Step by step die Westküste nach Süden

Es heißt die westliche Küste von Sardinien ist die wilde Küste. Das zeigte sie uns nur kurz und zwar als wir von Alghero nach Bosa segeln. Der Mistral war erst einen Tag abgeklungen und es war noch überraschend viel, recht kurze Welle. Nicht schön zum Segeln und als der Wind etwas nachlässt müssen wir sogar den Motor bemühen, da die Segel nur noch schlagen und keinen Vortrieb mehr bringen. Gut dass es nicht sehr weit zu unserem Tagesziel ist. Als wir in die Abdeckung des Capo Marragiu kommen nimmt die Welle etwas ab, doch kurz zuvor zeigt sie nochmals was sie drauf hat, und unser 5L Wasserkanister reist sich aus der Halterung und fällt auf den Boden. Leider geht dabei unsere praktische Plastik Wasserpumpe kaputt und wir können sie nur notdürftig flicken. Kein Problem – kostet ja nicht viel, aber bald stellen wir fest, dass in Italien diese großen Wassergebinde gar nicht verkauft werden und somit gibt es auch keine Ersatzpumpe zu kaufen. So ärgerlich, denn in Spanien bekommt man diese an jeder zweiten Hausecke! Unser Etappenziel für heute heißt Bosa und hier gibt es sowohl eine bezahlbare Marina, als auch einen kostenfreien 24h Liegeplatz, doch wir entscheiden uns für den recht geschützten Ankerplatz vor dem Ort Bosa Marina. Auch dort ist eine kleine Marina die ein paar geschützte Stege hinter einer großen Kaimauer besitzt. Zwischen Strand und Pontoons gibt es Platz für ein paar Boote. Einziger Nachteil: um nach Bosa zu gelangen, muss man mit dem Dinghy um die Kaimauer herum, sozusagen übers Meer, um in den Fluß zu gelangen, der zur Stadt führt. Der Stadtkern liegt zwei Meilen flußaufwärts. Schon von weitem sieht man die bunten Häuser die sich an den Hang schmiegen, geschützt vom alten Castello, das oben auf dem Hügel thront. Obwohl schon September ist es immer noch heiß und die schmalen, hohen Gassen in der Altstadt spenden willkommenen Schatten. Nur wer zur Burg hoch will muss wohl oder übel ein Stück in der Sonne gehen. Dennoch lohnt es sich, den der 360° Ausblick ist fantastisch. Bosa gefällt uns, natürlich sind auch hier noch viele Touristen unterwegs, aber es ist nicht mehr ganz so voll, wie in Alghero. Oder man merkt dass die Hochsaison zu Ende geht? Nach dem Stadtbummel wird es spannend ob wir trocken zum Boot kommen, denn der Seewind weht auflandig zur Flußeinfaht und plötzlich sind da viel größere Wellen als am Vormittag. Doch alles geht gut, sowohl wir, als auch unsere Einkäufe werden nicht nass, und kaum sind wir um die Kaimauer herum ist auch schon wieder Ententeich.

Früh morgens legen wir ab Richtung Süden
Nach dem Capo Marragiu sind die Wellen kleiner
Der Ankerplatz ist prima geschützt
Das bunte Bosa liegt flussaufwärts
Schattige Gassen

Maximale Spurbreite: Ape 50 😉
Blick vom Castello
Die Anlage wurde im 11.Jht angelegt und im 13.Jht ausgebaut

Im Fluß liegen die Boote extrem gut geschützt
Traditionelles Segelboot

Ein Blick auf die Wetterkarte zeigt, dass wir uns Zeit lassen können um nach Süden zu segeln, denn die Großwetterlage ist ziemlich ruhig. Derweil hangeln wir uns mit dem Seewind die Küste hinunter. Hat man das erst mal entdeckt ist es wunderbar. Meist setzt der auflandige Wind um die Mittagszeit ein und ist sehr gut zum Segeln geeignet. Es gibt viele schöne Ankerbuchten an der Westküste und Auswahl ist nicht immer einfach. Besonders angetan hat es uns die Bucht bei Santa Caterina di Pittinuri. Die bizarr geformten weißen Felsen machen diesen Küstenabschnitt zu etwas Besonderem und wir sind ganz begeistert nach unserer abendlichen Dinghyrunde an der Küste entlang.

Vor Anker in Santa Caterina di Pittinuri
Piccolina liegt alleine vor den weißen Felsen
Total schön

Mondlandschaft?

Doch auch weiter südlich, nach der großen Bucht von Oristano zeigt Sardinien was es an Steilklippen, Grotten und Buchten zu bieten hat. Man kommt aus dem Schauen gar nicht heraus.

