Hochsommer auf Menorca

Eigentlich würden wir uns während der Hochsaison gerne in eine Gegend verdrücken, wo nicht ganz so viel los ist. Das ist allerdings im Mittelmeer fast ein Ding der Unmöglichkeit. Hier auf Menorca ist auch sehr viel los, dennoch scheinen uns die meisten Leute entspannter als manch anderen Ortes zu sein. Wir waren einige Tage an der Nordwestküste vor Anker. Geeignete Buchten gibt es genügend, manche sind etwas ab vom Schuss oder einfach nicht ganz so hip und somit nicht so voll gepackt wie andere. Aber als wir an der kleinen Cala Pregonda vorbeifahren liegen dort ca. 16Boote vor Anker. Ein Kommentar in Noforeignland.com (eine Seite zur Bewertung von Ankerplätzen etc) schreibt von Platz für 5-6 Boote. Auch für uns sieht die Cala völlig überfüllt aus. Nur ca. eineinhalb Meilen weiter gibt eine weitere Ankerbucht. Vielleicht nicht ganz so hübsch gelegen, aber mit viel Platz und auch hier ist das Wasser schön klar. Wir lassen unsere Haken in den Sand fallen. Eine gute Entscheidung wie sich in der Nacht herausstellt. Wir wachen auf als Winfried, unser Windgenerator, laut wird. Plötzlich kommen Böen mit 30 Knoten, vielleicht auch etwas mehr, buchstäblich aus heiterem Himmel. Richtig heißer Wind. Kein Regen, keine Wolke ist zu sehen, es ist sternenklar. Der ganze Spuk geht nicht lange. Nach 20 Minuten ist alles wieder OK. In unserer Ankerbucht sind derweil von sechs Ankerliegern nur noch zwei dort wo sie vorher waren. Zwei sind gleich Anker auf gegangen und zwei sind einige Meter gerutscht. Was in der rappelvollen Cala Pregonda abgelaufen ist, können wir nur erahnen. Jedenfalls sehen wir dass auch dort Boote in der Nacht die Bucht verlassen.

Die Cala Pregonda ist mehr als voll….
Den Blick auf die Seekarten und gute Ausschau darf man nicht vernachlässigen – es gibt immer wieder Felsen unter Wasser die eine zu geringe Tiefe für uns aufweisen

Komplette Windstille ist aber auch nicht ideal, wenn man in einer gut gefüllten Ankerbucht liegt. Je nach Bootstyp schwojen manche Schiffe komplett anders, da kann es manchmal auch zu eng werden, weil sich die Yachten nicht mehr nach dem Wind ausrichten können. Tagsüber kein Problem, wenn man beim Boot ist, aber nachts kann man ja nicht ständig schauen.

Leuchtturm im Norden Menorcas – Far de Cavalleria
Die schroffe Nordküste

Beim Buchtenbummeln in Menorcas Norden machen wir auch in der Bucht von Fornells halt. Diese hat nur eine schmale Einfahrt im Norden und ist praktisch von allen Windrichtungen ganz gut geschützt. Doch schon beim ersten Ankerversuch hält unser Anker nicht. Also den Haken wieder hoch, ein ordentlicher Batzen aus Gras und Schlamm mit im Gepäck, und ein neues Plätzchen gesucht – wenigstens ist die Bucht sehr groß, mit viel Platz. Auch beim zweiten Versuch hält der Anker zuerst, doch wenn mit etwas höherer Drehzahl eingefahren wird, gibt er ein klein wenig nach. Wir bleiben trotzdem. Nach einigen Tagen kommt etwas mehr Wind aus Nord und siehe da, eine (nicht sehr heftige) Böe lässt uns auf Drift gehen. Das gibt’s ja nicht! Also wiederum einen neuen Platz gesucht. Gleiches Spiel, Anker hält, etwas kräftiger Einfahren, Anker slipt und ist dann so voller Schlick, dass er sich nicht mehr eingraben kann, sondern einfach auf dem Grund weiterrutscht. Also machen wir es nun auf die französische Art. Platz ausgesucht, Anker fallen lassen, vom Wind vertreiben lassen und das war’s. Das gibt uns jetzt kein richtig sicheres Gefühl, denn wir haben keine Ahnung wieviel Wind wir so abkönnen. Also werden wir hier das Boot nicht lang alleine lassen und bei viel Wind ist diese Bucht für uns ein no go – zumindest mit diesem Anker – ein 25kg Bügel, der im Sand bis jetzt wirklich ausgesprochen gut gehalten hat.

