Es ist Aussicht auf leichten Südwind und den wollen wir nutzen um zu den nördlicheren Inseln zu gelangen. Der erwartete Besuch hat nun leider andere Pläne, wir sehen uns nur noch kurz, denn die angepeilte Ankerbucht auf Kalamos erweist sich als zu klein für zwei Boote. Sehr Schade.


Der nächste Tag bringt einiges an Südwind und den verbringen wir wieder in der Bucht von Vliho. Eine der wenigen geschützten Ankerbuchten bei Süd. Leider haben die Restaurants auf der Ostseite schon geschlossen. Man merkt deutlich dass es überall ruhiger wird. Die Saison neigt sich dem Ende, nun sind praktisch nur noch die Lokalitäten offen, die auch vielfach von Einheimischen besucht werden. Der Rest ist spätestens nach dem Feiertag am 28. Oktober geschlossen.
Wir verholen nach Palairos. Ein kleines Städtchen am Festland. Dort waren wir auch schon mit dem Auto und es gefällt uns gut dort. Vor dem Hafen kann man Ankern. Es ist nicht komplett geschützt, aber bei Winden aus nördlichen Richtungen ganz OK. Was Südwind anrichten kann, sehen wir an einem Katamaran, der bei der Südlage von neulich geslippt ist und nun am nördlichen Strand mit dem Autokran aus dem Wasser gehoben wird. Im linken Rumpf klafft ein großes Loch, dort wo er auf die Felsen gedrifftet ist. Er kann von Glück sagen, dass er es irgendwie noch an den Strand geschafft hat und nebenan ein kleines Gelände ist, auf dem ein paar Boote aufgepallt sind. So schnell kann es gehen….
Auch als wir vor dem netten Städtchen liegen, zeigt sich das Wetter nicht immer von der besten Seite. Regen und Gewitter ziehen über uns, aber dann ist auch es wieder richtig schön für einen ausgiebigen Spaziergang.











Von Palairos verlegen wir uns nur ein paar Meilen weiter in die Bucht Varkas. Im Sommer völlig überlaufen, sind nun gerade mal fünf Boote vor Anker. Das Wasser ist recht klar und am südlichen, felsigen Ufer kann man schön schnorcheln und findet auch mit Meerpfauen und Meerjunker farbenprächtige Fische. Am Abend nimmt der Wind zu, etwas mehr als angesagt ist und die ersten Stunden leider auflandig. Der Ankergrund ist eigentlich gut, solange der Anker nicht auf Gras liegt, doch schon bei den ersten Böen slippt das erste Boot. Es ist noch hell und die Crew fährt weiter und sucht sich eine andere Ankerbucht. Vor Mitternacht ist der Wind stärker geworden, hat gedreht und lässt uns nun ablandig schwojen. Prinzipiell immer ein besseres Gefühl, doch als wir nochmals die Köpfe aus dem Boot strecken um in die Runde zu schauen sehen wir wie die Ketsch mit britischer Nationale aus der Bucht treibt. Wir schauen hinterher, sehen wie nach einigen Minuten die Positionslichter angehen und das Boot sehr nahe an der felsigen Huk am Ende der Bucht unkoordiniert hin und her motort. Es ist zu weit weg um genaueres zu erkennen, doch plötzlich fährt sie schnell rückwärts – ist sie aufgelaufen? Wir denken, dass sie vermutlich wo anders hin motoren will und wollen schon ins Bett gehen, da sehen wir, wie sich die Ketsch wieder auf uns zu bewegt. Platz für weiteres Boot vor Anker hätte es durchaus, doch bitte nicht so: Wir liegen etwas abseits von zwei weiteren Segelyachten, die durch den starken Wind (immer so um die 30 Knoten) weit hin und her schwojen. Die motorende Yacht fährt volles Programm zwischen den zwei Ankerlieger gegen den Wind Richtung Strand. Ich sehe sie geistig schon auf Grund laufen, da stoppt sie auf, bleibt für einige Momente vorne in Strandnähe bis der Wind den Bug vertreibt und dann fährt sie wieder mit hoher Geschwindigkeit zwischen den Ankerlieger zurück in die Bucht. Was um Himmels Willen soll das werden? Es ist wirklich kein Spaß, wenn ein Boot völlig planlos bei Starkwind zwischen ankernden Booten rumkurvt – Vollgas versteht sich. Wir sitzen unruhig im Cockpit und schauen dem Treiben zu. Nach einigem hin und her versucht nun die Crew zwischen uns und den anderen Yachten zu Ankern. Hier ist etwas mehr Platz. Zunächst beginnt das Manöver auch ganz passabel. Sie fahren auf die freie Fläche zwischen die Yachten, dann geht der Anker runter, doch anstatt einfach aufzustoppen und sich vom Wind nach achtern vertreiben zu lassen, wird Vollgas rückwärts gefahren, mit dem Ergebnis dass der Anker vermutlich gerade mal den Grund berührt, wenn das Boot schon 50 m weiter hinten ist (somit auch der Grund tiefer wird). Und dann wird viel zu langsam Kette gesteckt. So kann sich kein Anker eingraben und das Boot bewegt sich immer weiter nach hinten, wird durch den Anker nicht gestoppt. Das stellt dann auch irgendwann die Crew fest und holt die Ankerkette wieder ein (das alles dauert natürlich viel länger als es hier mal kurz erzählt ist). Vermutlich hat die Crew keine Ahnung was falsch gemacht wurde. Wir haben noch ein paar bange Momente, als das Boot immer noch seine Runden in der Bucht herumfährt, immer wieder auch mit Kurs Richtung unserer Piccolina, doch dann drehen sie entgültig ab und motoren ins offenere Wasser. Dort scheint sich mittlerweile eine ordentliche Welle aufgebaut zu haben. Wir beobachten die Yacht noch bestimmt eine halbe Stunde, wie sie am Eingang der Bucht auf und ab fährt, bis sie schließlich abdreht und bald nicht mehr zu sehen ist. Wir sind erleichtert und krabbeln müde in unsere schwankenden Kojen. Am nächsten Morgen ist Ententeich und auch die nächsten Tage sind recht ruhig, aber es wird merklich kühler. Wir bleiben noch etwas in der hübschen Bucht, denn vermutlich ist es der letzte schöne Schnorchelspot in diesem Jahr.