Wir segeln weiter….
Manchmal ist es sehr gemächlich
Vor Putzu Idu haben Windsurfer ihren Spaß
Die Lagune

Vor der kleinen ehemaligen Minenstadt Buggerru können wir ab einer Tiefe von 16 Metern den Grund erkennen – nein, nicht nur erkennen, wir sehen die Struktur des Sandbodens oder kleine Felsen, so klar ist das Wasser. In der Cala Domestica ankern wir ein paar Tage, weil das Wetter immer noch sehr ruhig ist. Hier kann man sehr schön schnorcheln (allerdings kein Vergleich zu Karibik oder Azoren, wo es so viel mehr Fische gibt), die Küste mit dem Dinghy erkunden oder einfach nur vom Boot aus die Landschaft genießen.

An der Westküste Sardiniens sind wenig Boote unterwegs

Besser geht’s nicht

Spiegeleiqualle – glücklicherweise harmlos

Ein paar Meilen weiter, in Porto Flavia treffen wir befreundete Segler, die wir auf den Azoren kennengelernt haben. Anne und Stefan, unterwegs mit ihrer SY Mokendeist sind auf dem Weg nach Westen und wir verbringen ein paar vergnügliche Stunden mit ihnen. Es gibt ja immer sehr viel zu erzählen. Gemeinsam besichtigen wir den eigentlichen Porto Flavia. Eine ehemalige Anlegestelle für Frachtschiffe direkt an der Felsklippe. Dort wurden sie mit Gestein beladen, dass in den Minen in der direkten Umgebung abgebaut wurde. Die Erze wurden in großen Silos zwischengelagert, die im Inneren des Berges direkt in den Fels gehauen waren. Durch den oberen Schacht wurden die Silos befüllt, im unteren Schacht wurde das Gestein auf ein Förderband abgelassen und direkt zum Frachtschiff transportiert. Die Anlage war bis in die 1960er Jahre in Betrieb.

Der Pan dem Zucchero – Zuckerhut

Abendrunde mit dem Dinghy

Alte Loren
Momentan darf man nur in den oberen Stollen
Porto Falvia im Inneren

Nach über zwei Wochen an Sardiniens Westküste segeln wir auf die kleine vorgelagerte Insel San Pietro. Das Eiland hat etwas über 6000 Einwohner und die einzige Stadt, Carloforte, ist einen Besuch wert. Auch auf San Pietro gibt es viele schöne Strände, mit interessanten Felsformationen und türkisem Wasser, aber bei uns steht erstmal einkaufen auf der Liste. So leer waren die Schapps schon lange nicht mehr. Von unserer Ankerbucht kommen wir bequem mit dem Bus in die Stadt und zurück. Als wir wieder unser Dinghy vom Strand ins Wasser gezogenen haben und gerade unseren Motor starten wollen werden wir massiv von zwei Badegästen angeschrien. Keinen Motor! Wir machen den Motor aus, entschuldigen uns, das Gezeter geht weiter. Ohne dass sie wissen, wie langsam und vorsichtig wir in den Buchten unterwegs sind, werden wir einfach pauschal beschimpft. Wir rudern zu unserem Boot – wollen uns nichts nachsagen lassen. Nur kurze Zeit später fährt eine Segelyacht unter italienischer Flagge mit Touristen an Bord mit Vollgas – geschätzt sieben Knoten – zwischen den Ankernliegern und dem Strand hindurch. Hier haben wir schon oft Schwimmer gesehen. Auf unsere Handzeichen dass er doch bitte langsamer fahren solle, werden wir nun vom Skipper mit Worten und mit Gesten beschimpft. Ja, das ist unser Tag!

In den Gassen von Carloforte

Am nächsten Tag ist etwas auflandiger Wind angesagt. Wir wollen erst abwarten, doch die Welle wird rasch unangenehm am Anker und so verholen wir auf die Nachbarinsel San Antioco nur 2,5sm entfernt. Am Abend zieht ein Gewitter auf und Piccolina bekommt eine Süßwasserdusche. Der Ankergrund hält gut und alle Ankernlieger haben genügend Abstand. Als die Front durchgezogen ist, können wir ruhig schlafen.

Sardiniens Nordwesten

Der Maestrale hat sich wieder beruhigt. Wir legen ab vom Stadtkai und verholen nochmals in die gegenüber liegende Bucht – dieses Mal an den anderen Strand. Es steht noch etwas Schwell vor Alghero und vor dem Capo Caccia werden die Wellen sicher noch viel höher sein. Hier vor Anker ist Ententeich und wir sind alleine – naja fast, am Abend kommt die Jaya angefahren mit den Brasilianern Elena und Jorge an Bord. Sie waren unsere Nachbarn in Alghero und wollten nun auch raus vor Anker. Wir verbringen einen netten gemeinsamem Abend, bevor sich unsere Wege trennen.

