Gas-Run

Wie wohl die meisten Segelboote auch, kochen wir auf der Piccolina mit Gas. Für uns hat es viele Vorteile, es (ver)brennt sauber, es kann am Herd sehr genau eingestellt werden, die Hitze ist schnell da, aber auch gleich weg, wenn die Flamme auf klein gestellt wird. Nach einer Umstellungsphase vom normalen Cerankochfeld zuhause, koche ich viel lieber mit Gas. Es hat natürlich auch seine Nachtteile. Die Gasflaschen dürfen nicht im Innenraums des Schiffs gelagert werden, sondern brauchen eine Entlüftung außerbords, da Gas schwerer ist als Luft und sich somit an der tiefsten Stelle im Boot, der Bilge, sammeln könnte, falls ein Gasleck besteht. Der Herd hat natürlich automatische Absperrventile, damit kein Gas ausströmt, wenn die Flamme ausgeblasen wird, direkt hinter den Gasflaschen ist bei uns ein elektrisches Ventil installiert, das wir vom Herd aus bedienen können. So ist sichergestellt, dass kein unerwünschtes Gas aus den Flaschen unerkannt ins Boot strömen kann (mal abgesehen davon, dass das Gas mit einer stinkenden Substanz parfümiert ist, die in Spuren zu riechen ist). Unsere Gasflaschen sind vorne im Ankerkasten untergebracht. Ziemlich bescheuert, aber vom Hersteller so installiert (nachfolgende Boot der gleichen Werft haben eine wesentlich bessere Lösung). So sehen unsere deutschen Stahlgasflaschen, die wir nun seit ca. drei Jahren mit uns herumfahren aus, als wären sie fünf mal so alt, bekommen sie bei strammen Überfahrten immer wieder mal etwas Salzwasser ab. Das mag Stahl überhaupt nicht. Aber da wir ja immer in anderen Ländern unterwegs sind, können wir die Gasflaschen nicht mehr tauschen, da selbst in Europa fast jedes Land einen anderen Gewindeanschluss hat, ganz zu schweigen vom Rest der Welt (das wäre doch mal eine sinnvolle Aufgabe der EU, das zu Vereinheitlichen! ). So sind wir also darauf angewiesen, unsere deutschen Flaschen füllen zu lassen. Wenigstens sind wir nicht auf ein Gas beschränkt. Da wir Propangasflaschen haben, kann auch Butan oder LPG gefüllt werden, da Propan einen höheren Dampfdruck als Butan hat und unserem Herd ist es ziemlich egal. In einigen Ländern ist es überhaupt kein Problem ausländische Gasflaschen füllen zu lassen, ist eine Marina in der Nähe, braucht man oft nicht einmal einen Adapter, da die Füllstationen auf andere Gewinde eingestellt sind und Adapter haben. So z.B. auf Gran Canaria oder Teneriffa, in Galizien, Surinam, Grenada oder in Mindelo auf den Kap Verden. Leere Gasflasche abgeben, am nächsten Tag die volle Flasche abholen, manchmal dauerte es auch nur ein paar Minuten, und wir konnten die frisch gefüllten Stahlzylinder gleich wieder mitnehmen.

Doch es gibt auch Länder in denen es verboten ist, ausländische Gasflaschen zu füllen. So z.B. in Portugal, wo wir unsere erste eigene Füllaktion starten mussten. Auch in Frankreich ist es verboten. Fremde Flaschen werden nicht gefüllt. Gut wenn man dann seine eigenen Adapter dabei hat. Kurz nach unserer Ankunft in St. Anne füllten wir unsere beiden deutschen 5kg Gasflaschen mittels einer großen französischen. Die erste Füllung dauerte knapp 30 Minuten, dann war der Gaszylinder gefüllt, doch bei der zweiten Flasche wollte es nicht so recht klappen. Dabei ist es eigentlich recht einfach: die zu füllende Flasche unten, die volle Flasche auf den Kopf gedreht darüber gehängt. Nun werden die beiden Flaschen mittels eines Druckschlauches verbunden. Zuerst den oberen Zylinder vorsichtig aufdrehen, dann den unteren, somit ist ein Vereisen eines Ventils unwahrscheinlicher. Wer möchte kann auch die Verschraubungen mit Lecksuchspray auf Undichtigkeiten prüfen und natürlich sollte der Füllvorgang an einer gut belüfteten Stelle erfolgen, so dass, sollte doch mal etwas Gas ausströmen dieses nicht ins Bootsinnere gelangen kann. Mittels einer elektronischen Flaschenwaage kann der Füllvorgang einfach überprüft werden. Doch warum floss kein Butan in unsere zweite Gasflasche? Im Gegenteil, hatte der Stahlzylinder eher ein wenig an Gewicht verloren, als wir ihn an das Butan anschlossen. Nach einigem Hin und Her, wurde uns der Grund klar: besagter Zylinder hatte noch eine Restmenge Propan intus. Nun hat Propan einen ca. 8 fachen Dampfdruck im Vergleich zu Butan. Also egal was wir machen, der Druck in der Propanflasche ist viel höher als der in der Butanflasche. Da geht mit nix mit füllen durch Schwerkraft. Letztlich konnten wir die zweite Flasche erst füllen, als das Propan verbraucht war, was unsere Theorie untermauert. Sollte noch ein Rest Butan in der zu füllenden Flasche sein, dürfte es wohl keine Schwierigkeiten machen.

