jeden Abends: “ Meinst du heute kann man ihn sehen?“ Schon eine Stunde vor Sonnenuntergang blicken wir oft auf den Himmel gen Westen. Ist dort eine große Wolkenfront zu sehen, ist die Sache schon fast abgehakt. Doch scheint die Sonne vom klaren, blauen Himmel bleibt es spannend. Langsam senkt sich der Feuerball zum Horizont, wird scheinbar noch größer, seine Farbe wandelt sich langsam über ein intensives Gelb in ein kräftiges Orange. Manchmal taucht erst jetzt ganz weit entfernt am Horizont zu unserer Enttäuschung ein Wolkenband auf. Den Sonnenuntergang schauen wir uns dennoch an, doch wenn weit und breit keine Wolken zu sehen sind, werde ich langsam kribbelig. Der orange Ball berührt den Horizont, dann sieht es aus als ob die Sonne in den Ozean tropft, die Kugel löst sich auf und fließt ins Meer. Bestimmt alles eine optische Täuschung, aber so schön…! Doch der Höhepunkt kommt erst noch und zwar genau in dem Moment in dem die Sonne vollends ins Wasser taucht. Im letzten Augenblick verfärben sich die Sonnenstrahlen grün. Nur für ganz kurze Zeit, deshalb auch der Name: green flash – grüner Blitz. Im nächsten Moment ist der Himmelskörper hinter dem Horizont verschwunden. Aber es ist jedesmal ein Erlebnis den green flash zu sehen. Hier in Martinique hatten wir sozusagen Premiere und seither sahen wir das grüne Licht vielleicht fünf, sechs Mal. Nicht immer gleich, mal etwas kräftiger, mal etwas weniger intensiv, dann wieder überhaupt nicht, obwohl die Bedingungen vielversprechend waren. Und so sitzen oder stehen wir jeden Abend pünktlich zum Sonnenuntergang an Deck von Piccolina, schauen dem Schauspiel zu und drücken uns die Daumen auf einen weiteren green flash.

Sonnenuntergang bei St. Anne
Freie Sicht nach Westen…
…in der Petit Anse d’Arlet

P.S. bis jetzt habe ich den green flash lieber angeschaut und nicht versucht zu fotografieren

Schlag auf Schlag

Hatten wir letzte Woche noch damit gerechnet, dass wir ab Ende März in Guadeloupe Besuch an Bord haben werden, hat sich die Lage in Frankreich – wie in Deutschland ja auch – sehr verändert. Da Martinique ein Überseedepartment und somit faktisch Frankreich ist gilt seit heute Dienstag 17. März auch hier eine Ausgangssperre. Gestern verholten wir noch in eine nette kleine Bucht an der Südwestküste, da wir trotz Reiseabsage des Besuchs nach Guadeluope segeln wollten, doch nun haben wir beschlossen vorerst hier zu bleiben und abzuwarten. Ausgedehnte Landgänge sind sowieso gestrichen – man darf nur zum Einkaufen von Bord – da können wir genausogut hier bleiben.

Vorbei am Felsen „Diamante“
segeln wir Richtung Norden
… zur Petit Anse d’Arlet

So recht geglaubt hatten wir es ja noch nicht, war doch der Strand vor der Bucht immernoch recht gut besucht. Doch dann gaben uns andere Yachties Bescheid, dass sie im Dorf von der Polizei angesprochen wurden, die sie aufforderten die nächsten zwei Wochen an Bord zu bleiben. Auch am Strand sah man Polizisten, die mit Passanten redeten und tatsächlich um 12 Uhr war er fast menschenleer. Es gab auch Lautsprecherdurchsagen die auf die Situation hinwiesen. Fühlt sich komisch an, war doch der Strand gestern sehr gut besucht und heute nachmittag ist niemand mehr zu sehen. Die Tische und Stühle der Strandbars sind aufgeräumt, nur noch ganz vereinzelt sieht man Schwimmer oder Schnorchler im Wasser.

Am Vormittag noch gut besucht
…leert sich der Strand zusehens
Am Nachmittag ist er menschenleer

Wir sind derweil guter Dinge. Es könnte wesentlich schlimmer kommen. Wir haben viele Vorräte an Bord, Trinkwasser können wir selbst herstellen, unsere Solarpanele und der Windgenerator versorgen uns mit genügend Strom und wir haben Internetzugang. Die Petit Anse d’Arlet hat wunderbares kristallklares Wasser, Schildkröten schwimmen ums Boot und abens können wir direkt vom Cockpit den Sonnenuntergang genießen. Also machen wir das Beste draus und da es ja an Bord immer was zu tun gibt, wird es uns bestimmt nicht langweilig.