In Alghero kommen gar nicht so große Wellen an
Ein Comicfan verschönert das Stadtbild

Am nächsten Morgen setzen wir schon sehr früh die Segel, aber unsere Rechnung geht nicht ganz auf und wir müssen einen Teil der Strecke nach Bosa motoren. Wir sind überrascht wieviel Schwell noch steht. Zwei, teilweise drei Meter hohe Wellen laufen unter Piccolina durch – und sie sind steil. Das verdeutlicht uns noch einmal wie geschützt wir in der Bucht von Alghero lagen. Unser Ziel ist Bosa, eine Kleinstadt am Fluß Temo. Hier kann man 24h kostenfrei am Steg der Guardia Costiera festmachen, oder an der Küste hinter dem kleinen Hafen von Bosa Marina ankern. Wir bevorzugen letzteres, so können wir bleiben und uns die Stadt in Ruhe anschauen. Mit dem Dinghy muss man so allerdings erst mal um die große Kaimauer rum und dann ein paar Kilometer den Fluss hinauf, bis zur Innenstadt. Wir werden mit unserer Entscheidung belohnt, kommen doch abends einige Delphine in die Bucht.

Kurz nach Sonnenaufgang geht es los Richtung Süden- hinter uns die Jaya
Im Hintergrund das Cap Caccia, das die gröbsten Wellen vom Maestrale abschirmte
Die Felsküste vor Bosa
Ankert man an der Küste,muss man mit dem Dinghy um die schützende Kaimauer rum
Sobald man die Flussmündung erreicht hat ist man geschützt vor Welle
Vorbei an der Marina…
…geht es im Fluß bis in die Stadt

Bosa gilt als eines der schönsten Städtchen auf Sardinien und es sieht wirklich bezaubernd aus, wie die bunten Häuser sich an den Hang schmiegen, auf dem das Castello de Malaspina thront. Die Gassen in der Altstadt sind eng und kühl. Es macht Spaß durchs Labyrinth zu schlendern, vorbei an Geschäften und Restaurants. Ein Besuch der Burg bietet eine außerordentliche Aussicht, 360° Rundumblick.

Bosa liegt am Temo

Der Blick von der Burg ist fantastisch
Die erste Burganlage wurde kurz nach 1100 errichtet, im 14.Jht kam die äußere Wehrmauer dazu

Die Burg liegt hoch über Bosa

Auch die Küste um Bosa würde noch einige lohnende Ziele bieten, aber wir segeln weiter nach Santa Caterina di Pittinuri. Es ist nur ein kurzer Schlag, der Wind lässt sich zwischendurch etwas betteln, aber wir können die ganze Strecke segeln. Unser heutiges Ziel ist eine kleine Ankerbucht eingebettet in schroffe, weiße Felsen. Eine irre Landschaft, die wir mit dem Dinghy und dem SUP erkunden können. Das Wasser ist glasklar, der kleine Strand gut gefüllt (es ist Wochenende) und viele sind mit Kayaks oder SUPs unterwegs in der Felslandschaft. Einfach wunderbar – aber wir haben auch immer mit einem Blick auf das Wetter, den die Bucht ist bei starkem West oder Nordwind ungeschützt.

Eingerahmt von weißen Felswänden….
…liegen wir vor Santa Caterina di Pittinuri
Eine kuriose Landschaft

Der Abend schenkt uns tolle Farben

Nach zwei Tagen segeln wir weiter an die Halbinsel beim Capo Mannu. Auch heute ist nicht viel Wind, aber ausreichend, denn es ist mit knappen 10 Seemeilen nicht weit und wenn uns keine Welle ausbremst reichen auch locker 10kn zum Segeln. Gegen Mittagszeit lassen wir den Anker fallen, lassen wie die letzten Tage auch unseren Wassermacher laufen, um unseren Wassertank wieder zu füllen, der über die Zeit in Alghero zusehens leerer geworden war. Dort im Hafen wollten wir unsere Umkehrosmose Anlage nicht laufen lassen, denn das Wasser im Hafenbecken hat nicht sehr lecker ausgesehen. Am Nachmittag Briest es ordentlich auf in der neuen Ankerbucht, ganz zur Freude der Windsurfer und Foiler.

Wir segeln weiter
Gemütliches“Sonntagssegeln“
Am Capo Mannu
Am Nachmittag brist es auf – perfekt für Surfer…
…und Foiler

Bei Maestrale in Alghero

Vor fünf Tagen haben wir uns in den Stadthafen von Alghero gelegt. Dort darf man genau diese fünf Tage kostenfrei am Stadtkai festmachen – vorausgesetzt man benötigt keinen Strom oder Wasser, denn das kostet dann je nach Bootsgröße und ist sehr teuer (unser Nachbar bezahlte 150€ am Tag!).