Füllaktion in St. Anne

So eine 5 kg Flasche Gas hält bei uns meist 5-6 Wochen. Allerdings sind nun zu Coronazeiten die Bedingungen etwas verschärft. Wir backen viel Brot selbst, da wir nur selten an Land gehen und da wir viel Zeit haben, werden die Gerichte eher etwas aufwändiger in der Zubereitung. Deshalb waren wir uns einig, dass die zweite Flasche die nun schon in Betrieb war, sicher nicht so lange hält. Als wir am Samstag beim Einkaufen im Dorf waren, hätten wir gerne eine französische Gasflasche an der Bar am Eck mitgenommen, aber: alle Flaschen sind leer, die neue Lieferung kommt in der nächsten Woche. Soweit so gut….

Alle Gasflaschen sind leer…

Dann am Montag morgen, kurz bevor der Frühstückskaffee fertig ist die Meldung: „Das Gas ist aus“ – Puuuhhh! Aber wir hatten es ja geahnt. Also machen wir bald unser Dinghy klar und fahren damit in die nächste nördlich gelegene Bucht, die Grande Anse d’Arlet. Mit dem kleinen Gummiboot raus aus der geschützten Bucht ist schon ein komisches Gefühl. Das geht nur wennn es wenig Wind und Welle hat, so wie heute, und selbst jetzt schiebt uns der Schwell ganz ordentlich von hinten an. Aber bald sind wir an der Huk vorbei, die Wellen bleiben hinter uns und vor uns liegt die Ankerbucht. Hier liegen mindestens 4 mal so viel Boote wie unserer Bucht, am Ufer gibt es viele (geschossene) Restaurants und Cafes. Ist bestimmt sehr nett und viel los bei normalen Verhältnissen. Im Ort gibt es einen kleinen Laden, der Gasflaschen verkauft, aber auch hier – kein Gas. Der Nachschub komme vielleicht morgen, heißt es auf unsere Anfrage. Tja – zwei Tage keinen Kaffee oder Tee, keine Frühstückseier und nur kalte Küche? OK, es wäre nicht dramatisch, aber halt auch nicht lecker.

Schwell bricht sich am Ufer
auf dem Weg in die andere Bucht
Ein Teil der ankernden Boote
Weiter vorne wirds wellig….

Nun, so ein Boot ist ja nicht ganz klein – und man fährt so allerhand mit sich spazieren, was man denn so brauchen könnte. Rolf kam da eine Idee…. die nach Recherche im Internet etwas verfeinert wurde…. und kaum eine Stunde später kochte das Wasser in unserem Wasserkessel!! Yippih! Hier die Lösung: Man nehme eine Aludose – wir opfern uns und trinken gleich mal ein Lorraine – schneidet den Boden dreifingerhoch ab. Das Oberteil wird auch abschnitten, ein klein wenig höher. Der Deckel wird entfernt und die Wandung des Oberteils wird eingeschnitten damit die Teile leichter ineinanderpassen. Aus dem übrigen Mittelstück wird ein „Kamin“ gefertigt der etwas kleiner im Durchmesser ist und in den oberen und unteren Dosenfalz passt. Der Kamin bekommt unten acht Löcher, das Oberteil 16. Nun wird der Brenner mit ca. 25ml Brennspiritus gefüllt und angezündet. Die Flüssigkeit fließt durch die unteren Löcher im Kamin in den Zwischenraum von Kamin und Unterteil der Aludose. Durch das Erwärmen des Spiritus, verdampft dieser und tritt durch die oberen Löcher aus, wo er auch zu brennen anfängt. Bei uns war etwas feintuning in Bezug auf die Lochgröße nötig, aber nun haben wir eine Notlösung die nicht nur zum Wasserkochen reicht….