Eine Schildkröte taucht kurz auf
Aussicht vom Boot

Liebe Grüße nach Deutschland und passt auf euch auf!

Martinique: Bananen, Zuckerrohr und Rum

Weiße Sandstrände umsäumt von Palmen, davor türkisenes, klares Wasser das in der Sonne glitzert, das sind die Bilder die man von der französischen Karbikinsel Martinique im Kopf hat. Vielleicht noch den tropischen Regenwald an den steilen Vulkanhängen im Norden und Inneren der Insel. Doch was einem sofort auffällt bei einer Rundfahrt sind die ausgedehnten Zuckerrohrfelder, die flächenmäßig mindestens mit den Bananenplantagen gleichziehen. Letztere sorgen jedoch für negative Schlagzeilen. Denn hier wurde jahrelang ein Pestizid eingesetzt, das nun die Böden versäucht. Die Bananen selbst sind frei von der giftigen Chemikalie, aber nicht nur Martinique, sondern auch Guadeloupe, eine weiter französische Antilleninsel, müssen ihr Trinkwasser über Kohlefilter reinigen und teilweise wird das Pestizid in dort angebautem Wurzelgemüse nachgewiesen.

Plage de Salines
Strand bei Tartane
Blick auf „Diamante“

Eine andere Haupteinnahmequelle ist Rum, der in den rund zehn verschiedenen Destillen auf der Insel produziert wird. Der Grundstoff Zuckerrohr wird auf weiten Flächen der Insel angebaut. Ist man mit dem Auto auf Nebenstraßen unterwegs, ist die Sicht genauso eingeschränkt, als wenn man in Süddeutschland durch Maisfelder fährt. Dennoch ist eswunderbar anzusehen, wenn der Wind über die Felder streicht und die langen Blätter der Stauden wie große Wellen vor sich her treibt.

Zuckerrohr
Felder wiegen sich im Wind

Es gibt etliche Destillen zu besuchen, wir besichtigen J.M. im Norden von Martinique. In einem Seitental, ganz idylisch zwischen tropischen Pflanzen gelegen, wird man durch die Produktionsanlagen geleitet, kann sich die verschiedenen Schritte der Rumherstellung hautnah anschauen. Leider ist es keine richtige Führung, bei der ein Guide über die verschiedenen Schritte der Rumherstellung erzählt, dafür ist man unabhängig und zeitlich nicht gebunden. Man bekommt einen kleinen Flyer mit auf den Weg – auch in englisch – der kurz die einzelnen Stationen erläutert. Rhum J.M verwendet dabei für seine Produktion eigenes Quellwasser aus den Bergen Martiniques.

Blick auf die Rumfabrik
Sehr schön gelegen

Eine Fahrt durch die Inselmitte Martiniques ist irre. Die Straße schlängelt sich durch vulkanusche Berge und dichtem tropischen Regenwald. Riesige Farne und Baumfarne wachsen entlang der Strecke, Bäume von Philodendren bewachsen und Helikonien säumen den Weg. Allerdings: es regnet, teilweises schüttet es regelrecht und die Berggipfel sind in dicke Wolken gehüllt. Erst als wir wieder in St. Pierre im Nordwesten der Insel auf Meereshöhe sind, kommt die Sonne zum Vorschein und tatsächlich können wir noch einen raschen Blick auf den kurzzeitig wolkenfreien Vulkan Montagne Pelèe erhaschen, dessen Ausbruch im Jahr 1902 die damalige Hauptstadt in Schutt und Asche legte. Nur drei Personen kamen damals in St. Pierre mit dem Leben davon. Die Westküste Martiniques ist viel trockener und erinnert ein klein wenig an die kanarischen Inseln, nicht zuletzt wegen einigen schwarzen Sandstränden.

In St. Pierre

Kitesurfer lieben den Osten der Insel. In den Lagunen weht der Passatwind konstant und frei von Turbulenzen, allerdings ist man etwas dem Atlantikschwell ausgesetzt, trotz vorgelagerter Riffe.