Algheros Altstadt hat sehr schöne Ecken
…und Gassen
Zum Bier bekommt man meist einen Aperitivo
Die Promenade am Abend
Noch ist das Meer ruhig

Gestern Abend kam der Wetterumschwung. Glücklicherweise nicht ganz so heftig wie von manchen Wetterdiensten vorhergesagt (dort waren teilweise Böen von 60kn verzeichnet) und auch das Gewitter vor der Kaltfront streifte uns nur. Seit heute weht nun der Maestrale. Ein böiger, kräftiger Nordwestwind, der vor allem hohe Wellen mit sich bringt, ist doch sein Ursprung im Rhonetal in Südfrankreich. Dort wird der Wind kanalisiert und beschleunigt, angetrieben durch ein Hoch in der Biskaya und einem Genuatief. Im Golf von Lion – dem Löwengolf – ist er gefürchtet und auch hier an der Westküste Sardiniens und Korsika sucht jeder einen sicheren Hafen wenn Maestrale angekündigt ist. Ankerbuchten an der Westküste die vor diesem Wind geschützt sind, gibt es wenige. Deshalb sind wir heute morgen nochmals zur Guardia Costiera und konnten unseren Aufenthalt verlängern, bis das Wetter wieder besser ist.

Abends ziehen dunkle Wolken auf
Teilweise regnet es so kräftig, dass die Häuser gegenüber nicht mehr zu sehen sind

Wir liegen sehr geschützt. Der Stadtkai liegt unterhalb der Stadtmauer, direkt vor der Altstadt und ist teilweise in der Windabdeckung. Wir hören wie die Böen in den Hafen pfeifen, liegen selbst aber recht ruhig. Auch der Schwell hält sich bis jetzt in Grenzen, obwohl draußen knapp 5 Meter hohe Wellen angesagt sind. Mindestens eineinhalb Tage soll der kräftige Wind anhalten und dann langsam abnehmen, genauso wie die Wellen. Solange werden wir hier liegen bleiben. Wenn wir von der Stadtmauer aufs Meer und die Hafeneinfahrt schauen, sehen wir überall weiße Schaumkronen. Da haben wir es wohl ziemlich gut erwischt!

Selbst in der Hafeneinfahrt sieht man Schaumkronen
Draußen ist es sehr ungemütlich….

Der Stadtkai bietet sehr guten Schutz
Recycling auf italienische Art

Überfahrt nach Sardinien

Die letzten Tage und Wochen hatten wir immer auch das Wetter für die Überfahrt nach Sardinien im Blick. Wirklich eilig haben wir es noch nicht, den Ferragosto – Maria Himmelfahrt am 15. August – ist bei den Italienern DER Feiertag und wirklich jeder der irgendwie kann, nimmt sich um diesen Tag herum Urlaub. Dann geht es mit der Familie an den Strand oder in die Berge. Entsprechend ist Sardinien einfach voll – das bestätigen alle, die um diese Jahreszeit mal dort waren. Der Feiertag fällt dieses Jahr auf einen Dienstag und wir hoffen, dass der Besucherstrom in der darauffolgenden Woche langsam abebbt. Für Donnerstag sieht das Wetter ganz gut aus, um nach Sardinien zu segeln. Es ist Südost angesagt, der teileweise auch richtig auf Süd drehen soll. Wir möchten versuchen die Südwestküste anzulegen, da dort der Wind länger anhalten soll.

Nochmal einen Blick auf die viele kleine Fische die in Es Grau immer ums Boot waren
Bei wenig Welle sieht man den Schatten von Piccolina am Meeresgrund
Zu Sonnenaufgang geht der Anker hoch
Noch in der Bucht werden die Segel gesetzt
Abschied von Menorca und den Balearen

Früh morgens geht der Anker hoch, es ist schon Wind und wir setzten noch in der Ankerbucht die Segel. Mit der Fock und dem Groß müsste es eigentlich ganz gut gehen. Auch Fanni, unsere mechanische Windfahne wird gleich zu Beginn aktiviert, so dass wir keinen Strom für den Autopilot benötigen. Der Wind nimmt über den Vormittag noch etwas zu auf etwa 20kn wahren Wind. Piccolina liegt bei dem Am Wind Kurs ziemlich auf der Backe. Die Wellen werden immer unangenehmer und bremsen uns teilweise ganz schön ab. Wir reffen das Groß ins erste Reff und wie erwartet segeln wir nun viel angenehmer und nicht mehr ganz so ruppig. Da das Boot nun besser ausbalanciert ist, werden wir sogar etwas schneller. Allerdings dreht der Wind nicht wie angekündigt auf Süd, sondern bleibt stur Südost. Dann werden wir wohl eher an der Nordwestküste landen.