Die Einfahrt ist schmal und hält den meisten Schwell vom Meer ab
Die Bucht ist fast zwei Meilen lang – eigentlich mehr als genügend Platz, wenn der Ankergrund gut wäre
Immerhin kann man mit viel Abstand zu den anderen Booten ankern
Die Bucht ist ideal für Wassersport – surfen, jollensegeln, kiten, SUP-paddeln, foilen…

Fornells ist ein netter Ort. Vom ursprünglichen Fischerdorf ist nicht mehr viel zu spüren. An der Promenade reiht sich ein (Fisch)-Restaurant am anderen, die Touristen kommen in Scharen. In der dritten Reihe finden wir dann aber doch noch eine kleine Bar/Restaurant in der sich auch die Einheimischen treffen oder Essen mitnehmen. Auch das Restaurant des Club Nautico im benachbarten Ses Salines ist fast nur von Locals frequentiert, dafür schließt es bis Mitte Juli schon um 17Uhr….

Im Club Nautico sitzt man mit schönem Ausblick
….leider hat er nur ab Mitte Juli auch abends geöffnet
Abendstimmung in der Cala
Im Hafenbecken liegen viele traditionelle Boote
Heute ist eine Art Schiffsprozession….die Boote sind geschmückt und begleiten eine Heiligenfigur aufs Meer
Da ist echt was los auf dem Wasser!

Auch das gibt es im Hochsommer – Morgennebel bei 25°C, Sicht unter 50m
Olivenbaum auf dem Dorfplatz in Fornells
Das schöne Städtchen Es Mercadal

Alte Dorfschmiede
Parkplatz…
Unter Segel durch die Ausfahrt der Cala Fornells

Noch ist unser Plan, zügig nach Sardinien weiterzusegeln. Also geht es für uns mit einem kleinen Zwischenstopp wieder nach Es Grau, um ein günstiges Wetterfenster abzuwarten. Doch die Weiterfahrt verzögert sich. Erstens möchten wir vorher noch die Relingsdrähte auswechseln, zweitens ist es vielleicht besser erst nach dem 15.ten August in Sardinien anzukommen, wenn die Hauptferien der Italiener zu Ende sind? Doch auch hier in Menorca haben wir das Gefühl, dass jeden Tag mehr Menschen auf der Insel, Boote in den Buchten, Besucher in den Restaurants sind. War es im Juli schon voll, steppt nun Anfang August mal so richtig der Bär.

Cap de Favaritx – die Bucht südlich ist oft nicht ganz so voll
Vor Sonnenaufgang
Hinter den Wolken geht der Vollmond unter
Jedes Licht ein ankerndes Boot

Seit Wochen hat es nicht mehr geregnet. Genauer gesagt, seit dem Gewitter in Ciutadella Mitte Juni. Dennoch ist die Insel überraschend grün. Nur die landwirtschaflich genutzten Felder sind braun (aber schon längst abgeerntet), die mit Macchia und Pinien bewachsenen Hügel zeigen keine Dürre. Jeder Südwind bringt jede Menge Sand und Staub aus der Sahara mit und paniert damit unsere Piccolina. Ständig putzen wir die Solarpanele und den Edelstahl an Deck, das Teak bekommt ab und zu mal eine Salzwasserdusche. Aber der Wind aus dem Süden bringt nicht nur Dreck, sondern auch heiße, feuchte Luft. An diesen Tagen ist die Hitze besonders heftig und auch die Nächte kühlen kaum ab. Erst jetzt Anfang August haben wir wieder etwas erträglichere Temperaturen. Allerdings sind diese eher auf Grund des Mistral gekommen. Dieser kräftige Nordwind, der im Rhonetal durch Düsenwirkung entsteht, weht oft bis nach Menorca und Sardinien, manchmal ist der Starkwind noch in Tunesien zu spüren. In der ersten Augustwoche war eine ausgeprägte Mistral Lage angesagt. Waren noch am Tag zuvor unglaublich viele Boote in den Buchten um Es Grau, brach eines frühen morgens unglaubliche Hektik am Ankerplatz aus und wenige Stunden später waren nur noch drei Yachten vor Anker. Ja, die Tage waren etwas unruhig, bei Wind bis zu 30 Knoten. Aber der Wind ist auch nicht das Problem, sondern die Wellen die dann aus dem Norden angerollt kommen. Die Cala Es Grau bietet zwar Schutz, doch etwas Schwell schafft es immer in die Bucht, die nach Osten offen ist. Drei Tage weht der Nordwind. Mal mehr mal weniger stark. Kaum hat sich die Windrichtung wieder gedreht und die höchsten Wellen sind durch, schon kommen wieder die ersten Boote aus dem Süden in die Cala gefahren.

