Junges Gemüse an Bord

Seit Samstag wohnen wir zu viert auf der Piccolina. Unsere Nichte mit Freund besucht uns  eine Woche in Las Palmas.

Besuch an Bord

Gemeinsam sind wir nun unterwegs in  Las Palmas bis die Füße schmerzen. Von Vegueta nach Santa Catalina und zum Strand Las Canteras. Dazwischen wird Kaffee getrunken und Eis gegessen.

Im Vegueta
Nördliche Küste

Heute wollten wir dem Botanischen Garten einen Besuch abstatten. Eigentlich hat dieser das ganze Jahr auf, nur wir erwischen den wohl einzigen Tag an dem der obere Eingang wegen Bauarbeiten gesperrt ist und nach gut zwei Kilometer Fußmarsch stehen wir am verschlossen unteren Eingangstor. Der letzte Bus ist gerade an uns vorbeigefahren. Perfekt! Also nochmal zwei Kilometer zur nächsten Haltestelle die um diese Zeit noch angefahren wird. Aber da alles sein Gutes hat, ist diese direkt neben einem Restaurant dessen leckerer Grillgeruch uns schon auf dem Weg aufgefallen ist. Also nichts wie rein.

lecker Gegrilltes

Verpasst

Nachdem unser Gas-und Wasserproblem gelöst ist, können wir nun nach einem guten Wetterfenster für die Weiterfahrt auf die Kanaren Ausschau halten. Frei nach Murphy ist es klar, dass wir ein gutes Fenster gerade verpasst haben und die nächsten Tage nichts in Sicht ist. Erst ist zuviel Wind, dann werden Wellen zwischen 4 und 7 Meter angesagt. Das muss nicht sein. Wir hoffen dass sich Ende Woche passende Bedingungen für die zweitägige Überfahrt nach Gran Canaria einstellen.

Derweil genießen wir die restlichen Tage auf Porto Santo – werden sogar langsam mit der Sprache etwas vertrauter und können unfallfrei auf portugisisch Essen und Trinken bestellen. Mit dem Mietwagen sind wir die komplette Insel abgefahren, die mittlerweile auf der Nordseite mit frischem Grün überzogen ist. Überall sind leuchtend gelbe Blüten zu sehen.

mit dem Elektroauto um die Insel
alles grünt und blüht…

Im Hafen wird es noch leerer. Es sind nur noch zwei nichtheimische Yachten festgemacht. Abgesehen von den Booten die an Land bewohnt sind. Wir können uns kaum vorstellen wie es im Sommer und Herbst zugeht, wenn teilweise im Hafen nicht mal mehr Platz zum Ankern ist und die Schiffe in der Bucht ankern müssen. Uns ist die ruhige Saison definitiv lieber.

der Hafen ist leer…

Porto Santo – Ankunft

Der letzte Tag auf See. Es ist merklich wärmer geworden, obwohl auch heute der Himmel bewölkt ist. Der Wind war fast schon etwas wenig und der Schwell hielt sich tagsüber so in Grenzen, dass wir uns sogar ein Rührei zum Abendessen machen konnten.

Die Nacht brachte uns neuen Schwell von der Seite, dafür reichte der Wind für eine zügige Fahrt, so dass bei Sonnenaufgang Porto Santo vor uns lag.

Nun sind wir vor Anker im Hafen und glücklich unseren bisher längsten Schlag (490Meilen = 900km) so gut hinter uns gebracht zu haben.

 

Biskaya Nachlese

Die größte Enttäuschung vorweg: wir haben keine Delphine gesehen. Nicht einer von den Kumpels hat sich blicken lassen. Dabei ist das doch das Highlight einer Biskayaüberquerung. Nun, also bei uns nicht!

Wir sind am Freitag mit dem ersten Tageslicht von Camaret-sur-Mer aus gestartet. Kurz nach der Hafenausfahrt konnten wir Segel setzen (Groß und Genua) und sind am Wind aus der Bucht gesegelt. Herrliches Segeln bei Sonne, zwar etwas kühl, aber mit unserer kleinen Kuchenbude saßen wir im Cockpit sehr geschützt.

kurz hinter Camaret: schön Wind, noch wenig Welle

Aus der Landabdeckung raus nahmen Wind und Welle immer mehr zu, so dass wir gegen Mittag zuerst die Genua, dann das Groß zweimal kurz hintereinander gerefft haben. Aber der Wind blieb beharrlich über 20Knoten und trotz der kleinen Segelfläche lief Piccolina beständig über 7 manchmal über 8 Knoten. Den südwestlichen Kurs hielten wir etwa bis zur tektonischen Meeresstufe, die wir am Abend erreichten, um dann etwas nach Süden abzufallen. Die Wellenhöhe war beachtlich, wir schätzten 3-4 Meter. Wellenberge kamen auf uns zu, hoben das Schiff an und rollten darunter durch. Je nach Winkel legte sich Piccolina noch mehr auf die Backe, um direkt danach auf den anderen Bug zu gieren. Es war soviel Bewegung im Schiff, dass jeder Handgriff Mühe machte. Gut dass ich einige Brote vorbereitet hatte.