Wir schnitzen uns einen Kocher
Fertig!
Gleich gibt’s Kaffee

Immer noch im Lockdown

Tja, das hätten wir uns so wirklich nicht träumen lassen. Wir sind nun seit 40 Tagen auf der Piccolina, ohne dass wir – außer zum Einkaufen – irgendwelche Landgänge unternommen haben. Wir vertreiben uns die Zeit, indem wir im Internet surfen, Blogs von anderen Seglern lesen, jeden Tag lecker kochen (mal sehen wie lange das Gas reicht), viel Kaffee und Tee trinken. Wenn wir im Cockpit sitzen können wir Schildkröten beobachten, wenn sie zum Luft holen auftauchen. Manchmal sehen wir zwei, drei gleichzeitig. Das ist ein netter Zeitvertreib, wenn man viel Muse hat. Oder wir schauen den Fregattvögel zu, wie sie ohne einen einzigen Flügelschlag in der Thermik oder mit Wind stundenlang über dem Wasser kreisen. Wenn ein Fischerboot von drausen hereinkommt, begleiten sie es aufgeregt, in der Hoffnung, dass etwas für sie abfällt. Die wenigen Pelikane von der Bucht sind dann auch zur Stelle, genauso wie die kleinen, quirrligen Seeschwalben. So wird das Fischerboot von einem Schwarm Vögel begleitet, immer zur Stelle, wenn Innereien oder kleine Fische im Wasser landen. Ein tolles Schauspiel können wir manchmal kurz nach Sonnenuntergang beobachten. Meist sind ein paar Vögel, die aufgeregt über einer Stelle kreisen und ins Wasser stechen das erste Anzeichen. Wenn wir Glück haben und es ist nahe beim Boot, hören wir wie plötzlich Wasser plätschert. Die Wasseroberfläche spritzt und sprudelt, fast als würde es kochen. Dann springen in langem Bogen Fische aus dem Wasser – wahrscheinlich Thun. Die Jäger haben Schwärme von Tausenden von kleinen Fischen zusammen und Richtung Oberfläche getrieben. Nun kann ihre Beute nicht mehr aus und der Thun schnappt sie sich in schnellen Vorstössen, so dass er sogar aus dem Wasser herrausschießt. Auch die Seeschwalben bekommen ihren Teil ab, da nun die kleinen Beutefische direkt an der Oberfläche schwimmen.

Lecker essen ist wichtig
Schildkröte beim Luftholen
Gleich zwei auf einmal

Tagsüber gehen wir auch gern schnorcheln, schrubben den Rumpf unter Wasser (unglaublich wie schnell das hier wächst), und freuen uns über unser SUP, mit dem wir hin und wieder in der Bucht paddeln, darauf Dehnungsübungen oder Yoga machen oder einfach drauf rumlümmeln, die Beine ins Wasser hängen und dabei den Sonnenuntergang betrachten. Mittlerweile regnet es wieder öfter, aber die Temperaturen sind nach wie vor ideal. Tagsüber sehr warm, abends einfach herrlich angenehm. Da können wir wunderbar im Cockpit sitzen und die lauen Abende genießen. Immerhin wird es hier ja schon kurz nach sechs dunkel. Und da wir im Augenblickimmer alleine sind, schauen wir uns einen Film oder eine Serie von der Festplatte an. Da kann man sich in einer Woche alle drei Staffeln von “ Better call Saul“ reinziehen ohne ein schlechtes Gewissen zu haben (übrigens die „Vorgeschichte“ des Anwalts der Serie „Breaking Bad“, wunderbar schräg)

Rein in Aquarium…
Angelfish
Warum der wohl Kofferfisch heißt?

Jetzt im April bereiten sich viele Segler auf die Atlantiküberquerung vor. Ein befreundetes Pärchen kam vor dem Absprung noch kurz vorbei um ein paar Dinge zu tauschen, bevor sie am nächsten Morgen nach St. Martin aufbrachen, dem letzten Stop hier in der Karibik. Danach geht es für sie via Azoren nach Portugal. Jedoch dürfen sie vorraussichtlich überall erst nach einer zweiwöchigen Quarantänezeit an Land, deshalb möchten die beiden die Zwischenstopps nur zum Verproviantieren nutzen und gleich weitersegeln, sobald das Wetterfenster günstig ist. Wir drücken ihnen die Daumen für eine angenehme Überfahrt.

Es machen sich nicht nur Segler auf eigenem Kiel auf den Weg. Ein großes Thema dieses Jahr ist der Yachttransport. Letzte Woche wurden in Le Marin schon viele Yachten auf Schiffe verladen, im kommenden Monat gibt es nochmals einige Termine. Dabei werden Yachten per Kran auf das Deck eines Frachters gehoben und Huckepack nach Europa transportiert. Es gibt aber auch spezielle Schiffe die nur für den Yachttransport konzipiert sind. Diese können ihr Deck absenken, so dass die Boote in den Transporter hineinfahren können, dort werden sie von Tauchern verzurrt, das Wasser wird abgelassen und die Fracht wird danach nochmals richtig für die Überfahrt gesichert. Am Zielhafen dann das gleiche Spiel rüchwärts. Die Transportbranche hatte wohl schon die letzten Jahre immer mehr Zulauf, doch durch die Coronakrise sind die Aufträge nochmals deutlich gestiegen.