Kein Regen, dennoch schön grün
Südwind transportiert viel Sand und Staub – tägliche Routine: Solarpanele reinigen

Es kommt kein hoher Schwell in die Bucht, aber etwas ruppige, kabbelige Wellen
Die Bucht nördliche von uns ist praktisch leer während dem Nordwind
Angesagter Mittelwind

Der gleiche Ausblick zwei Tage später

Tagsüber sind zusätzlich richtig viele Tagesausflügler aus Mahon mit ihren Motorbooten hier vor Anker. Auch in Es Grau werden kleine Boote mit Außenbordern vermietet und sind sehr beliebt. Spätestens ab 10Uhr geht es zu wie im Taubenschlag. Auch Dinghys, zum und vom Dinghydock, die genauso wie die Motorboote und Skidoos mit teilweise viel zu hoher Geschwindigkeit an den ankernden Booten vorbeifahren. Für uns absolut unverständlich wie manche in der Bucht schwimmen gehen ohne Markierungsboje. Wir trauen uns zur Peakzeit nicht mal direkt am Boot ins Wasser. Das ist uns zu gefährlich. Dazwischen paddeln teileweise Horden mit geliehen Kanus vorbei, SUP’s sind auch viele unterwegs. Die sind wenigstens nicht laut, machen keine unerwarteten Wellen und haben kein Gefahrenpotential – im Gegenteil. Um ca. 17Uhr kommt das große Finale, wenn die Tageslieger Anker auf gehen um auch rechtzeitig in Mahon zum Abendessen zu sein. Die letzten fahren kurz vor Sonnenuntergang, dann wird es ruhiger, auch wenn noch etliche Tender von und zu den Ankerliegern unterwegs sind. Die Restaurants in Es Grau sind praktisch jeden Tag an der Kapazitätsgrenze, abends geht ohne vorherige Reservierung oft nichts mehr. Die Bedienungen schuften zehn Stunden Schichten – vielleicht auch mehr. Das war vor vier Wochen noch anders. Dennoch sind sie freundlich und nett, auch wenn man merkt dass es beim ein oder anderen langsam an die Substanz geht. Der Strand vor Es Grau ist übrigens sehr beliebt bei Familien mit kleinen Kindern da es ganz flach ins Wasser geht.

Viele sind mit geliehen Kanus unterwegs
Das Bojenfeld vor Es Grau, rechter Hand der Sandstrand, bei den ersten Booten ist es nicht mal einen Meter tief
Beim Dinghydock von Es Grau
Freie Plätze sind mittlerweile selten in den Restaurants

Von Es Grau gibt es eine Buslinie in die Inselhauptstadt Mahon. Das nutzen wir öfter und gehen dort schlendern und einkaufen.

Nach Mahon fahren wir oft mit dem Bus
Auf einer Plaza sind Fotografien von National Georaphics ausgestellt – top!