Begegnung mit dem Frachter „Rosi“

Wir setzten Kurs von ca. 200° und legten direkt A Coruna an. Dabei liefen wir 20 Meilen parallel zu einer Schifffahrtsstraße auf der die großen Pötte von der spanischen Ecke (Cabo Finistere) hoch Richtung Ärmelkanal fahren. Die Frachter sahen wir nur auf unserem elektronischen Plotter als AIS-Signal (auf UKW basierendes Schiffsidentifizierungssystem mit dem alle großen Schiffe ausgerüstet sein müssen), nur von zwei Schiffen mit Ziel Santander konnten wir auch die Positionslichter erkennen. Die Nacht war finster, viele Wolken zogen durch und Sterne sah man nur selten. Der Horizont war manchmal kaum auszumachen, Wellen sah man nicht, spürte nur ihre Kraft. Um uns herum nur Schwarz und die Schaumkronen die vorne am Bug durch die Lichter der Positionslampen angestrahlt wurden. Ab und an einen lauten Schlag und kurz danach klatschte Wasser gegen die Cockpitfenster und ein Wasserschwall spülte über das Deck.

vor Sonnenaufgang

Morgens um acht wurde es endlich hell, Piccolina machte immer noch super Fahrt. Ein Blick auf die Logge zeigt ein klasse Etmal* von 155 Meilen an. Wow!! Das hatten wir noch nie. Aber unsere Kleine hat auch ihren Rennmodus ausgepackt :-).

Rolf setzte über die Biskaya jeweils morgens und abends eine Position per Kurzwelle ab, die über die Homepage aufgerufen werden kann. Über AIS kann der Standort nicht mehr abgerufen werden, da das UKW Signal höchstens 25 Meilen überbrücken kann.

Der nächste Tag war fast eine Wiederholung des vorigen. Allerdings wurden die Wellen etwas runder und die Wellenlänge größer. Die Höhe war fast unverändert, aber die Schiffsbewegungen waren nun nicht mehr ganz so ruppig. Die Wellen die es bis zum Cockpit schafften wurden weniger. Immer wieder zogen große Wolkenfelder durch, die auch den ein oder anderen Packen Wind mit sich brachten.

Da wir in der Nacht durch die Wachen und den ruppigen Seegang wenig Schlaf bekommen hatten, legten wir uns auch tagsüber abwechselnd in die Koje. Vor allem Rolf schlauchten die anstrengenden Schiffsbewegungen, da er immer noch nicht fit war und seine Erkältung wurde durch die Nachtwachen auch nicht besser. Aber wir kamen immer noch bestens voran.

Die nächste Nacht brach an und sie war noch dunkler als die vorige. Keine Sterne, keine Mond, absolut stockduster. Auch der Verkehr war weniger als in der ersten Nacht. Wir sahen nur drei Segelboote, die auch nach Süden fuhren und eine Handvoll Frachter im AIS. Nur wenige Boote kamen so Nahe, dass wir die Positionslichter ausmachen konnten.

Gegen frühen Morgen brieste der Wind nochmals frisch auf, so dass wir die Genua, die wir tags zuvor ordentlich rausgelassen hatten, wieder reffen mussten. Das können wir vom Cockpit aus machen, was besonders nachts von Vorteil ist. Rolf hatte Wache als sich endlich das erste Licht am Himmel zeigte. Eine Wohltat. Die dunklen Nächte zogen sich wie Kaugummi, wenn man so gar nichts sah.

Unglaublich aber wahr: das Etmal für die nächsten 24 Stunden waren auch genau 155 Meilen. Wir hatten also nur noch etwa 60 Meilen vor uns. Schon die ganze Nacht über rechneten wir aus, wann wir denn in A Coruna sein könnten, wenn wir die Geschwindigkeit beibehalten konnten. Noch war der Wind stetig, aber wir wussten, dass er im Laufe des Tages einschlafen würde.

Und tatsächlich um Mittagszeit war es dann soweit. Immer mehr Windlöcher waren zu überwinden, bis dann fast nichts mehr ging. Da wir A Coruna noch bei Tageslicht anlaufen wollten, starteten wir schließlich für die letzten Meilen den Motor. Die spanische Gastlandflagge war schon aufgezogen.

die französische wird gegen die spanische Flagge getauscht

Unter strahlendem Sonnenschein steuerten wir die Stadt an. Der Turm auf dem Wellenbrecher war schon von weitem zu sehen und eine ausgezeichnete Ansteuerungsmarke. Um 18:45 Uhr legten wir in der Marina Real an.

Anfahrt auf A Coruna

Die Biskaya liegt nun hinter uns. Es war anstrengende, aber eine super schnelle Überfahrt unter 60 Stunden! Nun werden wir uns ausruhen, Rolf muss sich dringend auskurieren und dann freuen wir uns darauf, die spanische Stadt zu erkunden. Piccolina braucht auch mal wieder etwas Pflege, d.h. wir werden hier vermutlich einige Tage bleiben.

*(Etmal ist die Strecke die ein Boot innerhalb von 24 Stunden zurücklegt. Eigentlich wurde es von 12 Uhr mittags bis zum nächsten Tag im 12 Uhr gemessen, da früher ja per Sextant die Mittagshöhe zur Positionsbestimmung herhalten musste. Ich gebe der Einfachheit halber die letzten 24 Stunden an.)