Heute darf Fanni ran
Das macht sie gut, trotz ruppiger See

Auch bei gerefftem Groß kommt noch Wasser übers Deck

Am Abend nimmt der Wind leicht ab, dennoch hält Piccolina ihre 6+kn Fahrt bei, da die Wellen kleiner und runder werden. Das ist doch herrliches Segeln! Wir überlegen ganz kurz ob wir zur Nacht ausreffen, doch gut dass wir uns dagegen entscheiden, denn die Nacht hat wieder etwas mehr Wind im Gepäck. Wir sind weiterhin sehr zügig unterwegs, die Logge geht nie unter 6kn. Mond ist leider keiner zu sehen, haben wir es doch genau getroffen mit Neumond. Doch der Sternenhimmel entschädigt. Skorpion ist neben Schütze am Abendhimmel zu sehen, um letzteres Sternbild sind mit dem Fernglas viele Sternhaufen zu erkennen, was allerdings auf einem schaukelnden Schiff nicht ganz so einfach ist. Kurz vor Sonnenaufgang erstreckt sich im Osten Orion als weiteres markantes Sternbild. Erst kürzlich sahen wir zum ersten Mal eine Reihe von Starlink Satelliten. Wir haben schon öfter davon gehört. Tatsächlich ist es schon etwas befremdlich so einen ganzen Zug von künstlichen Himmelskörpern über sich hinwegziehen zu sehen.

Adios España
Ciao Italia

Zum Sonnenaufgang sind es noch 60 Seemeilen bis Sardinien. Doch am Vormittag schläft der Wind komplett ein. Wir werfen den Motor an. Es ist absolut keine Welle mehr und wir steuern schnurstraks auf eine Ankerbucht im Norden zu. In Porto Ferro fällt der Anker am frühen Abend. Es sind überraschend wenig Boote hier. Der Strand ist gut gefüllt, aber nicht überlaufen. Allerdings ist es hier ziemlich ab vom Schuss. Der Pinienwald im Hintergrund verströmt ein herrliches Aroma, das Wasser sehr klar. Hier bleiben wir zwei Tage. Es ist herrlich ruhig, außer am Abend, wenn vom Club Musik herüber tönt. Mal etwas rockiger, mal richtiger ItaloRAP. Aber alles im Rahmen und nicht so laut, dass es beim Schlafen stören würde. Wir sind angenehm überrascht.

In Porto Ferro hat es noch viel Platz
Hier hat man einen schönen Sonnenuntergang – heute liegt die Windrose of Amsterdam auch mit in der Bucht
Manchmal liegt viel Dunst überm Meer
Bis ans Land schafft er es meist nicht

Bei leichtem Wind geht es die Westküste nach Süden. Hinter der steilen Felswand schläft der Wind ein – zum Glück, denn so bergen wir das Segel und motoren ganz nah an die Küste heran, um die Isola Faradada herum und an der Grotta di Nettuno vorbei. Die Steilküste ist spektakulär!

Die Felsküste im Nordwesten Sardiniens
Unter Motor geht’s nah ran
Um die Isola Faradada

An der Grotta di Nettuno vorbei
Eine spektakuläre Felsküste

Der Leuchtturm am Capo Caccia

Etwas weiter,gleich gegenüber von Alghero gehen wir vor Anker. Es ist teilweise ganz schön eng, aber zum Abend gehen fast alle Boote, so dass wir nur zu dritt über Nacht in der Bucht liegen. Als freudige Überraschung kommen Annette und Kay von der SY Tuuli am Abend auf Besuch. Die Beiden haben wir von drei Monaten auf Ibiza kennengelernt und nun kreuzen sich unsere Wege. Manchmal sind die neuen Medien doch echt nützlich.

Hier ist sowohl am Strand als auch in der Bucht schon wesentlich mehr los

Mittlerweile liegen wir im Stadthafen von Alghero. Hier darf man fünf Tage umsonst festmachen. Vorausgesetzt man braucht kein Wasser oder Strom, denn dann würde es für unsere Bootslänge 75€ pro Tag kosten. Unser Nachbarboot ist 3 Meter länger und zahlt 150€ – pro Nacht wohlgemerkt! Wenn das keine Abzocke ist …

Piccolina liegt im Stadthafen
Einmal umfallen und man ist in der Altstadt
Morgens ist es wunderbar ruhig
Nach Sonnenuntergang ist richtig was los auf der Promenade

Der Zeitpunkt unseres Umzugs in den Stadthafen war denkbar ungünstig. Am Montag ist Mistral angesagt und laut dem Offiziellen an der Anmeldung gibt es keine Verlängerung – Begründung: wir können ja in eine Marina umziehen. Mit Seemannschaft hat das auch nichts mehr zu tun! Wir warten noch ein paar Wettervorhersagen ab und werden danach entscheiden wo wir den Starkwind abwettern werden.

Da kommt was auf uns zu….