In der Nähe des Busbahnhofs gibt es ein Restaurant, dass sich innerhalb kurzer Zeit zu unserem Lieblingsrestaurant auskristallisiert hat. Im S’aturedeta essen wir, wie hier überall, meist Tapas. Diese Art der kleinen Gerichte lieben wir inzwischen sehr und bedauern es, dass es das nicht in allen Ländern gibt. Wir bestellen oft zwei, drei Tapas, essen gemütlich und wenn wir danach noch Hunger haben, wird einfach etwas nachbestellt. Wenn es etwas nicht als Tapaportion gibt, sondern nur als Ration, ist es in Spanien vollkommen natürlich, dass man sich diese auch mal teilt. Selbstverständlich bekommt jeder seinen Teller mit Besteck ohne zusätzlich dafür bezahlen zu müssen. Zu unserer Freude gibt es auf Menorca ganz oft Pulpo a la Gallega, das ist Oktopus mit Salz und gerauchtem Paprikapulver gewürzt, auf Kartoffeln mit einem Schluck Olivenöl – sehr lecker. Aber wir essen auch gern fritierte Tintenfischringe (Calamares de andaluz) und kleine Sardinen (Boquerones fritos), Sardinenfilets in Essig und Öl (Boquerones en vinagre), Pimientos de padron (kleine grüne Paprikaschoten in Olivenöl angebraten mit Meersalz), Tortilla (Kartoffel-Ei Tart), Kroketten mit verschiedenen Füllungen von Schinken bis Spinat (leider nur selten wirklich hausgemacht, dann aber meist sehr lecker), und die unterschiedlichsten Muscheln. Natürlich findet man auch überall Paella auf der Speisekarte, doch die Qualität ist sehr unterschiedlich. Die spanische Küche gibt noch viel mehr her, aber das würde den Blogbeitrag dann doch sprengen.

Auf dem Markt in Mahon – mehr für’s Auge als für den Geschmack
…und dazu noch teuer

Um die neuen Relingsdrähte zu besorgen fahren wir auch nach Mahon. Die Firma Sailpower fertigt sie nach Maß und wir können sie am nächsten Tag abholen. Der Anbau geht fix und nun heißt es warten aufs Wetterfenster, doch da ist momentan keines in Sicht. Machen wir das Beste draus und erledigen offene nice-to-have Projekte am Boot…..

Die Relingsdrähte sind ausgewechselt
Unserem SUP ist bei dem heißen Wetter auch die Puste ausgegangen und musste repariert werden
Neue spanisch-englische Rechtschreibung?

Lazy days auf Formentera

Von Calpe sind es gerade mal 60 Seemeilen nach Formentera. Eigentlich um diese Jahreszeit ein schöner Tagestörn – sofern genügend Wind angesagt ist. Leider ist dies die nächsten Tage nicht der Fall und so starten wir am Nachmittag, nehmen den Südwind über Nacht mit, der wie angesagt in der zweiten Nachthälfte ziemlich einschläft. Für uns passt das aber genau, denn so kommen wir beim ersten Tageslicht in der große Bucht auf der Westseite der Insel an und mussten nur 2 Seemeilen mit dem Motor mitschieben. Die Luft riecht nach Pinie. Da kommt Mittelmeerurlaubsfeeling auf. Kurz vor Sonnenaufgang fällt der Anker in kristallklares Wasser. Ein Traum – wenn da nicht Horden von Quallen wären. Nach dem Frühstück und einer morgendlichen Siesta sind nicht mehr ganz so viele Bister zu sehen, aber für heute hat es mir den Badespaß vermießt. Lieber ein andermal.

Der Mond erhellt uns die Nachtfahrt
Sonnenaufgang auf Formentera
Im klaren Wasser sind die Quallen gut zu erkennen

Die Ankerbucht ist weitläufig, türkises Wasser, der Badestrand ist mit gelben Bojen abgesperrt. Hier kommt Karibikfeeling auf. Am Ufer stehen vereinzelt ein paar Anwesen. Manche Villen sind nur zu erahnen, oberhalb auf der Klippe, hinter Tamarisken und Pinien versteckt. Mit uns liegen weitere 3 Yachten vor Anker , aber weit verstreut. Das ändert sich am Mittag, wenn die Tagesausflügler mit den Charterbooten von Ibiza kommen. Vom 7m RIB bis zur 30m Yacht ist alles dabei. Oft mit lauter Musik und Party, manchmal auch nur die Familie zum Baden. Das ist mal witzig, mal lästig, je nachdem wir nah das Partyboot an uns ankert und was für eine Mucke gespielt wird. Spätestens um 18 Uhr fahren die Charteboot wieder ab und die Bucht gehört den Handvoll Segelbooten, die über Nacht bleiben. Am kleinen Sandstrand gibt es eine Gasse um mit dem Dinghy anlanden zu können und eine kleine Strandbar hat auch schon geöffnet. Uns gefällt es hier. Wir können Schwimmen und Schnorcheln, das SUP wird auch ausgepackt und sonst genießen wir einfach die Aussicht.

