//WL2K Fahrt nach Gran Canaria, 1. Tag

Früh morgens möchten wir ablegen. Leider brist der Wind genau dann auf, wenn wir bereit sind die Leinen loszuwerfen. Mal kommt er von Backbord (Bb) vorne, mal von Bb achterlich, so dass Piccolina an den restlichen drei Leinen etwas hin und her fährt. Wir sehen auf der Wasseroberfläche wie die Böen auf uns zukommen. Ein kurzes Abflauen nutzen wir um abzulegen und bekommen gerade so bei der ersten Drehung Piccolinas Bug drch den Wind. Im Vorhafen, wo wir die restlichen Leinen und Fender aufklarieren ist es dagegen dann fast windstill, die Böen die es bis hierher schaffen, kommen dafür aus allen Richtungen. Deshalb setzen wir die Segel erst vor dem Hafen, wo der Wind wieder konstanter weht. Bei der Hafenausfahrt, auf der Mole steht Rainer und winkt zum Abschied. Wir hoffen wir sehen Ihn irgendwann mal wieder. Drausen begrüßt uns die Atlantikwelle, aber wie angekündigt hat der Schwell stark abgenommen und wir sind auch noch in der Abdeckung von der Insel. Das Groß im 1. Reff, die kleine Arbeitsfock und dann geht’s mit Halbwindkurs gen Süden. Porto Santo (die Locals sprechen es Prt Sant aus), verschwindet am Horizont achteraus, auf der Steuerbordseite ist die weiter südwestlich gelegene Ilha Gran Deserta noch bis zum Abend zu sehen, bevor auch sie im Dunst verschwindet. Der Tag endet wolkenverhangen, wie er begonnen hat, nur wenige Male kam die Sonne durch, dafür haben wir konstanten Wind mit ca. 5 Bft und die Welle nimmt langsam aber stetig ab. Die Nacht ist mal wieder stockduster. Die kleine Mondsichel geht schon vor elf unter und ist meist von den Wolken verdeckt. Und so fahren wir in die schwarze Nacht hinein. Das Boot hebt uns senkt sich wie von Geisterhand. Wenigstens liegen wir immer schön auf einem Bug, so dass das Inventar kaum klappert und die Freiwache leichter Schlaf findet. Gegen Mitternacht brist der Wind auf und wir reffen die Fock als weg. Trotzdem geht es mit über 6 Knoten fahrt durch die Wellen. Kurz nach vier Uhr früh kreuzt uns dann ein Segelboot auf Kollisionskurs. Ohne AIS und im Schwell erst spät durch die Positionslichter zu erkennen, steht die Peilung und das Boot scheint schon sehr nah zu sein. Wir fallen ab und funkten die Segelyacht an. Nach einiger Zeit meldet sich der Skipper (haben wir ihn geweckt??) und wir weichen einander aus. Nun können wir auch die Fock wieder ausreffen. Drei Stunden später ist die erste Nacht vorbei, auf dem AIS sind mittlerweile viele Tanker und Frachtschiffe zu sehen. Alle sind sehr weit entfernt, aber soviel Trubel sind wir gar nicht mehr gewohnt :-). Die Welle ist nun merklich kleiner geworden und wenn nicht gerade Böen Piccoline auf die Backe legen, ist es nun herrlichstes Segeln bei wolkenlosem Himmel. Ach ja- auh dieses Mal haben wir mit 160sm ein fantastisches Etmal. Montag früh sollten wir in Las Palmas ankommen.

Startklar

Wie vor jedem größeren Schlag haben wir die letzten Tage routinemäßig mindestens einmal am Tag Gribfiles heruntergeladen. Das sind Wetterdaten, die (unseres Wissens) die NOAA (National Oceanic and Athmospheric Administration) zur Verfügung stellt und die von Wetterdiensten für ihre Wettervorhersagen aufbereitet werden. Wir sehen uns die Files mit entsprechend Programmen an (z. B. Zygrip). Dabei werden uns nicht nur die Winddaten angezeigt, je nach Belieben können wir Wellen (Schwell, Maximalwelle, Windsee… ) oder auch Niederschlag, Temperaturen usw.  für die nächsten sieben Tage herunterladen. Hier läuft das ganze über Internet, bei Bedarf können wir die Daten aber auch über Kurzwelle empfangen (dann allerdings etwas eingeschränkt was das Datenvolumen betrifft).