Schwell an der Ostküste

Übrigens hat nun der Coronavirus auchdie französische Insel erreicht. Es gibt einige wenige bestätigte Fälle und vor der Hauptstadt liegt ein Kreuzfahrtschiff in Quarantäne. Andere Inselstaaten haben ein Einreisestopp für Reisende die aus betroffenen Gebieten (auch Deutschland ) einreisen verhängt. Wir bekommen glücklicherweise dennoch nicht ganz so viel mit von der Pandemiehysterie, sehen uns aber teilweise etwas ungläubig vermehrt die Nachrichten aus Europa an. Natürlich ist es schrecklich wenn Menschen an dem Virus sterben. Aber ist es überhaupt möglich, eine Ausbreitung zu verhindern, wenn manche Menschen nur sehr milde oder teilweise gar keine Symthome aufweisen, den Virus aber weiterverbreiten können. Bleibt die Frage, wie belastbar die Fallzahlen der Infizierten wirklich ist – wie hoch ist die Dunkelziffer? Und noch eine Zahl zum Schluß: 2019 starben allein in Deutschland 3075 Menschen bei Verkehrsunfällen – sicherlich viele unverschuldet….Dennoch fahren wir jeden Tag unbekümmert Auto oder mit dem Fahrrad.

In diesem Sinne: passt auf euch auf und bleibt gesund!

Martinique / St. Anne

Martinique gehört zwar zur EU, dennoch müssen wir hier einklarieren. Das ist denkbar einfach hier in St. Anne – wie auch an anderen Standorten. Wir suchen das Café Boubou, nur eine Querstraße weiter vom großen Dinghysteg aus. Dort stellen wir fest, dass wir eine etwas ungünstige Zeit gewählt haben, denn es sind noch drei Personen vor uns, die auch einchecken möchte. Aber kein Problem, können wir während des Wartens schon mal einen Cafe ou lait trinken und da das Prozedere ziemlich flott geht, haben wir noch nicht ganz ausgetrunken, als der Check-in-Computer frei wird. Keine zehn Minuten später haben wir unsere Daten im PC eingetragen und das benötigte Formular ausgefüllt. Der Wirt stempelt das ganze ab, bekommt eine kleine Gebühr dafür (3 Euro) und damit sind wir offiziell einklariert. So einfach kanns gehen!
Wir schauen uns erst mal das Städtchen an. Es gibt zwei kleine Supermärkte, einen Bäcker mit einem großen Sortiment, einige Restaurants, meist direkt vorne am Strand und ein paar einfachere Cafés. Dazwischen sind Souvenirläden, es gibt einen Fischmarkt und eine Apotheke vorne am Platz bei der Kirche. Man kann sich auf Steinbänken unter schattenspenden Bäumen ausruhen, oder am Sandstrand direkt im Städtchen. Folgt man der Uferstraße trifft man auf weitere schöne Strände. Man sieht, dass St. Anne auf Touristen eingerichtet ist. OK, man sollte vielleicht nach dem Preis fragen, bevor man etwas konsumiert. Uns hat es mal wieder erwischt, mit zwei Cafe ou lait zum Preis von 11€. Das ist dann doch etwas sportlich, vor allem wenn das gleiche Getränk bei gleicher Qualität woanders die Hälfte kostet – nur der Ausblick ist nicht so schön. Aber den haben wir ja vom Boot. Nein, besagtes Café verdient an uns kein Geld mehr! Dennoch, in der zweiten Reihe sind die Preise vernünftig, dort trifft man dann auch eher Einheimische und das Angebot ist nicht schlechter.

Im Ankerfeld vor St. Anne

Wir freuen uns auch sehr, hier endlich wieder unsere französischen Freunde Annabelle und Fred von der IO wiederzusehen. Kennengelernt in Porto Santo, wiedergesehen auf La Palma, vor ihrer Atlantiküberquerung vor über einem Jahr. Da gibt es viel zu erzählen und abwechselnd hausgemachte französische und deutsche Küche zu genießen. Es sind nette Abende die wir miteinander verbringen und tagsüber gibt uns Fred die ein oder andere Windsurfstunde.
Überhaupt treffen wir hier eine Menge Freunde wieder: Rob mit seiner Matangi und Mel und Dan mit ihrer Cerise II, die mit uns in französisch Guyana und Suriname waren, Anna und Reinhard, die wir auf Carriacou kennenlernten und demnächst kommen Annabelle und Herve mit Familie, die wir seit Porto Santo nicht mehr gesehen haben. Ja, es ist viel los in Martinique, aber es ist nun mal auch ein guter Platz um Sachen zu organisieren oder einzukaufen. So haben wir auch wieder eine To-do Liste, die wir hier abhaken möchten.

