Tschüss Surinam – Karibik wir kommen!

Wir möchten nicht mehr warten. Das Wetter und die Hurrikanvorhersagen sehen gut aus – uns hält nicht mehr viel in Surinam. Es hat uns gut gefallen hier, wir haben viele nette Leute kennen gelernt, die Mischung aus Kulturen, Religionen und Hautfarben hat was besonderes. Dennoch – wir möchten endlich wieder blaues Wasser in das wir einfach mal reinhüpfen können wenn es uns zu heiß wird. Und das ist es uns hier oft und oft. Ohne unseren 12 Volt Ventilator wäre es im Boot nicht mehr auszuhalten. Also haben wir nochmal Vorräte gekauft – in der Karibik ist fast alles viel teurer – wir verabschieden uns von ein paar Locals die oft in der Marinabar sitzen und den wenigen Seglern die noch da sind. Mittlerweile sind fast alle vor uns losgezogen in den Norden. Und dann heißt es auch für uns: Leinen los, Karibik wir kommen!
Streng genommen segeln wir noch nicht in die Karibik, denn Trinidad und Tobago sind zwar auch Inseln vor der südamerikanischen Küste gehören aber (warum auch immer) nicht zu den Windward Islands – wie die südlichen kleinen Antillen im englischen Sprachgebrauch genannt werden. Tobago ist eher die Ferieninsel, Trinidad kann dafür mit vielen Werften punkten. Es gibt hier alles für Yachten.
Rund 500 Seemeilen wird der Schag. Da uns der Strom schiebt sollten es nicht mehr als 4 Tage werden die wir unterwegs sind. Leider sind immer wieder Felder mit wenig Wind voraus gesagt. Nach so langer Zeit vor Anker im ruhigen Fluß gelegen, sind wir gespannt wie lange wir brauchen bis uns wieder Seebeine wachsen.

//WL2K Atlantiküberquerung – 15. Tag

Nach dem am frühen Morgen der Wind eingeschlafen ist und wir zu allem Überflluß auch noch 2 Knoten Strömung gegen uns haben, beschließen wir den Motor zu starten. Schade so kurz vor dem Ziel, aber langsam sind wir so weit südlich, dass die Winde unbeständiger werden. Der Himmerl ist fast wolkenlos, am Horizont sind Cumulus zu sehen. Den ganzen Tag ziehen große Algenteppiche an uns vorüber. Schon vor Tagen sahen wir die ersten Pflanzen auf dem Wasser und teilweise brachten wir deshalb die Schleppangel schon gar nicht mehr aus, da sich ständig Grünzeug im Haken verfing. Heute ist an Angeln gar nicht zu denken und wir hoffen dass unser Kühlwasserfilter des Motors nicht viel von dem Zeug einfängt. Solange der Motor läuft nutzen wir die Energie um reichlich Süßwasser herzustellen und füllen unseren Wassertank wieder auf. Am späten Nachmittag kommt endlich wieder etwas Wind, so dass wir die Genua wieder ausbaumen können. Allerdings steht immer noch Strom gegen uns, so dass wir Kourou effektiv nur langsam näher kommen. Die Nacht wird trotz nahezu vollem Mond gespenstisch dunkel, da um uns herum immer wieder Squalls auftauchen. Das sind Regenschauer, manchmal mit Wind und/oder Gewitter im Gepäck. Durch die dicken Regenwolken kommt kein Mondlicht durch, dafür blitzt es in manchen Squalls, was die Szenerie gleich etwas bedrohlicher macht. Dafür haben wir ordentllich Wind und der Gegenstrom ist nicht mehr so groß, somit kommen gut voran.
Noch ca. 170 NM bis Kourou

//WL2K Atlantiküberquerung – 13. Tag

Die Temperaturen steigen stetig. Bei sonnigem Wetter haben wir mittlerweile gute 30°C im Boot. Der beste Platz ist draußen im Cockpit, wo die achterliche Brise Kühlung bringt. Der erste Regenschauer gestern abend brachte auch etwas Abkühlung. Und vor allem hat er Regen das Schiff gewaschen. Unglaublich wie dreckig es war. Auf den Kapverden war immer viel Sand und Staub in der Luft, der sich überall absetzte. Zwar haben wir PICCOLINA in Mindelo abgespritzt, aber halt nur was einigermaßen in Reichweite war. Alle Wanten und Schoten und Segel waren bei der Abfahrt noch it einer gelbroten Staubschicht paniert. Nun könnte man denken, auf dem Ozean ist die Luft sauber. Nun sie ist viel sauberer, aber es ist dennoch eindrucksvol, wie sich mit dem Tagen wieder eine Staubschicht auf dem Boot gebildet hat. An den glatten Flächen der Solarpaneele kann man das prima sehen. Vor Jahren habe ich gelesen, dass der Regenwald im südamerikanischen Tiefland vom Saharastaub gedüngt wird. Gerade Pflanzen wie Bromelien, die auf den Urwaldriesen wachsen und keine Wurzeln bis zum Boden haben, sind auf diese Nährstoffe angewiesen. Und naja – wenn so und so viele Tonnen Staub von Afrika bis in den Amazonas gelangen, dann geht auf dem Weg dorthin bestimmt auch einiges verloren… Wie gesagt. seit gestern ist das Schiff wieder sauber, auch die vielen Schuppen die die toten fliegenden Fische an Deck hinterlassen haben sind fortgespült. Wir sind gespannt wie sich das weitere Wetter entwickelt. Immerhin ist in Französich Guyana laut Klimatabellen bis Juli Regenzeit. Da werden wir noch den ein oder anderen Schauer abbekommen.
Noch ca. 440 Meilen bis Kourou