Blick vom Boot
Blick von der Strandbar
Blick auf die Strandbar
Blick vom Cockpit
Das Wetter wird wechselhafter
Der Sonnenuntergang ist trotzdem schön

Zum Einkauf müssen wir etwas weiter in den Norden verholen. Vor dem Hafen fällt der Anker. Auch hier kristallklares Wasser, aber die Fähren, die im halbstundentakt an uns vorbeibohren lassen uns ganz schön schaukeln. Der kleine Supermarkt im Städtchen ist überraschend hochwertig bestückt und scheint auch gut betuchte Kunden bedienen zu können.

Die Schapps sind wieder gefüllt und wir verholen an einen traumhaften Strand, den Playa de Ses Illetes. Vor uns liegt weißer Sandstrand und das Wasser schimmert in ganz hellem Blau zum Ufer hin. Hinter dem schmalen, sandigen Küstenstreifen erkennt man das dunkelblaue Wasser der Ostküste. Etwas weiter südlich liegt ein Restaurant am Strand, doch ein kurzer Blick in die Speisekarte genügt – 12 € für eine Halbe Bier ist komplett überteuert. Die restlichen Preise sind auch entsprechend hoch, die Bewertungen im Internet dafür sehr niedrig. Dann lieber doch ein kühles Blondes aus dem eigenen Kühlschrank und man kann ganz entspannt den Kitesurfern und Foiler zuschauen, die bei dem frischen Wind im Wasser unterwegs sind. Natürlich liegt man auch in dieser Bucht nie alleine am Nachmittag, doch genau wie in der südlicheren Bucht bleiben ganz wenige Yachten über Nacht. Bei Sonnenuntergang ist es schön ruhig und wie fast jeden Abend riecht es unglaublich würzig nach Pinie und Curry und Maggie. Herrlich.

Die Pinien richen herrlich
Am Traumstrand
Tagescharter….
Kitesurfer

Immer wieder schön

La Linea, segeln an der Costa del Sol und viel Wind am Ankerplatz

Einen richtig langen Beitrag habe ich über Gibraltar geschrieben, dabei sind wir die ganze Zeit in der Marina Alcaidesa auf der spanischen Seite der Grenze gelegen. Das fanden wir alles in allem auch angenehmer. Gibraltar ist interessant, aber häufig – und ganz besonders das Ocean Village – war es für uns eher eine aufgehübschte Plastikwelt. Vielleicht tun wir der Stadt damit unrecht, doch wir sind nicht richtig warm geworden mit ihr. Dafür fanden wir die Innenstadt von La Linea richtig gut. Viele Kneipen, Bars und Restaurants, leckere Tapas und bessere Preise. Spanisches Flair mit der eher seltenen Kombination dass sehr viele Bedienungen und Verkäufer englisch sprechen.

Siestafall – am frühen Nachmittag ist nix los in Spanien
nette Plätzchen in La Linea

Langsam wird es Frühling und das Mittelmeer ruft. Mit dem Hochwasser legen wir ab und haben somit laut Stromatlas noch eine ganze Weile kräftigen Strom der schiebt. Zwischen Gibraltarfelsen und großen Frachtern vor Anker geht es um den Europa Point rein ins Mittelmeer. Eine Stunde später können wir die Genua ausrollen. Der Wind nimmt immer mehr zu, schließlich preschen wir mit 8kn Fahrt über Grund unserem angepeilten Ziel Motril entgegen. Doch wenn es so weitergeht kommen wir mitten in der Nacht dort an. Das wollen wir eigentlich nicht. Also Planänderung wir segeln nach Fuengirola, ankern dort über Nacht und am nächsten Tag geht es nach Motril. Leider schwächelt der Wind gegen Nachmittag, doch es sollte sich gut ausgehen, dass wir vor Sonnenuntergang in der Ankerbucht ankommen. Vor Fuengirola sind unzählige Fischerbojen im Wasser. Da haben wir fälschlicherweise geglaubt, dass wir das mit der Altlantikküste hinter uns gelassen haben.

Bei Ostwind liegt Gibraltar unter Wolken
Auch auf Reede sind manche Frachter echte Dreckschleudern
Europa Point
Blick zurück auf den Felsen

Der Ankerplatz direkt vor dem Hafen von Fuengirola ist perfekt. Gut geschützt, auf sandigem Boden und mit einer netten Kulisse. Am nächsten Morgen wird erst mal das Meerwasser angetestet. Aber puuuhhh 16°C ist für uns noch viel zu kalt zum Schwimmen.