Seit Tagen spekulieren wir auf ein Wetterfenster das sich für das Wochenende abzeichnet um auf die Kanaren zu segeln. Je näher die Vorhersagen rücken, desto zutreffender werden sie. Es zeichnet sich der Samstag als geeigneter Abfahrtstermin ab. Heißt für uns, Piccolina wieder reisefertig zu machen. Außerdem nutzen wir nochmal die Gelegenheit unsere Wäsche kostenlos!! in der Marina zu waschen und zu trocknen. Zwischen den hunderten von Yachtemplemen ziert nunauch das Piccolinalogo die Kaimauer. Morgen nochmal Brot und frische Früchte einkaufen, dann kann es losgehen.

Das Piccolinalogo ziert die Kaimauer
Hunderte von Yachten haben sich verewigt

Wie so oft werden wir Porto Santo mit einem lachenden und einenem weinendem Auge verlassen. Wir freuen uns auf die Kanaren, klar, aber wir wären auch gerne noch ein paar Tage oder Wochen auf der kleinen portugiesischen Insel geblieben. Hätten jedesmal wenn wir auf unser Boot gegangen wären, in das glasklare Wasser gestarrt, Seegurken zwischen den Felsen gesucht oder den Babyfischen zugeschaut. Wären nochmal am langen Sandstrand spazieren gegangen, um danach „doisch boloisch“ im Marinacafe zu trinken. Wir werden oft an diese Tage zurückdenken, an die herzlichen Menschen die uns immer wieder versuchten ein paar Worte ihrer Sprache „schmackhaft“ zu machen. Nach den sechs Wochen hier, hatten wir manchmal schon fast das Gefühl dazu zu gehören. Im Cafe wünschte man einen „bom dia“, machmal wurden wir sogar angehupt, wenn wir mit unseren Fahrädern unterwegs waren, um uns mit erhobenem Arm aus dem Auto heraus zu grüßen. Das alles wird uns fehlen,genauso wie unser Lieblingshund Chico, der jeden Morgen auf der Ladefläche eines Pick ups angefahren kommt, um später unten am Wasser die Fische zu verbellen.

Porto Santo ist so klein, dass man es auf der Erdkugel gern übersieht, für uns war es so schön und so herzlich dass wir sehr froh sind, nicht vorbeigesegelt zu sein.

Ostküste
Basaltsäulen

Verpasst

Nachdem unser Gas-und Wasserproblem gelöst ist, können wir nun nach einem guten Wetterfenster für die Weiterfahrt auf die Kanaren Ausschau halten. Frei nach Murphy ist es klar, dass wir ein gutes Fenster gerade verpasst haben und die nächsten Tage nichts in Sicht ist. Erst ist zuviel Wind, dann werden Wellen zwischen 4 und 7 Meter angesagt. Das muss nicht sein. Wir hoffen dass sich Ende Woche passende Bedingungen für die zweitägige Überfahrt nach Gran Canaria einstellen.

Derweil genießen wir die restlichen Tage auf Porto Santo – werden sogar langsam mit der Sprache etwas vertrauter und können unfallfrei auf portugisisch Essen und Trinken bestellen. Mit dem Mietwagen sind wir die komplette Insel abgefahren, die mittlerweile auf der Nordseite mit frischem Grün überzogen ist. Überall sind leuchtend gelbe Blüten zu sehen.

mit dem Elektroauto um die Insel
alles grünt und blüht…

Im Hafen wird es noch leerer. Es sind nur noch zwei nichtheimische Yachten festgemacht. Abgesehen von den Booten die an Land bewohnt sind. Wir können uns kaum vorstellen wie es im Sommer und Herbst zugeht, wenn teilweise im Hafen nicht mal mehr Platz zum Ankern ist und die Schiffe in der Bucht ankern müssen. Uns ist die ruhige Saison definitiv lieber.

der Hafen ist leer…

Von Gaszylindern und Wasserpumpen

Seit wir in Portugal sind steckte uns ein kleines Gasproblem im Nacken, das uns vorher so nicht bewusst war. In A Coruna, Spanien, konnten wir unsere Gasflasche an einer Gastanke füllen lassen. Mit dem Taxi hin, Flasche gefüllt für gut acht Euro, Adapter waren vorhanden, mit dem Taxi zurück. Alles in allem eine Sache von 20 Minuten. In unserem Revierführer steht, dass man in Leixoes, Portugal, auch Gaszylinder füllen lassen kann. Diese Info ist aber wohl veraltet und selbst in der großen Raffinerie am Stadtrand geht nichts mehr. Anscheinend kann man in ganz Portugal keine deutschen Gasflaschen füllen lassen. Und Europa sei Dank hat natürlich jedes Land seine eigenen Anschlüsse! Das Problem trifft jeden Langfahrtsegler, aber dass wir so früh selbst umfüllen müssen, hätten wir wirklich nicht geglaubt.