//WL2K Atlantiküberquerung – 11. Tag

Die Tage vergehen im immer gleichen Rythmus. Ich verliere das Zeitgefühl. Wenn ich kein Logbuch führen würde, könnte ich nicht abschätzen wie lange wir schon unterwegs sind – 5 Tage – 20 Tage? Die Segelstellung wurde schon lange nicht mehr verändert, war auch nicht nötig. Der Passat bläst sehr konstant aus der gleichen Richtung, die Windstärke ändert sich nur noch wenig. Die Wellen werden mal höher, so dass die Wellenberge PICCOLINA das Heck verdrehen, wenn sie nicht ganz genau von achtern kommen und unsere Windfahne (Fanni) teilweise ganz schön zu tun hat, das Boot wieder auf den richtigen Kurs zu bringen. Wenn dann die Wellen wieder etwas flacher und runder werden läuft plötzlich alles ganz leicht. Mittlerweile scheint meist die Sonne, manchmal ziehen Wolkenfeder durch, aber bis auf ein paar vereinzelte Regentropfen blieben wir trocken. Die Temperaturen sind recht warm, selbst bei der Nachtwache kommt man mit dem Tshirt aus. Es ist Halbmond und somit haben wir nun die halbe Nacht Mondlicht. Doch auch wenn der Mond untergegangen ist, wird es nicht stockduster – sofern der Himmel klar ist. Der Sternenhimmel ist fantastisch. Nicht ganz so schön wie in der Sahara, dazu ist es zu feucht, aber dennoch immer wunderbar anzuschauen. Gleich in den frühen Nachtstunden ist das Kreuz des Südens knapp über dem Horizont fantastisch zu sehen und eines meiner Lieblingssternbilder steht kurze Zeit später in voller Größe am Südhimmel: der Skorpion, mit seinen Scheren und dem gebogenen Schwanz. Am frühen Morgen ist das große Viereck des Pegasus im Osten aufgegangen, die Milchstraße wandert während der Nacht über den Himmel. Herrlich Aber es ist nicht nur alles Freude auf dem törn. Das Boot rollt und giert nach allen Seiten. Kochen wird bei den hohen Wellen zum Balanceakt, jeder Handgriff dauert mindestens doppelt so lange als normal. Egal wo jede Sekunde muss man sich irgendwo festhalten, sonst wird man womöglich durchs halbe Schiff geschleudert. Nur in der Pantry (Küche) kann man mit beiden Händen arbeiten, da der Abstand zwischen Herd und Schrank gerade mal 60 cm beträgt. So wird man von den Wellen von der einen Seite auf die andere Geschubst, während man Gemüse schnippelt oder Fisch filetiert. Ein Stück weit gewöhnt man sich daran, aber manchmal nervt es auch einfach, wenn man alles, aber auch alles mit Bedacht ablegen muss, weil es sonst quer durchs Schiff fliegt. Laut Wetterbericht sollen die Wellen ab Dienstag wieder kleiner werden…..!
Noch ca. 680 NM bist Kourou

//WL2K Alantiküberquerung – 9. Tag

Genau so haben wir uns das vorgestellt: Die Sonne scheint, ein paar weiße Wolken ziehen langsam dahin, das Meer ist tiefblau, die Wellen 1,5 bis 2 Meter hoch und der Nordost weht mit ungefähr 20 Knoten. Wir kommen endlich mal gut und trotzdem angenehm vorwärts. Das ist Passatsegeln vom Feinsten. Wir hoffen, dass es noch ein paar Tage so weitergeht. Am Morgen besuchte uns ein Vogel und jagte lange Zeit fliegende Fische neben uns. Sehr spannend zu beobachten, wie er die Fische unter der Wasseroberfläche aufs Korn nimmt, manchmal im Sturzflug ins Wasser taucht. Doch die meiste Beute macht er tatsächlich wenn er die Fische im Flug erwischt. Mit einer irren Geschwindigkeit jagt der Vogel hinterher und schwupp. Die Erfolgsquote war gar nicht so schlecht. Innerhalb einer Stunde hat er mindestens 5-6 Mahlzeiten erwischt. Danach kurz mit Salzwasser hinunterspülen und gut. Unglaublich wie hervorragend die Tiere an diese Lebensbedingungen angepasst sind. Immerhin sind wir in jede Richtung mindestens 900 Meilen weg von der nächsten Landmasse. Apropos: Wir haben Bergfest. Seit heute Nacht liegt nun mehr als die Hälfte der Strecke in unserem Kielwasser. Ansonsten gibt es nur alltägliche Dinge zu vermelden: jeden zweiten Tag wird Brot gebacken. Ganz einfach mit Mehl, Salz und Trockenhefe, bzw. heute probieren wir eine Brotbackmischung, die wir auf den Kanaren gekauft haben. Bis jetzt alles sehr lecker. Das einzige was uns ein wenig Kopfzerbrechen macht ist unsere Kurzwellenfunke. Das empfangen der Wetterdaten über das Pactormoden funktioniert prima, aber beim Sprechfunk ist wohl der Wurm drin. Wir verstehen – je nach Wetterlage – die Intermarrunde aus Deutschland können aber von dort nicht gelesen werden. Selbst auf den Kanaren kommen wir nicht gut an. Aber dieses Problem können wir während dem Segeln nicht beheben und so werden wir uns erst in Kourou richtig damit beschäftigen. Das wichtigste für uns sind die Wetterdaten und die bekommen wir jeden Tag (bzw. z.Z. eher jede Nacht) gut heruntergeladen.
Noch ca. 830 Seemeilen bis Kourou