In einigen Ecken der Welt scheint sich die Lage – gerade für Segler – wieder etwas zu enspannen. So dürfen Yachties in den Marquesas und auf französisch Polynesien, die vor coronafreien Inseln ankern wieder ohne Einschränkungen an Land. Auch für die Inselbewohner sind die Ausgangssperren aufgehoben worden. Nur neuankommende Yachten haben eine zweiwöchige – in manchen Ländern bis zu vierzigtägigen! – Quarantänezeit. Kannn man nachvollziehen, dass sich die Einheimischen keine Coronafälle auf die Inseln holen wollen. Also sind sie nun sehr vorsichtig.

Wir sind gespannt wie es in der Karibik weitergeht. Die ersten Inseln haben keine aktiven Fälle mehr und sind coronafrei. Wann und vor allem wie sie allerdings die Grenzen öffnen, ist noch völlig unklar. Auf den meisten Inseln der kleinen Antillen kommen jedoch weitere Fälle hinzu, zwar wenige, doch oft sind auch die Krankenhäuser nicht sehr gut ausgestattet. Einige Inselstaaten können nicht einmal selbst testen und müssen die Proben zu Labors auf andere Inseln schicken. Hier auf Martinique ist die Versorgung relativ gut, es gibt jedoch wahrscheinlich durch die enge Anbindung an Europa etwas mehr Fälle. Mittlerweile ist die Zahl auf 175 gestiegen, bei einer Bevölkerung von knapp 400.000 Einwohnern. Das sind wenig, immer wieder kommen ein paar Fälle hinzu. Maskenpflicht gibt es (noch) nicht in Frankreich. Dennoch werden auch vereinzelt welche getragen. Wenn sie aber dann von Mund gezogen wird, um mit dem Mann vom Gemüsestand zu sprechen, fragt man sich schon, ob die Trägerin der Maske auch den Sinn dahinter versteht. Und nicht alle gehen auf Abstand. So begrüßen sich immer noch einige Wenige ganz traditionell mit Küsschen, nach dem Motto, wir sind ja sicher gesund. Hoffen wir dass es so ist und auch so bleibt

Mondaufgang in Anse d’Arlet

Trockenzeit

Traumstrände mit türkisem Wasser vor hellgebem Sand, von ein paar Palmen beschattet, im Hintergrund in kräftigem Grün bewaldete Hügel, Pfade die durch den Regenwald zu erfrischenden Wasserfällen führen, bunte Häuser, die sich an die Hänge schmiegen, dazu Reggaemusik, blauer Himmel und Sonne pur. So das Bild, das man von karibischen Inseln im Kopf hat. Und es stimmt, aber es stimmt nicht immer. Während in Tobago der Reggae und Calypso allgegenwärtig war, hört man in den Minibussen auf den nördlicher gelegenen Inseln oft nur moderne, westliche Rythmen, den Bass zu stark aufgedreht, wie überall in der Welt. Steelbands gibt es noch, sie treten abends in Restaurants und Bars auf, die eher von Touristen frequentiert sind. Allerdings gibt es in Tobago zum Karneval einen Wettbewerb unter den Steelbands. Es ist also nicht komplett zur Touristenattraktion degradiert. Aber moderne Musik muss ja nicht schlecht sein. Ein toller Song im Soca Stil ist z. B. „Wrong again“ von Skinny Banton, der in Grenada oft lief und bei dem man die Füße nicht mehr stillhalten kann – einfach mal auf youtube anhören!

Auch der blaue Himmel und die Sonne sind keine Dauergäste in der Karibik. Nicht umsonst sind die Berge mit dichtem Regenwald bewachsen. Je höher die Inseln, desto eher steigen dort Wolken auf und regnen ab. Und das zu fast jeder Jahreszeit, nicht nur zur Hurricanesaison. Und auch an der Küste sind Regenschauer ganz normal. So hatten wir uns schon fast daran gewöhnt, mitten in der Nacht einmal aufzustehen und die noch geöffneten Fenster und Luken zu schließen, wenn uns die ersten Regentropfen aufweckten. Sehr lästig und oft war es auch kaum der Rede wert, was dann an Wasser vom Himmel viel, aber genügend um im Schiff noch eine höhere Luftfeuchtigkeit zu bekommen. Auch tagsüber hielt uns dieses Luke-auf, Luke-zu Spiel ständig auf Trab. Im März kamen meist nur noch ein paar Tropfen vom Himmel gefallen, die noch nicht mal das Teakdeck ganz nass machen konnten, aber in den Monaten davor schüttete es manchmal wie aus Kübel. Dann war der Himmel grau und wolkenverhangen, Böen zogen über das Wasser, das nun eine graublaue Farbe angenommen hatte. Dennoch waren auch da ganze Regentage eine Ausnahme, so kam die Sonne später doch noch zum Vorschein, verdampfte durch die Einstrahlung das Wasser auf der Straße, auf den Wiesen und den Blättern der Bäume, so dass man die hohe Luftfeuchtigkeit nun richtig spürte.