Hochsommer auf Menorca

Eigentlich würden wir uns während der Hochsaison gerne in eine Gegend verdrücken, wo nicht ganz so viel los ist. Das ist allerdings im Mittelmeer fast ein Ding der Unmöglichkeit. Hier auf Menorca ist auch sehr viel los, dennoch scheinen uns die meisten Leute entspannter als manch anderen Ortes zu sein. Wir waren einige Tage an der Nordwestküste vor Anker. Geeignete Buchten gibt es genügend, manche sind etwas ab vom Schuss oder einfach nicht ganz so hip und somit nicht so voll gepackt wie andere. Aber als wir an der kleinen Cala Pregonda vorbeifahren liegen dort ca. 16Boote vor Anker. Ein Kommentar in Noforeignland.com (eine Seite zur Bewertung von Ankerplätzen etc) schreibt von Platz für 5-6 Boote. Auch für uns sieht die Cala völlig überfüllt aus. Nur ca. eineinhalb Meilen weiter gibt eine weitere Ankerbucht. Vielleicht nicht ganz so hübsch gelegen, aber mit viel Platz und auch hier ist das Wasser schön klar. Wir lassen unsere Haken in den Sand fallen. Eine gute Entscheidung wie sich in der Nacht herausstellt. Wir wachen auf als Winfried, unser Windgenerator, laut wird. Plötzlich kommen Böen mit 30 Knoten, vielleicht auch etwas mehr, buchstäblich aus heiterem Himmel. Richtig heißer Wind. Kein Regen, keine Wolke ist zu sehen, es ist sternenklar. Der ganze Spuk geht nicht lange. Nach 20 Minuten ist alles wieder OK. In unserer Ankerbucht sind derweil von sechs Ankerliegern nur noch zwei dort wo sie vorher waren. Zwei sind gleich Anker auf gegangen und zwei sind einige Meter gerutscht. Was in der rappelvollen Cala Pregonda abgelaufen ist, können wir nur erahnen. Jedenfalls sehen wir dass auch dort Boote in der Nacht die Bucht verlassen.

Die Cala Pregonda ist mehr als voll….
Den Blick auf die Seekarten und gute Ausschau darf man nicht vernachlässigen – es gibt immer wieder Felsen unter Wasser die eine zu geringe Tiefe für uns aufweisen

Komplette Windstille ist aber auch nicht ideal, wenn man in einer gut gefüllten Ankerbucht liegt. Je nach Bootstyp schwojen manche Schiffe komplett anders, da kann es manchmal auch zu eng werden, weil sich die Yachten nicht mehr nach dem Wind ausrichten können. Tagsüber kein Problem, wenn man beim Boot ist, aber nachts kann man ja nicht ständig schauen.

Leuchtturm im Norden Menorcas – Far de Cavalleria
Die schroffe Nordküste

Beim Buchtenbummeln in Menorcas Norden machen wir auch in der Bucht von Fornells halt. Diese hat nur eine schmale Einfahrt im Norden und ist praktisch von allen Windrichtungen ganz gut geschützt. Doch schon beim ersten Ankerversuch hält unser Anker nicht. Also den Haken wieder hoch, ein ordentlicher Batzen aus Gras und Schlamm mit im Gepäck, und ein neues Plätzchen gesucht – wenigstens ist die Bucht sehr groß, mit viel Platz. Auch beim zweiten Versuch hält der Anker zuerst, doch wenn mit etwas höherer Drehzahl eingefahren wird, gibt er ein klein wenig nach. Wir bleiben trotzdem. Nach einigen Tagen kommt etwas mehr Wind aus Nord und siehe da, eine (nicht sehr heftige) Böe lässt uns auf Drift gehen. Das gibt’s ja nicht! Also wiederum einen neuen Platz gesucht. Gleiches Spiel, Anker hält, etwas kräftiger Einfahren, Anker slipt und ist dann so voller Schlick, dass er sich nicht mehr eingraben kann, sondern einfach auf dem Grund weiterrutscht. Also machen wir es nun auf die französische Art. Platz ausgesucht, Anker fallen lassen, vom Wind vertreiben lassen und das war’s. Das gibt uns jetzt kein richtig sicheres Gefühl, denn wir haben keine Ahnung wieviel Wind wir so abkönnen. Also werden wir hier das Boot nicht lang alleine lassen und bei viel Wind ist diese Bucht für uns ein no go – zumindest mit diesem Anker – ein 25kg Bügel, der im Sand bis jetzt wirklich ausgesprochen gut gehalten hat.