Wir setzen Kurs nach Osten, müssen aber erst einmal motoren um aus dem Flautenbereich rauszukommen. Dann setzen wir mit Genua und ausgebaumter Fock einen Schmetterling. Der Wind wird stetig langsam mehr und am Nachmittag müssen wir mehrmals reffen. Für Motril sind wir zu spät, da wir am Morgen getrödelt haben, also suchen wir uns eine Ankerbucht vor einem Hafen, gleich hinter der Ponta der la mona. Da es bis auf die letzten 3 Meile ziemlich gekachelt hat, steht eine kräftige Windsee in die große Bucht. Unsere Ankerbucht hinten im Eck ist kleiner als gedacht, aber wir finden ein Plätzchen das uns passt und der Anker gräbt sich bombenfest ein. So können wir auch trotz der paar Böen die durchkommen ruhig schlafen.

Schmettlingsegeln

Am Morgen frühstücken wir gemütlich in der Sonne, heute haben wir nur ein paar Meilen vor uns. Diese werden etwas zäh, da der Wind von 5 bis 18 knoten alles drauf hat und ständig dreht. Doch um Mittagszeit gehen wir vor Motril vor Anker – wieder einmal direkt vor dem Hafen. Dieser ist überraschend groß. Am Längskai liegt ein Kreuzfahrtschiff, das zweite Becken beherbergt zwei Frachter, etwas weiter kommt der Fischerhafen und schließlich finden auch noch zwei Fähren und ein großer SAR-Kreuzer Platz vor der Marina, die im hintersten Teil gelegen ist. Wir legen uns vor die erste Kaimauer und sind nach Südwest geschützt durch den Längskai. Das ist auch ganz gut so, denn am Nachmittag weht es aus Südwest, dreht später über West und in der Nacht auf Nord. Erst am Morgen lässt der Wind spürbar nach. Wir liegen nicht sehr idyllisch aber gut geschützt aus SW bis NO.

Auch Kreuzfahrtschiffe nutzen die Nähe zu Granada
wunderbares Abendrot am ersten Abend

Eigentlich wollten wir ja die nächsten Tage hier in die Marina, ist es doch die kürzeste Strecke nach Granada. Die zwei, drei Stunden Südostwind der angesagt ist haben wir zwar zur Kenntnis genommen, aber dass es soooo aufbriest hat uns doch überrascht. 35Knoten in Böen, lassen sehr schnell eine Windsee entstehen, die praktisch ohne Hinderniss direkt auf uns einwirkt. Dazu der Wind der an der Kette zerrt und dann die Kaimauer hinter uns, die nicht mehr sehr viel Raum lässt. Noch scheint der Anker zu halten, aber für unseren Geschmack sind wir zu knapp an der Betonmauer. Wir gehen Anker auf und fahren mal in Richtung Marina. Als wir dort sehen, wie die Boote schwanken und an den Festmachern zerren, drehen wir gerne wieder um und setzen den Anker in komfortabler Entfernung von besagter Kaimauer erneut. Nach einer Stunde ist der Spuk vorbei – nun tatsächlich wie vorhergesagt, nur die Welle braucht etwas länger um sich zu beruhigen. Die große Frage für uns: was machen wir die nächsten Tage? Denn laut Windvorhersage war dies nur ein kleiner Vorgeschmack auf zwei Tage Starkwind aus der gleichen Richtung. In diesen Hafen wollen wir nicht, doch vor Anker können und wollen wir nicht bleiben bei angesagten 3m Wellenhöhe. Also werden wir vor dem schlechten Wetter in den nächsten Hafen nach Almerimar flüchten. Granada muss warten….