Seit einem Monat hat es hier nur sehr wenig geregnet. Zuerst noch ein paar Minischauer, vor allem nachts, doch seit zwei Wochen fiel kein Tropfen mehr vom Himmel. Das sieht man auch deutlich an den Bäumen am Ufer. Der bewaldete Hügel neben unserer Bucht zeigt kein üppiges Grün mehr, sondern viele blattlose Bäume, deren dürren Äste nun den Blick auf den Vulkanstein freigeben. Fast wie bei uns im Herbst, nur nicht so farbenfroh. Natürlich ist es in den Bergen im Inselinneren nicht so trocken wie hier, dennoch ist auch dort nun die regenärmste Zeit des Jahres. Ab nächsten Monat werden wir uns wahrschlich wieder an unser Luken Spiel gewöhnen müssen.

P.S. kaum hab ich diese Zeilen zu Ende geschrieben, fallen dicke große Regentropfen. Aber es hat uns nur etwas Bewegung verschafft. Als die Luken zu waren, hörte es auch schon wieder auf…

Blick vom Boot

Wir gehen in die vierte Woche

Heute werden es drei Wochen, seit Frankreich die Ausgangssperre verhängt hat. Am Tag zuvor hatten wir hier in der Bucht Petit Anse d’Arlet unseren Anker fallen lassen. Mittlerweile hat fast jedes Land Beschränkungen eingeführt – manche meiner Meinung nach nicht unbedingt zielführend und nachvollziehbar. Uns geht es hier verhältnismäßig gut, seit in Frankreich die Maßnahmen erlassen wurden, waren wir vier mal an Land und haben Lebensmittel gekauft, bis jetzt wollte noch niemand unseren Passierschein sehen, den wir mitgeführt haben. In Martinique darf noch Alkohol verkauft werden, was in anderen Ländern als erstes untersagt wurde. Allerdings kostet die Halbliterdose des einheimischen Biers Lorraine hier im Dorf schlappe 2,50€. Da schluckt man als Deutscher erst mal trocken….ist es doch ein Aufschlag von fast 50 Prozent. Doch die Auswahl in der Épicerie ist sehr begrenzt und außerdem haben wir z. Z. außer Lebensmittelkosten keine Ausgaben, also wandern doch jedesmal ein paar Dosen in den Rucksack. So ein Bier als Sundowner ist halt doch lecker.

Tag 22

Wir vertreiben uns die Tage indem wir liegengebliebene Sachen erledigen – insofern wir die benötigten Materialien an Bord haben. Das Steckschot wurde abgeschliffen und bekam eine neue Lackierung, allerdings möchten wir die finale Schicht mit einem neuen Pinsel aufbringen. Rolf hat das Spiralkabel von unserer UKW-Funke ausgewechselt. Nicht ganz so trivial wie sich das anhört, denn da wir kein Ersatzteil mit dem richtigen Stecker gefunden haben, musste er nun sowohl Stecker, als auch Mikro von Hand anlöten. Bei so dünnen Kabeln, schaukelndem Boot und nur grobem Bordlötkolben ein Geduldspiel, aber das Funkgerät funktioniert, und das alte Spiralkabel, das sich immer mehr von seiner Gummiummantelung verabschiedete, konnten wir nun endlich entsorgen. Eine neue, genauere Steuerung für den Kühlschrank per Arduino ist auch in Arbeit. Nebenher wird Wäsche gewaschen (da fällt ja momentan wenig an), gekocht, Brot gebacken, das Boot geputzt – und ja, wir sind auch viel im Internet unterwegs oder halten mit Freunden Emailkontakt. So sind wir mittlerweile auf dem Laufenden, was in Europa und der Welt gerade passiert, und wie das Virus alle in Atem hält. Hier einen Link zu einer Website, die viele Daten, Statistiken und Kurven veröffentlicht, die allerdings auch gut beschreibt weshalb viele Auswertungen nur bedingt aussagekräftig sind, gerade bei Prozentangaben der Todesfälle. Also bitte nicht nur die bunten Kurven anschauen, sondern auch den meines Erachtens sehr interressanten Text beachten https://ourworldindata.org/coronavirus .