Die Einfahrt ist schmal und hält den meisten Schwell vom Meer ab
Die Bucht ist fast zwei Meilen lang – eigentlich mehr als genügend Platz, wenn der Ankergrund gut wäre
Immerhin kann man mit viel Abstand zu den anderen Booten ankern
Die Bucht ist ideal für Wassersport – surfen, jollensegeln, kiten, SUP-paddeln, foilen…

Fornells ist ein netter Ort. Vom ursprünglichen Fischerdorf ist nicht mehr viel zu spüren. An der Promenade reiht sich ein (Fisch)-Restaurant am anderen, die Touristen kommen in Scharen. In der dritten Reihe finden wir dann aber doch noch eine kleine Bar/Restaurant in der sich auch die Einheimischen treffen oder Essen mitnehmen. Auch das Restaurant des Club Nautico im benachbarten Ses Salines ist fast nur von Locals frequentiert, dafür schließt es bis Mitte Juli schon um 17Uhr….

Im Club Nautico sitzt man mit schönem Ausblick
….leider hat er nur ab Mitte Juli auch abends geöffnet
Abendstimmung in der Cala
Im Hafenbecken liegen viele traditionelle Boote
Heute ist eine Art Schiffsprozession….die Boote sind geschmückt und begleiten eine Heiligenfigur aufs Meer
Da ist echt was los auf dem Wasser!

Auch das gibt es im Hochsommer – Morgennebel bei 25°C, Sicht unter 50m
Olivenbaum auf dem Dorfplatz in Fornells
Das schöne Städtchen Es Mercadal

Alte Dorfschmiede
Parkplatz…
Unter Segel durch die Ausfahrt der Cala Fornells

Noch ist unser Plan, zügig nach Sardinien weiterzusegeln. Also geht es für uns mit einem kleinen Zwischenstopp wieder nach Es Grau, um ein günstiges Wetterfenster abzuwarten. Doch die Weiterfahrt verzögert sich. Erstens möchten wir vorher noch die Relingsdrähte auswechseln, zweitens ist es vielleicht besser erst nach dem 15.ten August in Sardinien anzukommen, wenn die Hauptferien der Italiener zu Ende sind? Doch auch hier in Menorca haben wir das Gefühl, dass jeden Tag mehr Menschen auf der Insel, Boote in den Buchten, Besucher in den Restaurants sind. War es im Juli schon voll, steppt nun Anfang August mal so richtig der Bär.

Cap de Favaritx – die Bucht südlich ist oft nicht ganz so voll
Vor Sonnenaufgang
Hinter den Wolken geht der Vollmond unter
Jedes Licht ein ankerndes Boot

Seit Wochen hat es nicht mehr geregnet. Genauer gesagt, seit dem Gewitter in Ciutadella Mitte Juni. Dennoch ist die Insel überraschend grün. Nur die landwirtschaflich genutzten Felder sind braun (aber schon längst abgeerntet), die mit Macchia und Pinien bewachsenen Hügel zeigen keine Dürre. Jeder Südwind bringt jede Menge Sand und Staub aus der Sahara mit und paniert damit unsere Piccolina. Ständig putzen wir die Solarpanele und den Edelstahl an Deck, das Teak bekommt ab und zu mal eine Salzwasserdusche. Aber der Wind aus dem Süden bringt nicht nur Dreck, sondern auch heiße, feuchte Luft. An diesen Tagen ist die Hitze besonders heftig und auch die Nächte kühlen kaum ab. Erst jetzt Anfang August haben wir wieder etwas erträglichere Temperaturen. Allerdings sind diese eher auf Grund des Mistral gekommen. Dieser kräftige Nordwind, der im Rhonetal durch Düsenwirkung entsteht, weht oft bis nach Menorca und Sardinien, manchmal ist der Starkwind noch in Tunesien zu spüren. In der ersten Augustwoche war eine ausgeprägte Mistral Lage angesagt. Waren noch am Tag zuvor unglaublich viele Boote in den Buchten um Es Grau, brach eines frühen morgens unglaubliche Hektik am Ankerplatz aus und wenige Stunden später waren nur noch drei Yachten vor Anker. Ja, die Tage waren etwas unruhig, bei Wind bis zu 30 Knoten. Aber der Wind ist auch nicht das Problem, sondern die Wellen die dann aus dem Norden angerollt kommen. Die Cala Es Grau bietet zwar Schutz, doch etwas Schwell schafft es immer in die Bucht, die nach Osten offen ist. Drei Tage weht der Nordwind. Mal mehr mal weniger stark. Kaum hat sich die Windrichtung wieder gedreht und die höchsten Wellen sind durch, schon kommen wieder die ersten Boote aus dem Süden in die Cala gefahren.