Da die portugiesischen 11kg Flaschen einen Schnellverschluss mit integriertem Druckminderer haben, kommt diese Variante nicht in Frage. Aber an der Tanke gibt es auch kleine Butangasflaschen,die das Campinggassystem benutzen. Also hin, Flasche gekauft – sogar ohne dass wir Pfand hinterlegen müssen, mit dem Fahrad zur Marina transportiert und dann einen Umfülladapter gebastelt. Gleich am Abend die erste Umfüllaktion gestartet, aber entweder war es zu kalt, oder die Höhendifferenz war nicht groß genug. Deshalb am nächsten Tag nochmal aufgebaut und die zu füllende Flasche auf den Boden gelegt. Eine Stunde später war die Campinggasflasche komplett leer und wir können mit den zusätzlichen drei Kilo Gas entspannt die nächsten Wochen überbrücken.

selbst ist der Langfahrtsegler 😉

Unser Glück hält an, denn gestern kam das ersehnte Päckchen mit unserer neuen Frischwasserpumpe. Vor dem Einbau müssen wir aber erst noch den passenden Schlauch besorgen, denn die Anschlüsse der neuen Pumpe sind natürlich anders dimensioniert als die alten. Im gut sortierten Casa Melim, zwei Kilometer den Berg hoch werden wir fündig. Dann eine gute Stunde geschraubt und schon kommt wieder fliesend Wasser auf der Piccolina. Welch ein Luxus!

Eine wunderbare Abwechslung bescherte uns die IO-Crew, ein französisches Pärchen, Annabelle und Fred, die die letzten Tage neben uns am Steg lagen. Fred, Segel-und Surflehrer, gab uns unsere ersten Surfstunden. Bei fast perfekten Bedingungen versuchten wir uns im Vorhafen auf dem Surfbrett zu halten. Fred zeigte uns die Basis, fuhr mit dem Dinghy zu uns raus, stieg in kurzer Hose und T-shirt aufs Brett und demonstrierte seine Erklärungen. Das sieht bei ihm alles sooo einfach aus! Aber kein Wunder, fuhr er teilweise bei den französischen Meisterschaften vorne mit.

Fred erklärt wie es geht
Steffi auf dem Surfbrett

Abends trafen wir uns oft auf der IO oder der Piccolina bei leckerem Essen und verbrachten lustige Stunden. Und nun wissen wir auch wie man original Pommes Frittes, Crepe und Galette zubereitet. Schade dass die beiden heute nach Hause fliegen, aber vielleicht sehen wir uns in ein paar Monaten auf den Kanaren wieder. Wir würden uns sehr darüber freuen.

Annabelle und Fred

http://www.iocroisiere.com/

Zwei Tage lang…

zog ein ausgewachsenes Tief mit viel Wind im Gepäck über uns hinweg. Der Berg nördlich des Hafens gab uns Schutz, sorgte aber andererseits auch dafür, dass die Böen die in den Hafen gelangten ordentlich verwirbelt wurden. So drückte uns der Wind mal mit aller Macht auf den Steg, dann drehte die Windrichtung um fast 180Grad und Piccolina zerrte an den Festmachern die sich knarzend an den Klampen festzogen. Die Nächte waren laut und unruhig, der Schlaf wurde immer wieder unterbrochen durch harte Schiffsbewegungen oder laute Windgeräusche. Immerhin haben die wenigen Boote im Hafen alle ihre Fallen sauber abgebunden, so dass sie nicht gegen die Masten schlagen.

Tagsüber blieben wir auf dem Boot oder saßen im Marinacafe mit Blick auf die Stege. Auf der Wasseroberfläche konnte man die Böen durch den Hafen rauschen sehen. Dunkle, sich kräuselnde Flächen, die sich ihren Weg suchten. Derweil verdunkelten grauschwarze Wolken den Himmel um ihr mitgebrachtes Wasser in kräftigen Schauern auf die Insel herabzuregnen. Ist es nur Einbildung, dass die Berghänge jetzt schon grüner wirken?

Sturmböen

Nach zwei Tagen mit Böen weit über 40 Knoten (max 49.5kn), wird der Wind langsam weniger, die dunklen Wolken seltener und die Sonne kommt wieder öfter zum Vorschein. Ein paar späte Böen wehen Sand vom nahegelegenen Strand bis ans Cafe. Wer drausen sitzt muß seine Getränke abdecken. Das kennen wir doch noch von Nordafrika?!

Regenbogen vom Boot aus

Wenig neues gibt es von unserem Päckchen. Angeblich soll es seit letzter Woche in Madeira sein. Beim DHL Office in Porto Santo erfuhren wir, dass am Mittwoch wieder eine Lieferung kommt. Wir drücken ganz fest die Daumen, dass unsere Teile mit dabei sind…