frisch lackiert…
Das neue Spiralkabel
Frisch aus dem Ofen

Wie gesagt geht uns hier sehr gut, gerade auch wegen dem Hintergrund, dass man als Segler nur noch in ganz wenige Länder offiziell einreisen darf. In der Südsee lehnen manche Länder die Einreise strikt ab, oft dürfen ankommende Segler noch vor Anker gehen, können aber nicht einklarieren und dürfen auch nicht von Bord. Wasser und Lebensmittel bekommen sie von anderen Yachties oder von Behörden „geliefert“. Oft hört man, dass schwimmen, surfen o. ä. untersagt ist, wenn man dann noch in einer Ecke liegt wo es keinen Handyempfang oder WLan gibt ist es natürlich nicht so spaßig. Ganz davon abgesehen ist es aus medizinischer Sicht mehr als fragwürdig, Segelboote in Quarantäne zu halten, die zwei, drei oder mehr Wochen auf dem Meer unterwegs waren und bei der Ankunft keine Sympthome zeigen. Doch wie gesagt macht nicht alles Sinn. Freunde von uns liegen seit drei Wochen vor Barbuda vor Anker. Nun gibt es auch dort eine Ausgangssperre.. So dürfen sie nicht ins Dorf, aber auch nicht zurück zur Hauptinsel Antigua, dafür können sie dem Zoll eine Liste mit benötigten Lebensmitteln mitgeben, die sie von ihm auch geliefert bekommen. Interessant ist auch die Aussage, dass sie nur morgens bis 12Uhr an den Strand dürfen. Immerhin, in vielen Ländern sind die Strände gesperrt…Da finde ich die Maßnahme in Baden Württemberg allein vom Namen her schon besser: denn Kontaktsperre zeigt ja eher worauf es ankommt und der Begriff Ausgangsverbot der mit zig Ausnanmen so verkompliziert wird dass sich kaum jemand auskennt, muss nicht verwendet werden. Ist in Bayern spazierengehen im Wald oder oder die Motorradtour alleine gestattet? Die Ansteckungsgefahr ist ja praktisch genauso gering, als wenn ich zuhause sitze und mir die Decke auf den Kopf fällt. Immerhin kann man für den Weg zur Arbeit auch noch öffentliche Verkehrsmittel benutzen. Bitte nicht falsch verstehen: ich denke dass es gut war, strikte Maßnahmen zu ergreifen, aber spätestens wenn Lockerungen kommen, sollten die weiter bestehenden Einschränkungen nachvollziehbar sein. Für mich gehört da durchaus auch dazu, zu versuchen bestimmte Risikogruppen mehr aus dem Alltagleben herrauszuhalten als andere. Ich kann überhaupt nicht nachvollziehen, dass schon jetzt mit einer Klage vor dem Bundesverfassungsgericht gedroht wird, wenn z. B. ältere Personen länger Auflagen bekommen als jüngere. Ein Blick auf die Todesraten nach Alter bei den Infizierten zeigt doch die Notwendigkeit, abgesehen davon, dass man der arbeitende Bevölkerung zuerst mehr „Normalität“ geben sollte. Die allermeisten Rentner und Pensionäre werden damit auch sicher kein Problem haben und froh sein, wenn weiter in die Rentenkassen eingezahlt wird…

Nur Fischerboote liegen am Strand

Die meisten Langfahrtsegler die wir kennen, nehmen die Unsicherheit um Corona erst mal einigermaßen gelassen und erroire die Möglichkeiten die ihnen im Momet bleiben.. Welche Grenzen sind offen bzw. mit welchen Auflagen, wohin könnte man ausweichen wenn die Hurrikansaison kommt? Einige möchten ja auch wieder zurück nach Europa. Auf den Azoren sind zwar die Häfen auch alle geschlossen, es gibt jedoch drei Anlaufpunkte, wo Yachten vor Anker gehen können und Wasser, Diesel und Lebensmittel bekommen können. Das ist gut und wichtig. Ein Zwischenstopp auf den Bermudas ist im Augenblick allerdings nicht möglich. Aber auch unter den Yachties gibt es schwarze Schafe. Laut einer Pressemitteilung von der Regierung St. Vincent & the Grenadines wurden drei Häfen auf den südlichen Inseln auch deshalb geschlossen, weil sich Segler nicht an irgendwelche Quarantänevorschriften halten wollten. Somit wird es also noch enger für uns….Natürlich hoffen auch wir, dass sich die Lage bald insgesamt entspannt und bevor die Wirbelstürme kommen, Länder ihre Grenzen wieder öffnen, die Auserhalb oder weiter am Rand der Hurrikanzone liegen. Noch haben wir etwa zwei Monate Zeit…

Wir genießen die Sonnenuntergänge

Petit Anse d’Arlet

Es ist mittlerweile fast zwei Wochen her, seit sich unser Anker hier in der Petit Anse d’Arlet eingegraben hat. Seitdem ist viel passiert – nein, auf dem Boot ist es sehr ruhig, aber in der Welt ist plötzlich der Teufel los.