Kein Regen, dennoch schön grün
Südwind transportiert viel Sand und Staub – tägliche Routine: Solarpanele reinigen

Es kommt kein hoher Schwell in die Bucht, aber etwas ruppige, kabbelige Wellen
Die Bucht nördliche von uns ist praktisch leer während dem Nordwind
Angesagter Mittelwind

Der gleiche Ausblick zwei Tage später

Tagsüber sind zusätzlich richtig viele Tagesausflügler aus Mahon mit ihren Motorbooten hier vor Anker. Auch in Es Grau werden kleine Boote mit Außenbordern vermietet und sind sehr beliebt. Spätestens ab 10Uhr geht es zu wie im Taubenschlag. Auch Dinghys, zum und vom Dinghydock, die genauso wie die Motorboote und Skidoos mit teilweise viel zu hoher Geschwindigkeit an den ankernden Booten vorbeifahren. Für uns absolut unverständlich wie manche in der Bucht schwimmen gehen ohne Markierungsboje. Wir trauen uns zur Peakzeit nicht mal direkt am Boot ins Wasser. Das ist uns zu gefährlich. Dazwischen paddeln teileweise Horden mit geliehen Kanus vorbei, SUP’s sind auch viele unterwegs. Die sind wenigstens nicht laut, machen keine unerwarteten Wellen und haben kein Gefahrenpotential – im Gegenteil. Um ca. 17Uhr kommt das große Finale, wenn die Tageslieger Anker auf gehen um auch rechtzeitig in Mahon zum Abendessen zu sein. Die letzten fahren kurz vor Sonnenuntergang, dann wird es ruhiger, auch wenn noch etliche Tender von und zu den Ankerliegern unterwegs sind. Die Restaurants in Es Grau sind praktisch jeden Tag an der Kapazitätsgrenze, abends geht ohne vorherige Reservierung oft nichts mehr. Die Bedienungen schuften zehn Stunden Schichten – vielleicht auch mehr. Das war vor vier Wochen noch anders. Dennoch sind sie freundlich und nett, auch wenn man merkt dass es beim ein oder anderen langsam an die Substanz geht. Der Strand vor Es Grau ist übrigens sehr beliebt bei Familien mit kleinen Kindern da es ganz flach ins Wasser geht.

Viele sind mit geliehen Kanus unterwegs
Das Bojenfeld vor Es Grau, rechter Hand der Sandstrand, bei den ersten Booten ist es nicht mal einen Meter tief
Beim Dinghydock von Es Grau
Freie Plätze sind mittlerweile selten in den Restaurants

Von Es Grau gibt es eine Buslinie in die Inselhauptstadt Mahon. Das nutzen wir öfter und gehen dort schlendern und einkaufen.

Nach Mahon fahren wir oft mit dem Bus
Auf einer Plaza sind Fotografien von National Georaphics ausgestellt – top!

In der Nähe des Busbahnhofs gibt es ein Restaurant, dass sich innerhalb kurzer Zeit zu unserem Lieblingsrestaurant auskristallisiert hat. Im S’aturedeta essen wir, wie hier überall, meist Tapas. Diese Art der kleinen Gerichte lieben wir inzwischen sehr und bedauern es, dass es das nicht in allen Ländern gibt. Wir bestellen oft zwei, drei Tapas, essen gemütlich und wenn wir danach noch Hunger haben, wird einfach etwas nachbestellt. Wenn es etwas nicht als Tapaportion gibt, sondern nur als Ration, ist es in Spanien vollkommen natürlich, dass man sich diese auch mal teilt. Selbstverständlich bekommt jeder seinen Teller mit Besteck ohne zusätzlich dafür bezahlen zu müssen. Zu unserer Freude gibt es auf Menorca ganz oft Pulpo a la Gallega, das ist Oktopus mit Salz und gerauchtem Paprikapulver gewürzt, auf Kartoffeln mit einem Schluck Olivenöl – sehr lecker. Aber wir essen auch gern fritierte Tintenfischringe (Calamares de andaluz) und kleine Sardinen (Boquerones fritos), Sardinenfilets in Essig und Öl (Boquerones en vinagre), Pimientos de padron (kleine grüne Paprikaschoten in Olivenöl angebraten mit Meersalz), Tortilla (Kartoffel-Ei Tart), Kroketten mit verschiedenen Füllungen von Schinken bis Spinat (leider nur selten wirklich hausgemacht, dann aber meist sehr lecker), und die unterschiedlichsten Muscheln. Natürlich findet man auch überall Paella auf der Speisekarte, doch die Qualität ist sehr unterschiedlich. Die spanische Küche gibt noch viel mehr her, aber das würde den Blogbeitrag dann doch sprengen.

Auf dem Markt in Mahon – mehr für’s Auge als für den Geschmack
…und dazu noch teuer

Um die neuen Relingsdrähte zu besorgen fahren wir auch nach Mahon. Die Firma Sailpower fertigt sie nach Maß und wir können sie am nächsten Tag abholen. Der Anbau geht fix und nun heißt es warten aufs Wetterfenster, doch da ist momentan keines in Sicht. Machen wir das Beste draus und erledigen offene nice-to-have Projekte am Boot…..

Die Relingsdrähte sind ausgewechselt
Unserem SUP ist bei dem heißen Wetter auch die Puste ausgegangen und musste repariert werden
Neue spanisch-englische Rechtschreibung?