Fred und Annabel
Crepes Gallette
Auf dem Weg zur Surfstunde

Die Tage fliegen nur so dahin und es kann sein schon dass man einen Nachmittag einfach spontan „verplappert“ wenn man Bekannte trifft. Es ist ja das schöne, dass wir praktisch keine fixen Termine haben und vieles spontan entscheiden. Dennoch ist es nicht so, dass wir nichts zu tun hätten. Im Gegenteil. Piccolina hält uns ganz schön auf Trab. Da müssen diverse Holzteile frisch lackiert werden – es ist unglaublich wie kräftig die UV-Strahlung hier ist und entsprechend stark leidet der Lack. Wenigstens können wir hier diese Arbeiten machen. Weiter im Süden – Surinam und Trinidad – war es fast unmöglich saubere Lackschichten aufzubringen, die dann auch richtig aushärteten, da die Temperatur und die Luftfeuchtigkeit zu hoch war. Nun lackieren wir fast jeden Tag die Stellen, die der Sonne am meisten ausgesetzt sind. Ein anderes Beispiel ist der Edelstahl an Deck, der auch immer wieder Zuwendung braucht, da er spätestens nach einer rauen Überfahrt mit kostenloser Salzdusche gern etwas Flugrost ansetzt. Der lässt sich zwar problemlos wegpolieren, aber zwei, drei Stunden Arbeit sind es allemal. Auch im Inneren gibt es immer etwas zu tun – mal abgesehen von der normalen Putzerei (wer übrigens denkt, dass Boote die vor Anker liegen weniger verstauben als Gebäude an Land, liegt falsch). Hier möchten korrodierte Lichtschalter und kaputte Toilettenpumpen repariert, Motoren gewartet und der Chrom regelmäßig poliert werden. Manche Dinge brauchen auch etwas länger, da sich die Fehlersuche schwierig gestaltet. So haben wir es einmal zwei Wochen lang nicht geschafft uns per Kurzwelle und Pactormodem in einer Relaystation einzuloggen. Schließlich fand Rolf heraus, dass im Steuerungsprogram des PCs das Passwort plötzlich fehlte. Wie kann das denn sein? Kleine Ursache, große Wirkung, seither läuft alles wieder fehlerfrei.
Es gibt den abgenutzten Spruch: auf Langfahrt zu gehen heißt, das Boot an den schönsten Plätzen der Welt zu reparieren. Naja, stimmt schon, aber ist doch wesentlich besser als es IRGENDWO zu reparieren…. Dafür können wir zwischendurch auch mal ins Wasser hüpfen, gemütlich in der Strandbar ein Bier trinken oder uns eben mal mit Freunden treffen.

Flaggenwerkstatt

St. Anne ist eine großzügige, um diese Jahreszeit gut geschütze Ankerbucht. Von hier aus kann man weiter in die Bucht von Le Marin fahren. Dort gibt es eine große Marina und ein beachtliches Muringfeld. Davor ist viel Platz für Ankerlieger. Allerdings muss man etwas auf die Riffe in der Bucht achten. Die Zufahrt ist gut betonnt – wir sind ja schließlich in Europa – und in und um die Marinagebäude gibt es praktisch alles was das Seglerherz begehrt. Von St. Anne nach Le Marin brauchen wir mit unserem Dinghy etwa zwanzig Minuten, dafür gibt es beim franz. Supermarkt Leader Price einen Dinghysteg für Yachtis an dem wir direkt anlegen können. Busse fahren mehrmals täglich nach Le Marin, allerdings sind die Abfahrtzeiten etwas variabel. Natürlich könnten wir auch mit Piccolina in die Bucht von Le Marin fahren, allerdings gefällt es uns in St. Anne besser. Das Wasser ist klarer, es gibt nette Strände und es ist nicht ganz so viel los. Vielleicht verholen wir noch für den großen Einkauf vor der Weiterfahrt….

Sonnenuntergang in St. Anne

Jetzt möchten wir allerdings erst einmal mehr von der Insel sehen und da wir auch ein paar Dinge in Fort de France zu erledigen haben, mieten wir uns für die nächsten Tage ein Auto, um auch an Land etwas mobil zu sein.