Motorfahrt nach Almerimar

Sonnige Tage, kalte Nächte, alte und neue Bekannte

Ich habe einen neuen Lieblingsplatz am Abend im Salon. Bei Sonnenuntergang, wenn die Luft abkühlt, zünden wir unseren neuen Dieselofen an und eine halbe Stunde später macht er eine behagliche Wärme. Direkt neben dem Ofen ist es natürlich am Schönsten. Plötzlich sind auch kalte Abende kein Problem mehr und einfach gemütlich. Es ist nicht so kalt, dass der Ofen die ganze Nacht brennen muss. Wir schalten die Dieselzufuhr ab, wenn wir ins Bett gehen. Aber morgens wird erst aufgestanden, wenn sich die Sonne über den Horizont schiebt. In manchen Nächten fällt die Temperatur im Boot auf 10°C, da bleibt man doch gerne etwas länger im warmen Bett. Gefrühstückt wird dann im Cockpit, das sich durch Hardtop und die kleine Kuchenbude angenehm schnell erwärmt. Doch im Boot fühlt man sich den halben Tag, als sitze man im Kühlschrank. Seit wir in der Algarve angekommen sind scheint jeden Tag die Sonne ohne eine Wolke am Himmel, daher sind die Temperaturen tagsüber ganz angenehm, dennoch könnte der Winter für uns gerne rum sein. Die Tage sind immer noch kurz und ein paar Grad mehr wären auch nicht zu verachten.

Witzige Deko in Portimāo
Portimāo ist eher etwas spröder, aber es gibt durchaus auch sehr pittoreske Ecken

Wir liegen immer noch im Fluß bei Portimão, die letzten Tage war der Wind eher mau und – mal wieder – aus der falschen Richtung. Aber es gefällt uns ganz gut hier. Mein Handy konnte repariert werden (on/off funktionierte nicht mehr), es ist nicht weit zum Supermarkt, Ferragudo ist ein nettes Dorf und Portimão hat auch Charme. Vor ein paar Tagen sind wir mit dem Zug nach Lagos gezuckelt und haben uns dort etwas umgesehen.

Bei der Marina in Lagos
Felsenküste bei Lagos

Alte Gemäuer in Lagos
Die Bimmelbahn verbindet die Städte der Algarve

Die Flussläufe hier an der Algarve sind alle Tidengewässer. Hier in Portimao ist der Tidenhub bei Spring über 2,5m. Bei Niedrigwasser fallen breite Sandbänke trocken. In den Marschen sind jede Menge Vögel Zuhause. Auffallend sind die vielen Storchennester hier. Überall stehen alte Schornsteine von nicht mehr existierenden Ziegeleien, die sich für solche Behausungen anbieten. Zur Not tut es aber auch eine Straßenlaterne. Es ist so witzig, wenn Adebar im Nest mit dem Schnabel klappert. Man hört es hier überall.

Störche und Reiher auf Futtersuche

Selbst jetzt im Winter sind hier an der Algarve viele Ausländer. Deutsche, Briten, Holländer, Franzosen…entsprechend gibt es eine große Auswahl an Restaurants, Cafés, Bars. Manche sehr touristisch, andere eher traditionell, genauso sind die Preise etwas variabel, aber im Vergleich zu Deutschland immer günstig.

Wir treffen Heidi und Robert, gute Bekannte, die wir vor Jahren auf den Azoren kennengelernt haben. Mit dabei sind Steffi und Jörg von der BigFoot und sie laden uns ein zum Grillen am folgenden Tag am Strand. Es kommen eine ganze Menge Segler, wir kennen praktisch niemand und sind schon etwas überfahren von den vielen neuen Gesichtern und Namen. Es ist ein netter Nachmittag (abends wäre es noch zu kalt), bei tollem Wetter und einer traumhaften Kulisse, zwischen Felsen am Sandstrand. Jeder hat etwas mitgebracht, das Buffet ist reichhaltig, einzig der Seewind schafft es, dass das Grillgut etwas zwischen den Zähnen knirscht. Am nächsten Abend sind wir zu Besuch bei Birgit und Ingo, die uns mit selbstgemixten Cocktails verwöhnen. Als wir das Boot besichtigen sind wir erstaunt, was man in einer 10m Yacht alles unterbringt und verbringen einen sehr vergnüglichen Abend mit den Gastgebern und der BigFoot-Crew. So viel Gelacht haben wir schon lange nicht mehr. Die Fahrt nachts mit dem Dinghy zurück zur Piccolina ist ziemlich kalt – dennoch sind wir lieber vor Anker als in der Marina. Hier haben wir mehr Privatsphäre. Die nächsten Tage brauchen wir etwas Ruhe. Soviel „socialising“ sind wir gar nicht mehr gewöhnt.

Mal wieder spazieren in Ferragudo…

Blick auf Portimāo
Vor Anker ist es für uns am Schönsten