Dass Frankreich einen Tag nach unserer Ankunft in der Bucht eine Ausgangssperre verhängte, erfuhren wir erst kurz vorher durch einen befreundeten Segler (Maik vom Seefalke, siehe Link in den rechten Spalte). Dieser wiederrum konnte gerade noch ohne große Änderungen nach einer dreitägigen Reise in Mexico einklarieren. Wobei die Einreiseformalitäten in Mexico von Haus aus schon recht langwierig sind. Jedenfalls betrachteten wir Anfangs recht ungläubig den Strand vor unserem Boot und als wir sahen, wie er sich leerte war ganz klar, dass sich auch Martinique sehr strikt an die Ausgangssperre hält. Wir hatten noch zwei Tage zuvor ordentlich Essen eingekauft – wenn wir schon mal mit dem Dinghy direkt zum Supermarkt fahren, dann muss sich das auch lohnen. Dort war viel los gewesen, aber vielleicht ist das am Sonntag vormittag hier ja üblich. Dennoch die Menschen waren einigermaßen entspannt und außer bei den Engpässen von Wurst, Käse und Butter war das Warenangebot ganz normal. Anmerkung : schon seit wir in Martinique eingereist sind, fielen uns die teils leeren Regale bei Käse, Butter und Milchprodukten auf, die allerdings auf die Streiks in Frankreich zurückzuführen waren. Also hieß es auch für uns ab jetzt : Wir bleiben auf dem Boot. Anscheinend ging auch die Polizei im Ort herum und informierte die Segler die an Land waren über die Auflagen.

Leerer Strand….
Der Ankerplatz und der leere Dinghysteg

Mittlerweile sind wir bei Tag elf der Ausgangssperre angekommen. Seither waren wir drei Mal kurz an Land, um ausgegangene Medikamente (ja es gibt eine Apotheke in dem kleinen Ort), Brot, frisches Obst und Gemüse, und andere Lebensmittel einzukaufen. Anse d’Arlet ist nur ein kleiner Ort, ein großer Supermarkt ist natürlich nicht vorhanden, aber es gibt eine Bäckerei, einen Obst und Gemüsestand der täglich geöffnet hat und einen kleinen Tante-Emma Laden. Als wir am gestrigen Donnerstag mal wieder an Land waren, gab es auch einen mobilen Metzger mit seinem Wagen, der wie wir erfuhren, einmal die Woche hier seine Waren verkauft. Das ist doch toll! So können wir nun auch mal lecker Rindersteaks in die Pfanne hauen.

Warteschlange vor dem Gemüsestand – schön mit Abstand
Ansonsten leere Plätze
…und Straßen

