Irgendwie dauert einfach immer alles länger als geplant – zumindest bei uns. Ursprünglich wollten wir spätestens Ende Juni wieder auf der Piccolina sein. Aber letztlich flogen wir erst Mitte Juli nach Griechenland. Mitten im Hochsommer. Da macht das Leben auf dem Yard mal so richtig Spaß! Aber der Reihe nach: Nach einem fantastischen Landeanflug über den ambrakischen Golf bei Sonnenuntergang betraten wir mit gemischten Gefühlen griechischen Boden. Einerseits freuten wir uns riesig endlich wieder auf unser Boot ziehen zu können, andererseits ist es nicht besonders prickelnd bei der angesagten Hitzewelle am Boot zu schuften. Erste Aktion nachdem wir auf dem Boatyard angekommen sind: Leiter ans Boot, alle Luken auf und Lüfter an – und dann erst mal etwas abwarten. Aber so schnell kühlt das Boot ja nicht aus. Also setzen wir uns noch etwas aufs Deck und genießen es einfach wieder hier zu sein.

Den nächsten Tag verbringen wir damit Piccolina zu schrubben. Es ist unglaublich, wieviel Dreck sich an Deck angesammelt hat. Es hat wochenlang nicht mehr geregnet und wenn gegen Mittag der Wind aufbriest wirbelt er feinen Staub vor sich her, denn auf dem Yard ist wenig geteert. Und da wir direkt nach dem Eingang zum Werftgelände aufgepallt sind, fährt jedes Auto an uns vorbei und auch die meisten Boote werden an uns vorbei zum Stellplatz gebracht. Jedes Gefährt hinterlässt eine feine Staubschicht auf unserem Boot und innerhalb weniger Tage ist die Bootswäsche nur noch eine schwache Erinnerung.

Für die erste Woche haben wir ein Auto gemietet, um noch ein paar Dinge organisieren zu können. Da sehen wir auf dem AIS dass die SY Eleanor nicht weit von uns ankert. Spontan verabreden wir uns für einen netten Abend in Vonitsa mit Micha und Tobi, die beide auch aus unserer Ecke kommen und die wir das letzte Mal durch Freunde in Ulm getroffen hatten. Bei leckeren Muscheln gibt es viel zu erzählen, wir sitzen bis spät in der Nacht.
Bei der Piccolina machen wir uns an die Arbeit. Wir wechseln die Opferanode beim Boiler. Eine undankbare Aufgabe, ist dieser doch ganz hinten im Motorraum angebracht und es ist nicht einfach, sich so hinter den Motor zu falten, dass man an die betreffende Stelle hinkommt. Nacheinander arbeiten wir unsere to do Liste ab: Doradelüfter frisch eindichten, Steuerstand neu streichen, Rollen am Mast wechseln, Vorfallen wechseln, Klampen tauschen, Kompass mit ParaffinOil auffüllen, damit die hässliche Luftblase weg ist, Gasflaschen füllen und viele, viele weitere Kleinigkeiten.













Doch eine Sache schieben wir schon lange vor uns her und irgendwann müssen wir da dann doch ran: an unser Unterwasserschiff. Piccolina hat ein Langzeitantiflouling (damit der Rumpf nicht zuwächst) auf Kupferbasis. Ganz glücklich waren wir damit noch nie, was aber höchst wahrscheinlich nicht am Antifouling selbst liegt, sondern am schlechten Aufbringen deselben, welches wir damals, vor unserer Abreise in Auftrag gegeben hatten. Nun sind einige Schadstellen zu sehen, die uns teileweise schon längere Zeit Kopfzerbrechen machten. Aber letztendlich hilft das ja alles nichts und so schleifen wir unseren Rumpf, je nach Notwendigkeit unterschiedlich ab, teilweise bis auf den Primer. Wer schon einmal Epoxy geschliffen hat, weiß wie viel Arbeit das ist. Wenigstens ist die erste Hitzewelle gerade durch und die Temperaturen sind wieder im Wohlfühlbereich, wenn Nachmittags der Wind einsetzt ist es sogar richtig angenehm.


Wir freuen uns, dass Anke und Uwe von der SY Madrugada auch auf unserem Yard kranen und noch ein paar Tage hier sind, bevor sie nach Deutschland fliegen. Da können wir dann abends gepflegt die ein oder andere halbe Stunde zusammensitzen, bei Rotwein oder Ouzo und ordentlich Seemannsgarn spinnen. Das letzte Mal haben wir die beiden in Palermo getroffen, nachdem wir uns vor Jahren in Galizien kennenlernten und es ist immer eine Riesenfreude die beiden zu sehen.
Am darauffolgenden Wochenende ist das Aufbringen des Coppercoat angesagt. Da ist weniger los auf der Werft und es staubt nicht so sehr. Pünktlich ist für diese Tage die nächste Hitzewelle angesagt. Mit Ostwind – was sehr ungewöhnlich ist im Ionischen Meer. Obwohl wir schon morgens bei Sonnenaufgang anfangen wird es ein mühsamer Job, denn das Epoxidharz, die Grundlage des Coppercoat, zieht bei wärmeren Temperaturen natürlich viel schneller. Dazu kommt, dass nicht nur die Außentemperatur schon ab 9 Uhr die 30°C Marke überschreitet, sondern auch der Bootsrumpf heizt sich unglaublich auf. Wir bekommen es trotzdem irgendwie gebacken und sind mit dem Ergebnis auch zufrieden – von einer kleinen Ausnahme abgesehen. Nun kann die Beschichtung aushärten und wir einen Gang runterschalten. Am späten Nachmittag legen wir nun immer eine Siesta ein, unter wunderbar schattenspendenden Bäumen. So geht’s!




Das schlimmste ist geschafft, nun muss das Coppercoat noch angeschliffen werden um das Kupfer freizulegen und dann können wir Piccolina putzen und endlich unsere Segel anschlagen. Es ist Wasser in Sicht, bald wird Piccolina wieder schwimmen. Da freuen wir uns schon drauf