Seit wir vor fast drei Jahren auf’s Boot gezogen sind, haben wir uns ziemlich von den Nachrichten abgekoppelt. Meistens werden eh nur schlechte Nachrichten weitergegeben und selbst wenn man nach sechs Monaten das erste Mal wieder Fernsehnachrichten schaut hat man das Gefühl nichts verpasst zu haben. Die gleichen Katastrophenmeldungen, die gleichen Streitereien von Politikern und und und….. Nein das brauchen wir alles nicht mehr. Doch jetzt ist es etwas anders. Jetzt sind wir froh Neuigkeiten zu erfahren. Ist doch das Ausmaß der gegenwärtigen Krise immens – wer hätte gedacht, dass es so schnell gehen kann. Andererseits ist die Welt so sehr vernetzt, im Nachhinein betrachtet eigentlich kein Wunder. Was uns ein wenig zu Schaffen macht ist die sich ständig ändernde Situation in Bezug auf Grenzen. Ursprünglich wollten wir ja zuerst nach Guadeloupe, dann weiter nach Antigua bzw. nach Barbuda. Gleich zu Anfang gab es Meldungen, dass auf den Iles de Saint in Guadeloupe ausländische Boote gebeten wurden zu gehen. Allerdings bin ich mir nicht mehr sicher ob die Berichte so stimmen, mittlerweile hört man von Seglern dass in Guadeloupe soweit alles OK sei. Die Grenze zu Antigua & Barbuda wurde lange als offen geführt, allerdings wird seit ein paar Tagen Reisenden aus Italien, Frankreich etc. eine Quarantäne auferlegt und nur noch ein Hafen ist zum Einklarieren geöffnet. Gilt hier Martinique als Frankreich? Offiziell ist das so, allerdings sind gestern wohl Schweden über Guadeloupe in Barbuda eingetroffen, die wohl ganz normal einklariert haben? Es ist alles ein bischen unsicher. Viele Grenzen in der Karibik, deren Staaten ja oft sehr klein sind, manchmal sogar nur aus einer Insel bestehen, sind geschlossen, bei einigen muss man in eine 14 tägige Quarantäne, bei der man nicht von Bord darf. Und innerhalb der letzten Woche gab es ständig Änderungen und neue Bestimmungen. Deshalb haben wir für uns beschlossen einfach erst mal hier zu bleiben. Was sollen wir wo anders hin, wenn wir dort auch nicht von Bord dürfen? Ganz davon abgesehen geht es uns hier prima, wie vorhin beschrieben haben wir vor Ort alles was wir brauchen – maximal mit dem Bier könnte es einen Engpass geben, oh weh! Ansonsten beschäftigen wir uns auf dem Boot, gehen schwimmen, oder mal zu den Felsen am Strand zum Schnorcheln. Bis jetzt hatte niemand was dagegen. Bis auf den Schwell der die letzte zwei Tage reinkam ist es eine sehr ruhige und beschauliche Ankerbucht. Vielleicht zwanzig Boote liegen momentan hier vor Anker, aber trotz Corona ist immer noch ein ganz ordentlicher Wechsel. Was seit einer Woche signifikant auffällt ist das Ausbleiben der Charteryachten, die meist Freitag oder Samstag abend in nicht unerheblicher Zahl eingefallen sind, um das Boot dann einen Tag später in den Charterbasen in der Nähe abzugeben. Seit letzten Sonntag haben wir keine Yacht von den großen Anbietern mehr gesehen. Kein Wunder wenn keine Touristen mehr ins Land dürfen. Dafür fliegt nun täglich der Polizeihelikopter über die Ankerbucht und Zoll und Polizei schauen auch mal mit großen RIBs vorbei (allerdings wollten sie von uns noch nie was wissen).

Schildkröte beim grasen
Am Hausriff….
sind viele bunte Fische

Mittlerweile gibt Berichte in deutschen Medien, die wortgewaltig von gestrandeten (????) Seglern berichten, die nun bangen nicht mehr nach Hause zu kommen, oder sich jetzt schon Sorgen machen wegen der nächsten Hurrikanesaison die in gut zwei Monaten beginnt und nun panisch nach den deutschen Behörden rufen. Davon möchten wir uns ausdrücklich distanzieren. Es gibt wohl Fälle von Seglern die nach einem langen Schlag nun in Häfen ankommen die geschlossen sind. Das ist natürlich schwierig. Dennoch dürfen sie dann meist vor oder im Hafenbecken ankern und sie werden von Land mit Wasser oder Lebensmittel versorgt. Es gibt nur ganz wenige anderslautende Berichte, wonach wirklich Boote am einlaufen gehindert, bzw. aktiv weggeschickt wurden. Das geht natürlich gar nicht! So etwas muss einerseits kritisch hinterfragt werden, andererseits auf internationaler Ebene im Nachgang geandet werden müssen, wenn dies tatsächlich so der Fall war. Auch ein Problem haben Yachties, die gerade auf Heimaturlaub sind und nun nicht mehr aufs Boot und/oder zum Partner zurückkehren dürfen. Ganz davon abgesehen, dass Auslandskrankenversicherungen oft nur einen sechswöchigen Aufenthalt im Heimatland absichern. So schnell wie die Einschränkungen im Flugverkehr eingetrudelt sind, konnten sich viele nicht mehr auf den Weg machen, bzw. wer hätte das Ausmaß vor zwei Wochen vermutet.

Während ich hier sitze und berichte, fährt im Dorf ein Auto mit einer Lautsprecherdurchsage, die wir zwar akustisch nicht verstehen können, aber ejn kurzer Blick ins Internet zeigt, dass Frankreich die Ausgangssperre weitere zwei Wochen bis zum 15. April verlängert. Das war absehbar. Dennoch hoffen wir, wie vermutlich alle, auf eine möglichst rasche Besserung. Wer weiß, vielleicht ist der Virus ja schon viel verbreiteter und läuft sich schneller tot als vermutet. Schön wärs.

In diesem Sinne: bleibt gelassen aber vorsichtig, nehmt’s wie es kommt und macht das Beste draus. – Und ein großes Dankeschön an alle, die einfach versuchen einen guten Job zu machen!